Fernsehfilm

Die Wulffs sind zurück auf der großen Bühne

Thomas Schadt und Nico Hofmann haben die Geschichte um den Rücktritt von Christian Wulff für Sat.1 verfilmt. Kai Wiesinger und Anja Kling spielen den Ex-Bundespräsidenten und die einstige First Lady.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Illusion ist fast perfekt: Verwandelt in Christian und Bettina Wulff am Tag des Rücktritts des ehemaligen Bundespräsidenten treten Kai Wiesinger und Anja Kling am Montagabend im Logenhaus in Berlin-Wilmersdorf vor die Journalisten, um einen ersten Trailer aus dem Film „Der Rücktritt“ zu präsentieren. 16 Tage standen die beiden Schauspieler zuvor für das Doku-Drama vor der Kamera, das im kommenden Jahr auf Sat.1 zu sehen sein soll.

Der Film basiert teilweise auf dem Buch „Affäre Wulff“ von den beiden „Bild“-Journalisten Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch und beschränkt sich auf die letzten 48 Tage Christian Wulffs im Amt des deutschen Staatsoberhauptes – von den ersten Berichten über den günstigen Kredit für das Haus in Großburgwedel bis zum Rücktritt am 17. Februar 2012.

Gedreht wurde seit dem 14. Oktober 2012 in Berlin. Unter anderem in Buch, den Ministergärten und im Hotel „Intercontinental“. Originalschauplätze wie das Schloss Bellevue standen dem Team für den Film nicht zur Verfügung.

Ebenso wenig wie Christian und Bettina Wulff selbst. „Ich habe mehrmals versucht, die beiden zu kontaktieren. Sie wollten sich uns gegenüber jedoch nicht äußern“, sagt Produzent Nico Hofmann. Auch um die Filmrechte an Bettina Wulffs Buch „Jenseits des Protokolls“ habe er sich vergeblich bemüht. „Es gab darin vier oder fünf Szenen, die ich gerne für den Film verwendet hätte“, so Hofmann.

75 Prozent sind fiktionales Material

Durch ein intensives Quellenstudium sowie zahlreiche Hintergrundgespräche mit nicht genannten Menschen aus dem engeren Umkreis der Wulffs fühle er sich dennoch sehr sicher mit der Recherche. „Für jede Szene gibt es Zeugen, die bestätigen können, dass es sich so abgespielt hat“, fügt „Spiegel“-Journalist Jan Fleischhauer hinzu, der zusammen mit Thomas Schadt das Drehbuch geschrieben hat.

Der zweieinhalbminütige Trailer jedenfalls wirkt vielversprechend. „75 Prozent sind fiktionales, der Rest dokumentarisches Material“, erklärt Nico Hofmann: „Die Kunst hat dieselbe Freiheit, den Fall darzustellen, wie die ‚Bild‘-Zeitung oder ‚Der Spiegel‘.“

Anspruch des Films sei es nicht, Antworten zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen, so Schadt. „Wir wollen ein eingeschlossenes Drama erzählen, die inneren Zustände der Protagonisten darstellen und ergründen, was in dieser Zeit im engsten Kreis in Schloss Bellevue passiert ist.“

„Der Fall hat dennoch eine gewisse Tragik“

Zumindest für die beiden Hauptdarsteller war es dafür nach eigenen Angaben nur von Vorteil, ihren Rollenvorbildern nie persönlich begegnet zu sein. „Ich wollte Christian Wulff nicht imitieren, sondern interpretieren“, sagt Kai Wiesinger. Gesteigertes Mitleid habe er durch den Film nicht für das ehemalige Bundespräsidentenpaar entwickelt. „Ich war jedoch schockiert darüber, wie respektlos Menschen miteinander umgehen“, sagt er mit Bezug auf die Häme, die den Wulffs auch seitens der Medien entgegengebracht worden sei. Ähnlich geht es seiner Kollegin Anja Kling. „Der Fall hat dennoch eine gewisse Tragik“, so die Schauspielerin.

Trotz einer „nervösen Grundhaltung, die den Film umgibt“, hat Nico Hofmann bisher keine Sorge, dass „Der Rücktritt“ auf Grund von verletzten Persönlichkeitsrechten rechtlich angreifbar sei. „Ich würde mich sehr wundern, wenn der Film verhinderbar wäre“, sagt er.