ZDF-Krimi

Anna Loos - Polizistin mit wahnsinnig schlechter Laune

Das ZDF startet am Abend eine neue Krimireihe. Anna Loos spielt Helen Dorn, die entfernt an die schwedische Kommissarin Lund erinnert. Im ersten Fall geht es um ein verschwundenes Mädchen.

Foto: ZDF / MARTIN_VALENTIN_MENKE

Eine Frau wird tot am Rheinufer gefunden, der Schädel ist mit einem Hammer eingeschlagen. LKA-Mann Gregor Georgi inspiziert den Tatort. Schöne Szene: Wie er mit dem BMW angecruist kommt und gleich einen auf dicke Ermittlerhose macht. Wie er dem Kollegen von der Kripo verdeutlicht, dass er hier jetzt sagt, wo’s lang geht: „Ihr seid die Polizisten mit den kleinen Autos und wir die mit den großen.“

Aber wie groß ist danach sein Staunen, sein Missbehagen, als Helen Dorn, die er zu dem Zeitpunkt noch nie gesehen hat, sogar mit einem Helikopter eingeflogen wird. Er habe keine Verstärkung bestellt, sagt Georgi indigniert. Tja, hat er nicht, Frau Dorn ist jetzt trotzdem seine Vorgesetzte. Und sie hat ein wunderbares Entree, ein standesgemäßes sozusagen: Helen Dorn ist die Frontfrau vom Ganzen, die Titelfigur der neuen Krimiserie „Helen Dorn“, die ab Sonnabend im Zweiten läuft und erklärtermaßen eine von Schweden nach Düsseldorf versetzte Version der „Lund“-Filme sein soll.

An der Ehre gepackt

Dorn wird von Anna Loos verkörpert, der streberhaft-ambitionierte Georgi von Matthias Matschke. Ein gegensätzliches Duo, auf deren Zusammenspiel die Serie in Zukunft baut – Regisseur Matti Geschonneck und Drehbuchautor Magnus Vattrodt entscheiden sich in der ersten Folge „Das dritte Mädchen“ für den Bereich der atmosphärischen Störungen, was das Kennenlernen des Duos angeht. Es wird erst einmal in einer Tour gezickt. Nicht nur zwischen Dorn und Georgi, sondern auch zwischen Dorn und Mattheissen (Stephan Bissmeier), dem Dezernatsleiter.

Am besten wird es aber, als Frau von Berg (Therese Hämer), die Staatssekretärin im Ministerium, dem LKA einen Besuch abstattet. Die Frau ist etwas ungehalten, denn die Tote vom Rhein, das ist da schon klar, dürfte es gar nicht geben, entspricht doch die Vorgehensweise des Mörders einer Mordserie, für die einer schon seit vier Jahren im Kittchen sitzt.

Und Justizirrtümer mag man gar nicht in den Institutionen, die das Geschehen im Land lenken. Helen Dorn wiederum mag eine seltsam anmutende Person sein – zwischen verstockt und teilautistisch changierend, dabei sagenhaft schlecht gelaunt – und undurchdringlich, aber was den alten Fall angeht, fühlt sie sich bei der Ehre gepackt. Wer hat die Frau, die vor ihrem Ableben noch einen panischen Notruf absetzen konnte, so bestialisch umgebracht? Sie soll eine eher mauerblümchenhafte Krankenschwester gewesen sein, die noch im Wohnheim lebte und an den Wochenenden ihre Sachen packte. Ein Geliebter?

Da geht noch was

Wer ist der Spanner von nebenan, welche Rolle spielt der knorrige Alte, der in den Mordfällen von vor ein paar Jahren als Zeuge aussagte; und was hat es mit dem Ex-Pauker Michael Cornelius (Harald Schrott), der damals als Dreifach-Mörder verhaftet wurde, auf sich? Es ist ein Standard im Fernsehkrimi, der die Zuschauer ja immer auch zum Mit-Kombinieren animiert, dass die möglichen Täter in einer Art Delinquenten-Defilee vorgeführt werden: Ganz unbescholten ist keiner, und einer ist es dann am Ende gewesen.

In Helen Dorns erstem Fall weiß man nicht sofort, auf was es hinausläuft, und man weiß auch nicht mehr als die Figuren. Es gibt ein, zwei überraschende Wendungen, und die Charakterzeichnungen sind im großen und ganzen gelungen. Man bleibt letztlich aber, weil der Plot natürlich nicht sensationell genug ist, an den Hauptfiguren hängen: an Dorn und Georgi. Von der Kommissarin soll man einstweilen aber wenig genug wissen, um das Interesse an deren hartleibigem Auftreten erst so richtig anzufachen – geht ja demnächst schon weiter mit der Chose, der zweite Teil, wieder vom Team Geschonneck/Vattrodt verantwortet, ist bereits abgedreht.

Was man nach Teil eins von Dorn weiß: Sie ging schon mit einem Kollegen ins Bett. Sie ist, wenn sie joggen geht, so nett, den Hund der Nachbarin mitzunehmen. Sie hat sich mit ihrem Lebensgefährten verkracht. Den wiederum hält ihr Vater für einen guten Typen. Ihr Vater hat Prostataprobleme und macht keinen Sport. Sie wird als Einzelgängerin eingeführt, die Helen Dorn, und als Polizistin mit Intuition. Ihr erster Auftritt ist nicht schlecht, wahrscheinlich geht da aber noch einiges mehr.

„Helen Dorn: Das dritte Mädchen“, Sonnabend, 8.3., 20.15 Uhr, ZDF