Humboldt Lab

Was die Dahlemer Museen für das Berliner Stadtschloss planen

Seit März wird probiert, wie der ethnologische und asiatische Bestand im Stadtschloss neu präsentiert werden kann. Neue Fotografien sollen das Publikum aber zuvor wieder nach Dahlem locken.

Foto: pdz htf / picture alliance / dpa

Vielleicht liegt es ja auch an der Namensgebung, dass man eher akademischen Plumperquatsch vermutet. Humboldt Lab Dahlem heißt der Veranstalter, und der eröffnet nach und nach eine Probebühne nach der anderen im Ethnologischen Museum im Südwesten der Stadt.

Der Begriff „Probebühne“ passt genau in diesen Niedlichkeitsjargon der Kunstbranche: Alles ist ein Versuch, spielerisch dargeboten, nichts ist endgültig oder gar – Gott behüte – ernst gemeint. So gewandt und gewunden die Wortwahl ist, so ernüchternd und banal ist dann zumeist das Ergebnis.

Im Falle des Humboldt Lab Dahlems liegt der Fall etwas anders. Bekanntlich wird ja dort seit März 2013 ausprobiert, wie der ethnologische und asiatische Bestand aus Dahlem eines Tages – 2019 soll es soweit sein – im dann wiederaufgebauten Stadtschloss zu präsentieren sein wird. Die Frage ist ziemlich knifflig, stellt sie sich im Grunde allen Museen, die nicht durch neue Ausstellungen auch immer wieder neue Aufmerksamkeit generieren. 120.000 Besucher zählen die Museen in Dahlem pro Jahr, was eine ziemlich ernüchternde Zahl ist, schließlich kamen vor 30 Jahren eine Million Menschen hierher.

Zeitgenössischer Blick auf indigene Bevölkerung Südamerikas

Nun kann es in der Tat sein, dass Dahlem im nach dem Mauerfall vergrößerten Berlin nicht der ideale Standort ist, aber wahrscheinlicher ist es, dass die Archäologie Südamerikas und die Mumien der Inkas einfach immer weniger Menschen interessieren.

Das Interesse neu entfachen, mit einem zeitgenössischen Blick, will das Dahlemer Lab und das gelingt gut: Hervorzuheben ist die Arbeit des Ethnologen Michael Kraus, der Foto-Porträts der indigenen Bevölkerung Südamerikas lebensgroß auf eine Fläche projiziert. Diese sind animiert, und die Indianer aus dem Jahr 1900 werden so auf einmal lebendig.

Der Indianer ist nicht mehr Teil einer ziemlich fremden Ethnie aus einer vergangenen Epoche, sondern eine greifbare Person, ein – auch wenn das jetzt wenig schwülstig klingt – Mensch mit eigener Biografie, eigenem Schicksal, die dem Forscherblick entrissen wird. Die Fotografien, an denen man ansonsten vermutlich ohne Halt vorbeigezogen wäre, sind nun ein „Stolperstein“.

Raffinierte Form des „Artotainments“

Es soll „unterschiedliche Orte zum Festkrallen“ geben, sagt Martin Heller, der das Humboldt Lab leitet. Heller sieht hier keine „Übung der Repräsentation“, es würde sich nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt ändern.

Man ahnt, dass es ihm auch darum geht, dass die Arbeit des Labs nicht als eine besonders raffinierte Form des „Artotainments“ verstanden wird, eine „erlebnisorientierte Kunst“, die vor allem und über allem unterhalten will. Andererseits, ein paar vergnügliche Momente würden dem Ethnologischen Museum auch nicht schaden.