Sie ziehen Wasabi durch die Nase, probieren Elektroschocker an sich aus und legen lebensgefährliche Skateboard-Stunts hin. Seit „Jackass“ 2001 das erste Mal ins deutsche Fernsehen kam, erhielt die Warnung „Don’t try this at home – bitte nicht zu Hause nachmachen“ eine völlig neue Bedeutung.

Die MTV-Realityshow, in der sich eine Gruppe junger Männer aus der Stunt- und Skateboarderszene teils lebensgefährlichen Mutproben unterzieht, selbst verletzt und amerikanische Kleinstadtbewohner mit schamlosen Streichen erstarren lässt, erlangte sowohl in den USA als auch hierzulande Kultstatus.

Der erste „Jackass“-Kinofilm mit Johnny Knoxville, Steve-O, Preston Lacy, Jason „Wee Man“ Acuña, Bam Margera, Ryan Dunn, Dave England, Ehren McGhehey spielte weltweit 80 Millionen Dollar ein. Es folgten weitere „Jackass-Filme“, alle erfolgreich. Als Darsteller Ryan Dunn 2011 durch einen Autounfall ums Leben kam, wurde es still um Johnny Knoxville und seine Gruppe. Sowohl die Darsteller als auch ihre Fangemeinde zogen sich zurück.

Szenische Episoden und versteckte Kamera

Jetzt jedoch ist Johnny Knoxville zurück. Mit neuen Streichen – und deutlich älter. 86 Jahre alt, um genau zu sein. Zumindest auf der Leinwand: „Jackass Presents: Bad Grandpa“ heißt das neue Werk von Regisseur Jeff Tremaine, in dem Knoxville als durchgeknallter Rentner mit einer Leiche im Kofferraum durch die USA reist und eine Schneise des Durcheinanders hinter sich herzieht.

Der Film verstrickt szenische Episoden mit Sequenzen, in denen mit versteckter Kamera gedreht wurde. Wenn zum Beispiel die unechte Leiche der Großmutter aus dem Sarg fällt, der Rentner mit seinem Gemächt in einem Getränkeautomaten hängen bleibt oder Enkel Billy, gespielt von Jungschauspieler Jackson Nicoll, auf einer Kindermodenschau strippt, dann besteht das geschockte Umfeld nicht aus Darstellern, sondern aus Menschen des „wahren Lebens“, die entsprechend auf die Geschmacklosigkeiten reagierten.

Knoxville kommt mit geschienter Hand

Der Film feierte am Freitagabend in der Kulturbrauerei seine Deutschlandpremiere. Über den schwarzen Teppich liefen neben Hauptdarsteller Johnny Knoxville und Jackson Nicoll auch die Schauspieler Lee Richter und Manuel Cortez, der sich sehr auf den Film freute: „Ich lache ja schon, wenn sich einer nur den Kopf stößt“, sagte Cortez. Außerdem dabei: Moderatorin Kerstin Linnartz, Anneke Dürkopp und der Musiker Martin Kesici. Der Hauptdarsteller selbst erschien mit geschienter linker Hand. Daran war jedoch kein Film-Stunt Schuld: „Bei einer Veranstaltung in den USA hat sich jemand einen Scherz erlaubt und mir Ecstasy untergejubelt“, behauptete Knoxville, „ich habe das letzte Mal vor 20 Jahren Ecstasy genommen. Ich bin wohl irgendwo hoch geklettert oder durch eine Tischplatte gebrochen, so genau weiß ich das nicht mehr. Dabei habe ich mir eine Sehne gerissen.“ Wahrscheinlich war auch aus diesem Grund kein Stunt bei der Premiere am Abend geplant. Schon beim letzten Berlinbesuch 2010 präsentierte sich Knoxville überraschend ruhig, was eigenen Angaben zufolge damals am Berliner Bier lag.

Margarita-Gelage in der Bingo-Halle

Daran hatte sich der Darsteller schon vor der Premiere bedient. „Ich liebe das Bier hier in Berlin und werde meinen Besuch hier nutzen, um möglichst viel davon zu trinken,“ kündigte er auch dieses Mal an. Damit dürfte er den Fans zumindest Hoffnung auf einen launigen Auftritt auf dem Teppich am Abend machen. Im Film schon stellt er schließlich als „Bad Grandpa“ nach einem Margarita-Gelage eine Bingo-Halle auf den Kopf und schwingt nachts in Vorstadt-Stripclubs nach einigen Gläsern Bier nicht nur die Hüften.