Deutsches Theater

Freunde und Kollegen nehmen Abschied von Dimiter Gotscheff

Große Trauer um den Regisseur Dimiter Gotscheff. Freunde erinnerten bei einer bewegenden Trauerfeier im Deutschen Theater in Berlin an den Grübler.

Foto: Reto Klar

„Ich komm nicht rein in diese Sache. Ich weiß nicht, wie diese Scheiße geht.“ So habe er oft geflucht, wenn er nicht weiter wusste beim Inszenieren, sagt sein Freund, der Schauspieler Samuel Finzi, auf der Abschiedsfeier für Dimiter Gotscheff am Sonntag im Deutschen Theater. Und auch im Krankenbett, erinnert sich Finzi, habe er derart geschimpft. Und dann lange geschwiegen. Über das Nicht-rein-kommen in diese letzte Sache, diese Verwandlung „in unbedrohbaren Staub“, wie Heiner Müller, des Regisseurs engster Wahlverwandter, das Sterben nannte. Dann schweigt auch Finzi. Und pafft dem geliebten großen Raucher zu Ehren eine Fluppe.

Vom abwartenden Schweigen („Bist du noch da, Mitko“, riefen die Schauspieler irritiert bei den Proben), davon war vielfach die Rede bei diesem leisen Adieu. Denn das war ein Wesenszug dieses Grüblers, der die die Stille brauchte, die verrinnende Zeit, das lange, bohrende Suchen, die Ungewissheit und die Angst beim „Schuften“ im Theater.

„Wirklichkeit ist Vereinbarungssache“. Diesen Kerngedanken Gotscheffs beschwor der sichtlich gerührte Intendant Ulrich Khuon in seinen Worten an die Witwe, an Almut Zilcher, und an ihren Sohn Aleko. Der Aussage „Das ist so!“ wurde stets die Frage „Mal sehen, was ist?“ entgegengestellt. Solch „spielerischer Umgang mit scheinbaren Wirklichkeiten“ habe die Kunst dieses unsanften Denkers mit dem so sanften Herzen in den gelungensten Fällen einzigartig gemacht. Dann war da nichts Unwesentliches mehr auf der Bühne, haben ein Blick, ein Wort, eine Geste alles gesagt – nach all dem Schuften und Schweigen. – Sowie dem berühmten Aufschrei, wurde der rätselhafte Punkt endlich getroffen, wie Joachim Lux, Chef des Hamburger Thalia-Theaters, erinnerte. „So war seine Art als Künstler wie als Mensch, der auch immer darauf aus war, wie verrückt das Leben zu feiern.“

Dazu passte der wilde Indianertanz, den die auf der Bühne versammelten Kollegen und Freunde lostraten. Dazu passten aber auch die schwerblütigen Balkangesänge und ein zärtlich krächzender Josef Bierbichler mit Gustav Mahlers entrücktem Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen, /Mit der ich sonst viele Zeit verdorben… Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,/ Und ruh‘ in stillem Gebiet! /Ich leb‘ allein in meinem Himmel,/ In meinem Lieben, in meinem Lied!“

Am Montag um 12 Uhr wird Dimter Gotscheff auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beerdigt.