Die Seefestspiele Wannsee sind schon wieder umgezogen: In der Waldbühne soll am 17. August Emmerich Kálmáns Operette „Die Csardasfürstin“ aufgeführt werden. Der Wannsee ist weit weg, und diese Wendung nach jahrelangen Querelen mit Berliner Amtsstuben bleibt schon überraschend. Veranstalter Peter Schwenkow hält am Titel „Seefestspiele“ fest und hat natürlich Erklärungen parat.

Es sind letztlich Rechenaufgaben. Am Wannsee hätte er, erklärt Schwenkow am Dienstag in der Waldbühne, in zehn Vorstellungen 30000 zahlende Besucher erreichen können. In der Waldbühne sind es rund 17000 an einem Abend. Vorsorglich hat den 18. August für eine zweite Aufführung reserviert, falls der Andrang ausreicht. Bislang sind bereits 7300 Karten bestellt.

Stargast ist Anna Maria Kaufmann

Bei den Bestellern zumeist älterer Jahrgänge sei zudem der Wunsch geäußert worden, einen Ort zu finden, der leichter zu erreichen ist als das Strandbad. Gestern stellte Schwenkow für die deutschsprachige Aufführung auch die beiden so genannten „Überraschungsstars“ vor, die nach den Opernregisseuren Katharina Thalbach und Volker Schlöndorf mit ihren Namen das Publikum anlocken sollen. Es ist die Sopranistin Anna Maria Kaufmann („Phantom der Oper“), die sich für die Fotografen sofort in Pose wirft. Was sie hinreißend kann. Für sie sei es die erste Csardasfürstin, sagt sie.

Darüber hinaus wird Ralph Morgenstern für den entspannten Kaffeeklatsch danach zuständig sein. Er frotzelt zur Einstimmung schon mal über das üppige Glitzerarmband seiner Sitznachbarin. Es gehört Yvonne Kálmán, der in Amerika lebenden Tochter des Komponisten. Morgenstern meint, er mache jetzt die Operette, damit er sich das auch leisten könne. Frau Kálmán lächelt freundlich dazu, sie kennt ihn nicht.

Budapester Operettentheater

Zu Schwenkows Rechenspielen gehört auch, dass die beiden Interpreten wohl kaum die zehn Vorstellungen am Wannsee hätten machen können. Dabei ist das Format ansonsten künstlerisch, logistisch überschaubar und vermutlich kostengünstig. Die Inszenierung mit allem Drum und Dran kommt vom Budapester Operettentheater und wird für die Waldbühne adaptiert. Das Bühnenbild wurde bereits im Februar in Budapest abgenommen. Schwenkow schwört auf die Operette, der er eine Renaissance voraussagt. Das soll in der Waldbühne geschehen. Der Kulturmanager hatte 27 Jahre lang den Veranstaltungsort betrieben.

Er bezeichnet das Operetten-Revival als eine Heimkehr. Überhaupt soll Berlin als Markt wieder stärker in den Fokus der Deutschen Entertainment AG (Deag) rücken. Bei der Gelegenheit stellt er seinen Sohn Moritz Schwenkow vor, der jetzt die Geschäftsführung der Berliner Concert concept Veranstaltungs-GmbH übernimmt, die Peter Schwenkow 1978 gegründet hatte.

Entscheidung fällt im Oktober

Über das Strandbad Wannsee wird an diesem Dienstag nur wenig gesprochen. „Der Wannsee ist auf die Seite gelegt“, sagt Schwenkow trocken. Kein Wort über all die Querelen der Vorjahre. Denn die Seefestspiele waren von Anbeginn auch Wanderfestspiele, die aus bürokratischen Gründen von Potsdam über den Wannsee hinauf ins Strandbad wackelten. Der Auftakt mit Thalbachs „Zauberflöten“-Inszenierung war wunderbar. Aber die Plänkeleien um Naturschutzauflagen und Bühnenmaße gingen weiter.

Operette statt kostspieliger Oper

Noch im letzten August, kurz vor Start der zweiten Seefestspiele mit der von Filmregisseur Schlöndorff inszenierten „Carmen“ hatte Peter Schwenkow auf den Senat geschimpft und verkündet, dass es nun keine Seefestspiele in Berlin mehr geben werde. Im November erfolgte überraschend die Rolle rückwärts: Anstelle der kostspieligen Oper, hieß es, wird es im Strandbad Wannsee künftig Operetten zu sehen geben.

Die Operette gehöre in die Waldbühne, sagt Schwenkow jetzt – und wenn, dann wird im Strandbad wieder Oper aufgeführt. Die Entscheidung darüber fällt im Oktober. Am Rande sagt er, dass es von drei Opernstars abhängt. Zwei hätten bereits zugesagt. Irgendwie liegt in der Luft, dass der Dritte nicht zusagen wird.

„Csardasfürstin“ in der Waldbühne. Am 17. und wohl auch 18. August, jeweils 19,30 Uhr. Tel. 81075707