David Martons zweistündiger Bilderreigen an der Volksbühne „Das Schottenstück. Konzert für Macbeth“ ist eine ironisch gepolsterte Alptraumvision. Ein paar Shakespeare-Zitate beschwören die Begierden der Lady, Blut und Macht. Dazu gibt’s Musik: Auf Bert Neumanns Bühne – vorne latexroter Guckkasten, hinten leeres Riesenrund mit Flügel in der Mitte – reiht Martons erprobtes Team aus hervorragenden Musikern Henry Purcell an Eugène Ysaÿe und The Doors an Nina Simone, oft in großartig eigenwilligen Interpretationen. Einmal spielen sie Bachs Orgel-Passacaglia in aberwitziger Besetzung – bis Trompeter Paul Brody die Kopfschmerz-Visionen der Lady jazzt.
Pendeln zwischen Mädchenunschuld und Boshaftigkeitsfaktor
Überhaupt die Lady: Lilith Stangenberg macht sie trotz der Musik-Dominanz mit einer wundersamen Mischung aus staunender Anverwandlung und inniger Distanz zum Mittelpunkt des Abends. Sie pendelt mit so hoher Schlagzahl zwischen Mädchenunschuld und Boshaftigkeitsfuror, Wahn und Wahnwitz, Grimm und Grimasse, dass es einen trotz schönster Parodie immer wieder gruselt. Oft entstehen zwingende Assoziationen, öffnen sich psychologische Spiegelwelten zum Shakespeare-Drama.
Dann wieder plätschern die Bilder vor sich hin, gibt es nacktes Herumtollen und so manch fragwürdiges Gestrampel. Einmal verbeugt sich Marton vor der wilden Volksbühne, wo er einst als Musiker arbeitete: Da bespritzen und besudeln Gabriella Hámori und Thorbjörn Björnsson mit Ganzkörpereinsatz und Blutfarbe große Blätter, die Pianistin Marie Goyette mit nicht nachlassender Begeisterung einsammelt, signiert und an den Rundhorizont heftet, wo sich eine blasierte Vernissage-Gesellschaft versammelt und die Lady austickt, weil sie überall Tote sieht. Was weniger gut zusammenpasst, kann man natürlich immer auf die Traumlogik schieben – den Rest kittet der Soundtrack.
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Tel. 24 06 57 77.
Termine: 19.10., 3., 11., 26.11.





