Die Nachricht von seinem Wechsel von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in die Chefredaktion von „Spiegel“ und Spiegel Online verbreitete Wolfgang Büchner via Facebook und Twitter. Am Montag um 11.18 Uhr postete er: „Liebe @dpa-Kollegen, Ihr seid großartig. Danke für vier lehrreiche, aufregende, wunderbare Jahre.“

Angesprochen fühlten sich von dieser Mitteilung aber nicht nur Büchners Mitarbeiter bei der dpa, sondern auch manche Mediengröße – Xing-Gründer Lars Hinrichs hieß Büchner schon mal „in der schönsten Stadt der Welt“ willkommen – sowie die Belegschaft von „Spiegel“ und Spiegel Online. Einer schrieb: „Beten hilft manchmal.“ In der Tat: 20 Tage nach der Trennung vom Chefredakteurs-Duo Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron steht fest, wer das Nachrichtenmagazin künftig führen wird.

Eine quälend lange Hängepartie wie nach der Trennung von Stefan Aust bleibt dem „Spiegel“ diesmal erspart. Zudem ist Büchner Wunschkandidat von Verlag und Redaktion. Vom Verlag, weil es ihm gelungen ist bei dpa verkrustete Strukturen aufzubrechen und den gewiss nicht einfachen Umzug der Redaktion von Hamburg nach Berlin geräuschlos über die Bühne zu bringen. Seither gilt er als brillanter Redaktionsmanager. Die Redaktion des „Spiegel“, insbesondere aber die von Spiegel Online, für die er bis 2009 arbeitete, zuletzt als Chefredakteur, schätzt Büchner als freundlichen und umgänglichen Teamplayer.

Offenbar sind Alternativen zu Büchner von den Gesellschaftern – der Mitarbeiter KG, dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr sowie den Erben von „Spiegel“-Gründer Rudolf Augsteins – und der Geschäftsführung des „Spiegel“ nie ernsthaft geprüft worden.

Jakob Augstein darf sich keine Hoffnungen machen

„Freitag“-Verleger Jakob Augstein, der Stiefsohn des „Spiegel“-Gründers, der seine Familie in der Gesellschafterversammlung vertritt und dem nachgesagt wird, er würde beim Nachrichtenmagazin gern eine einflussreiche Rolle spielen, darf sich keine Hoffnungen machen, Herausgeber des Blattes zu werden. Es habe nie zur Debatte gestanden, diesen Posten wieder zu besetzen, heißt es im Verlag.

Zu Büchner hatte man schon Kontakt aufgenommen, bevor er am 7. April zu einer Japan-Reise aufbrach. Am Abend desselben Tages hatte das Abendblatt als erstes Medium über die beabsichtigte Trennung des „Spiegel“ von Mascolo und Müller von Blumencron berichtet.

Büchners Japan-Reise sowie ein viertägiger Trip nach New York hatten die Bekanntgabe seiner Berufung verzögert. Dies hatte dazu geführt, dass mancher „Spiegel“-Mitarbeiter bereits fürchtete, die Chefredakteurssuche würde sich doch hinziehen.

Ausdrücklich von der dpa beglückwünscht

Ihren neuen Chef werden die Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins voraussichtlich erstmals kommenden Montag treffen. Dann will Büchner nach Hamburg reisen, um sich den neuen Print- und den alten Online-Kollegen vorzustellen. Wann er aber seine Arbeit im Verlagshaus auf der Ericusspitze aufnehmen wird, steht derzeit noch nicht fest. In der offiziellen Pressemitteilung des „Spiegel“ ist vom „nächstmöglichen Zeitpunkt“ die Rede.

In der Pressemeldung der dpa wird Büchner zu seinem Wechsel ausdrücklich beglückwünscht. Entscheidend für den Zeitpunkt des Wechsels ist eine Sitzung des dpa-Aufsichtsrats am kommenden Freitag, auf der bereits über einen Nachfolger entschieden werden könnte. Als möglicher Kandidat gilt Cord Dreyer, bis Ende 2012 Chefredakteur und Geschäftsführer von dapd.

Büchner wird wohl zunächst keinen neuen Stellvertretenden Chefredakteur mitbringen. Sein künftiger Stellvertreter bei Spiegel Online, Rüdiger Ditz, ist ihm bestens bekannt. Zusammen mit ihm führte er das Nachrichten-Portal bis zu seinem Wechsel zu dpa.

Kaum Erfahrung als Blattmacher

Die Zusammenarbeit mit den beiden Print-Stellvertretern Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry wird für ihn besonders wichtig sein, denn über Erfahrungen als Blattmacher verfügt Büchner streng genommen nicht.

Zwar hat der künftige 46 Jahre alte „Spiegel“-Chef schon mehrfach für Print-Titel gearbeitet, zuletzt bis 2001 für die „Financial Times Deutschland“.

Doch in Diensten eines Magazins stand er nie. Der Schwerpunkt von Büchners Amtszeit wird zweifellos in der längst überfälligen Neudefinition des Verhältnisses von Print zu Online liegen. So oder so: Büchners Aufgabe ist nicht einfach.