Es ist ruhig geworden um die Komödie und das Theater am Kurfürstendamm. Nicht auf der Bühne, da sorgte kürzlich „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler bei ihrem Debüt in „Gerüchte...Gerüchte“ für einen Hit, sondern hinter den Kulissen. Dort, wo es um die Zukunft der beiden Berliner Traditions-Häuser geht.

Für Otfried Laur, den Präsidenten des Berliner Theaterclubs, gleicht der Augenblick der Ruhe vor dem Sturm. Er spricht von einem „furchtbaren Ergebnis“ und umschreibt damit die Verhandlungen zwischen dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Investor.

Demnach sei im Rahmen der Neuplanung für das Kudamm-Karree, in dem die beiden Theater liegen, der „Abriss der historischen Bühnen“ vereinbart worden. Damit „werden nicht nur zwei Baudenkmäler unwiederbringlich zerstört, auch das ganze Genre Boulevard-Theater wird vernichtet“.

Woelffer sind die Hände gebunden

Laur, der auch Mitglied des Vereins zur Erhaltung der Kudamm-Bühnen ist und ein später gescheitertes Bürgerbegehren unterstützt hat, erinnert daran, dass „nach der Schließung des Metropol-Theaters als Operettenhaus mehr als 10.000 Mitglieder aus dem Theaterclub ausgetreten sind“. Einen solchen Exodus könnte sich bei einer Schließung der Kudamm-Bühnen wiederholen.

In diesem Fall befürchtet Laur bis zu 5000 Austritte: „Das ist das nicht nur ein Schaden für unseren Club, sondern für die ganze Berliner Theaterlandschaft, denn natürlich sind die Mitglieder auch in andere Bühnen gegangen“.

Zeitlich will sich niemand festlegen

Martin Woelffer, Chef der Kudamm-Bühnen, müsste sich eigentlich über die Unterstützung freuen. Ihm sind aber die Hände gebunden, weil er vor einigen Jahren eine Vereinbarung mit dem irischen Investor Ballymore unterschrieben hatte. Woelffer bekam Mietfreiheit für die Bühnen zugesichert, im Gegenzug erklärte er sich mit dem Abriss der Bühnen einverstanden.

Schließlich sollte es einen Neubau geben, ein Kompromiss, der nicht zuletzt durch die Proteste des Vereins zustande kam und von der Bezirksverordnetenversammlung unterstützt wurde, die auch einen Theaterzugang vom Kurfürstendamm forderte. Woelffer bestätigt diese Pläne von einem neuen Theater mit 650-700 Plätzen, das „wir“ im künftigen Kudamm-Karree „betreiben werden“, wie der Theaterdirektor am Dienstag sagte.

Der Zusatz ist nicht unwichtig, denn zwischenzeitlich ließ ein Berliner Sprecher des Investors, der mittlerweile ausgewechselt wurde, mal in Richtung Woelffer drohend durchblicken, dass man sich auch einen anderen Betreiber vorstellen könne.

Marc Schulte, der neue SPD-Baustadtrat von Wilmersdorf-Charlottenburg, bestätigt diese Pläne und verweist darauf, dass der Abriss der beiden und der Neubau eines Theaters nichts Neues sei. Das zwischen Bezirksamt und Investor abgestimmte Konzept soll am kommenden Mittwoch sowohl der Öffentlichkeit als auch den Bezirksverordneten präsentiert werden.

Stimmt die BVV schnell zu, soll es zügig mit einem Bebauungsplanverfahren weitergehen. Zum zeitlichen Rahmen will der Stadtrat lieber schweigen; der neue Großflughafen lässt grüßen.

Ein Ausweichquartier fehlt

Mit einer Bauzeit von drei Jahren rechnet Martin Woelffer. Was in dieser Übergangszeit passiert, steht noch in den Sternen. Ein Ausweichquartier am Kudamm oder zumindest in unmittelbarer Nähe des Boulevards „wäre am besten“, betont Woelffer. Aber danach würde schon einmal vergeblich gesucht.

Es schien ja zwischenzeitlich so, dass es bald losgehen würde mit der Neugestaltung des Kudam-Karrees, für das eine Investitionssumme von bis zu 500 Millionen Euro im Raum steht. Aber die Finanzkrise soll auch Ballymore zugesetzt haben, das Projekt lag auf Eis, angeblich wurde ein Finanzierungspartner gesucht. Jetzt will Ballymore das Projekt wohl wieder allein stemmen; eine Bestätigung dafür war gestern allerdings nicht zu bekommen.

Dass Woelffer die ungeklärte Frage des Ausweichquartiers vergleichsweise ruhig lässt, liegt an seinem Erfahrungen mit diesem Bauvorhaben: Nach den ursprünglichen sollte es die Kudamm-Bühnen schon längst nicht mehr geben; sie spielen aber bekanntlich immer noch. „Wir suchen erst konkret, wenn der Zeitplan steht“, sagt Woelffer.

Bei der Standortfrage gibt er sich einigermaßen flexibel: „Das kann irgendwo in Berlin sein, Hauptsache der Ort ist gut.“ Der Zusatz dürfte die Auswahl nicht unerheblich einschränken. Unklar ist auch die Frage der Finanzierung. Er hofft auf Unterstützung durch den Senat oder den Investor. Vielleicht gibt es am kommenden Mittwoch auch in diese Richtung ein Signal.