Film

Vom Raumschiff Enterprise ins Hotel Adlon gebeamt

„Star Trek Into Darkness“ kommt in der nächsten Woche in die deutschen Kinos. Wir trafen vor der Premiere Chris Pine - Captain Kirk - und Zachary Quinto - Spock - in der Bibliothek des Hotels Adlon.

Foto: Jörg Carstensen / dpa /picture alliance

Irgendetwas muss beim Beamen schief gegangen sein. Eben noch befanden wir uns auf der Brücke der U.S.S. Enterprise, wo alles Computer, alles Design, alles so futuristisch war. Jetzt sitzen wir in der Bibliothek des Adlon-Hotels, mit klassizistischem Deckengemälde, edlen Holzregalen und Büchern in Lederbänden. Im ganzen zweiten „Star Trek“-Film „Into Darkness“, der nächste Woche ins Kino kommt, haben wir kein einziges Buch gesehen. Das gehört natürlich zum Beamen dazu, dass man plötzlich in ganz anderen Welten ist.

Aber auch die Protagonisten sehen ganz anders aus. Eben noch war Captain Kirk viel blonder, sein Haar ein wenig onduliert dauerwellig, das Gesicht zart wie ein Kinderpopo. Jetzt ist das Haar deutlich dunkler und wohl absichtlich rebellisch verstrubbelt. Vor allem aber trägt er jetzt Bart. Auch Spock erscheint ohne Spitzohren, Rundum-Augenbraue und diese Krone-Schmalz-Frisur, auch er hat sich dafür einen Bartschatten angelegt. Oder doch das Rasieren vergessen.

Vitaminsaft statt Alkohol

Ihre sattbunten Uniformen haben die beiden gegen unauffällige Casual Wear eingetauscht. Kirk ein Hemd bis zum Kragen zugeknöpft, Spock sogar noch einen braven Pullunder drüber. Sie wirken wie zwei brave Musterschüler. Kirk hat auch keinen Drink in der Hand, wie im Film, sondern, wie desillusionierend, Multivitaminsaft. Der Vulkanier scheint gar keine Flüssigkeit zu sich zu nehmen, stattdessen legt er so ein Ding auf den Tisch, das man auf der Enterprise schon benutzte, lange bevor bevor man es erfunden und Handy genannt hat. Vor allem aber sprechen sich die beiden auch nicht mit Jim und Spock an, sondern Chris und Zac.

„Willkommen in meiner Bibliothek“, nimmt Chris Pine gleich unsere Verwunderung auf. Für ihn ist das Beamen in andere Welten natürlich vertrauter, wird doch „Into Darkness“ gerade weltweit promotet. Ein Blick aus dem Lesezimmer sagt ihm zumindest deutlich, in welcher Stadt er sich gerade befindet. Die Sicht geht direkt aufs Brandenburger Tor. Die beiden frotzeln miteinander, als wir sie auf ihr privates Outfit ansprechen. „Ja, du bist jetzt weniger Blondie“, grinst Spock-Darsteller Zachary Quinto, „weniger Barbie.“

Verhasste Topffrisur

„Dafür musste ich nicht täglich drei Stunden früher an den Set, um mir diese Ohren verpassen zu lassen“, nimmt Pine den Ball auf. Das saß. Die Ohren sind eigentlich nicht so das Problem. „Aber diese Haare!“ Nein, das war keine Perücke, diese Topffrisur lässt er sich wirklich schneiden. Und behält sie während der Dreharbeiten bei. „Das ist nicht der schönste Part an der Rolle“, gibt Quinto grummelnd zu.

Chris Pine und Zachary Quinto sind zum zweiten Mal an Bord der Enterprise gegangen, nachdem vor drei Jahren mit „Star Trek“ ein Reboot der Serie gestartet wurde. Da wurde erst mal erzählt, wie alles begann, wie sich die Crew sortiert hat. Und als sie endlich beisammen war und die vertraute, beliebte Vorspann-Musik aus der alten Fernsehserie erklang – ätsch, da war der Film aus.

Ohne Original aufgewachsen

In „Into Darkness“ sind sie jetzt erstmals auf „normaler“ Mission. Und kriegen es mit ihrem Erzfeind Khan zu tun, mit dem sich auch ihre Vorgänger William Shatner, der Ur-Kirk, und Leonard Nimoy, das Spitzohr Nr. 1, schon schlagen mussten. Quinto ist Jahrgang 1977, da war die Serie schon acht Jahre vorbei, Pine gar Jahrgang 1980, da lief der allererste „Star Trek“-Film gerade im Kino. Mit dem Original sind sie durchaus nicht aufgewachsen. Wie ist das dennoch, jetzt ständig mit den TV-Stars verglichen zu werden?

Chris kratzt sich sinnend durch den Bart. „Ich hätte die Rolle nicht angenommen“, sagt er, „wenn unser Regisseur J.J. Abrams nicht gewollt hätte, dass alles ganz neu und frisch ist.“ Er vergleicht sich auch gar nicht mit Shatner; er hat jemand ganz anderen im Kopf: „Ich werde ständig verletzt, ich krieg dauernd eins auf die Nase und bleib trotzdem cool. Wie Bruce Willis in den ‚Stirb langsam’-Filmen.“ Für Quinto ist der Vergleich noch offensichtlicher: Weil Leonard Nimoy als älterer Spock in beiden Filmen einen Gastauftritt hat und er ihm direkt gegenübersteht. Das, sagt Quinto, sei eine der schönsten Erfahrungen beim Dreh gewesen. Es klingt allerdings ein wenig auswendig gelernt.

Bauch und Kopf

Eigentlich erfüllen die beiden, wie sie da so nebeneinandersitzen, genau die Rollen, die sie auch in den „Star Trek“-Filmen spielen. Sie sind Kopf und Bauch. Zac ganz Spock, ruhig überlegend und analysierend, Chris eher spontan und impulsiv. Kabbeln sie sich eigentlich auch privat so wie Spock und Kirk? Nein, da schütteln ausnahmsweise beide gemeinsam den Kopf.

„Das würde auf Dauer nicht gutgehen“, sagt Kirk, Verzeihung: Pine. „Wenn keine Chemie da ist, wird so eine Drehzeit echt anstrengend.“ Und jetzt huldigen beide ihrem Regisseur, dem eigentlichen Captain der „Enterprise“: weil er sie so gecastet hat, dass sie wie eine große Familie sind.

Fremdgehen in ein anderes Universum

Dumm nur, dass der Captain nun von Bord geht. Abrams hat nämlich in einem anderen Universum angeheuert. Er wird, nachdem George Lucas seine Rechte an Disney verkauft hat, den ersten neuen „Star Wars“-Film drehen. „Star Wars“ oder „Star Trek“, das ist eigentlich eine Gewissensfrage, beides geht nicht, die Fans sind sich spinnefeind. Darf so einer übertreten – und gleichzeitig einen dritten „Trek“ planen? Der neue „Star Wars“ ist für 2015 angekündigt, „Star Trek 3“ müsste 2016 starten, zum 50. Jubiläum der Serie. Das könnte knapp werden. Würden die Darsteller sich denn auch ins „Star Wars“-Universum beamen lassen? „Wenn J.J. einen Film mit dir machen will, überlegst du nicht lang“, sagt der eine, spontan und impulsiv. „Aber er wäre gut beraten“, meint der andere, kühl und analytisch, „wenn er die Universen klar trennen würde.“