7:40 Im Volksmund wurde der Palast der Republik „Erichs Lampenladen“ genannt – in Anspielung auf die zahlreichen Leuchten und den Staats- und Parteichef Erich Honecker. Das Bauwerk wurde abgerissen, ein Glaskugelleuchtengebilde daraus hängt nun im DDR Museum an der Karl-Liebknecht-Straße 1 in Mitte. „Langsam wird es eng mit dem Nachschub der alten Glühlampen. Es gibt sie kaum noch“, sagt Hausmeister Marcel Gassner. „In fast allen Geschäften sind nur noch die modernen Energiesparlampen zu haben.“ Er hat sich aber einen Vorrat angelegt. Mit der Leiter und seinem Werkzeugkoffer zieht er jetzt weiter durch die Ausstellungsräume.
9:55 Der Leiter der Sammlung, Sören Marotz, hat seine morgendliche Tour durch das Museum beendet. Vorbei an Monitoren, Touchscreens, Fahrsimulatoren, Audiostationen und einer Projektionsfläche.Kleinere technische Probleme löst er noch schnell vor der Öffnung des Museums. Ungefähr 210.000 historische Objekte umfasst die Sammlung mittlerweile. „Am schwersten zu beschaffen war der Ein-Megabit-Chip der DDR“, sagt er. Der Sammlungsleiter hat Technikgeschichte an der Technischen Universität Berlin studiert. Ein Highlight sei der Trabi zum Hineinsetzen und zum Virtuell-Fahren. „Wird der Motor gestartet, hört der Besucher den Original-Zwei-Takt-Klang, und auf dem Bildschirm vor der Windschutzscheibe beginnt ein DDR-Fahrschulfilm.“
10:10 Vom Foyer aus haben die ersten Gästegruppen den Rundgang durch das Museum begonnen. Der Besuch sei eine außergewöhnliche Zeitreise in die sozialistische Vergangenheit, heißt es in einer Ankündigung. Nach 27 Themenbereichen gegliedert, wird die DDR skizziert. „Von den Themen Grenze, Verkehr, Bildung Arbeit und Konsum über Familie, Freizeit, Kultur bis hin zu Opposition, Strafvollzug und Obrigkeit“, sagt Pressesprecherin Melanie Alperstaedt. „In jedem Bereich finden sich Original-Exponate, die Geschichten über das Leben in der DDR erzählen.“
10:55 „Außer auf Fotos gibt es kaum noch eine Möglichkeit, meinen Enkelkindern DDR-Produkte zu zeigen“, sagt eine Besucherin aus Halle. „Wir waren bereits im Frühjahr hier und wollen die Ausstellung jetzt noch einmal besuchen.“ Beim ersten Rundgang habe man über viele Dinge lachen können, wie zum Beispiel die Einrichtung des Wohnzimmers und den ersten Ein-Megabit-Chip der DDR. „Beklemmend waren aber die Fotos, Modelle und Infos zu Grenze und Mauer. Das haben wir auch nach 24 Jahren nicht vergessen.“
11:20 Nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter ihre Büros und Arbeitsplätze. Auch die Verwaltung und der Direktor des Museums, Robert Rückel, arbeiten dort. „Das Museum ist wie ein Unternehmen. Personalführung, Finanzen, Strategie- und Zukunftsplanung gehören dazu“, sagt Rückel. Trotz der stetig wachsenden Zahl von Exponaten müsse die Dauerausstellung nicht vergrößert werden. „Die Ausstellung darf nicht zu sehr wachsen, sonst erschlägt sie den Besucher und passt auch nicht ins touristische Konzept.“ Man werde allerdings weiter an Sonderausstellungen arbeiten.
13:10 24 Jahre nach dem Mauerfall präsentiert das Museum ein in der DDR erfundenes Strategiespiel als App für iPhone und iPad. „Das Brettspiel sollte 1984 im VEB Berlinplast produziert werden“, sagt Pressesprecherin Melanie Alperstaedt. Dann sei die Produktion immer wieder verschoben worden, und schließlich kam die Wiedervereinigung. Alperstaedt bereitet alles für die Veröffentlichung der kostenlosen App am 9. November vor. „Die App wird weltweit veröffentlicht. Das Spiel erscheint am Jahrestag des Mauerfalls zum Download im App Store.“
14:00 Sicher auch eine eigene Ausstellung wert: Speisen und Getränke der DDR. Im Zuge der Erweiterung der Dauerausstellung des DDR Museums wurde am 10. Oktober 2010 das DDR-Restaurant Domklause eröffnet. „Eine ordentliche Scheibe Jagdwurst mit Ei, Mehl und Semmelmehl panieren und dann kurz braten: fertig ist das Jägerschnitzel“, erklärt Koch Rene Loock. „Dazu gibt es Spirellinudeln und Tomatensauce.“ Daneben werden Soljanka, Broiler und Eisbein am häufigsten bestellt – und natürlich die legendären Sättigungsbeilagen.
15:30 Führungsreferent Thomas Jäkel betreut an diesem Nachmittag Studenten vom Emerson College Boston. Die zehnköpfige Gruppe im Alter zwischen 19 und 22 Jahren lässt sich in rund 90 Minuten durch die Ausstellung führen. „Die großen Zusammenhänge von der Teilung Deutschlands kennen wir“, sagt eine junge Frau. „Interessant zu erfahren waren die Geschichten aus dem Alltag in der DDR.“ Mehrmals in der Woche begleitet Jäkel Gruppen durch das Museum. „Wir bieten verschiedene Führungen an, kombinierte Touren durch Museum und Stadt sowie reine Stadtführungen
16:05 Die Objekte der Sammlung des Museums stammen zum großen Teil aus privaten Haushalten. „Ich ziehe in den kommenden Tagen um und habe im Keller noch sehr viele DDR-Sachen“, sagt Marion Grau. Ob denn Interesse bestehe, erkundigt sie sich an der Kasse. Wenige Minuten vorher hat eine Frau eine Tüte mit Versandhauskatalogen aus den 70er-Jahren abgegeben. Man sei immer auf der Suche nach neuen Ausstellungsstücken, heißt es. Eine Liste gibt es unter www.ddr-museum.de/de/museum/wir-suchen.
17:20 Touristin Silvia Wieder aus Wien besucht mit ihrem Freund das Museum. „Viele Dinge waren uns schon bekannt“, sagt sie. „Die Detailtreue der Ausstellung beim Wohnungsbau und den Einrichtungen ist beeindruckend.“ Beängstigend fand die junge Frau das nachgebaute Verhörzimmer der Stasi.
20:00 Mehr als 1000 Menschen waren an diesem Tag zu Gast im DDR Museum. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 500.000 Besucher. Für heute aber ist Feierabend. Kassierer Birol Fidan schließt die Tür ab. Im angeschlossenen DDR Restaurant Domklause herrscht dagegen noch Betrieb.


