Film

Schweighöfer und Peschel sind ziemlich beste Freunde

Die beiden Schauspieler verbindet privat sehr viel. Und jetzt zelebrieren sie ihre Freundschaft in ihrem gemeinsamen Film „Schlussmacher“.

Foto: Christian Kielmann

Wir sehen sie doppelt. Und das hat nichts mit Alkohol zu tun. Die Schauspieler sitzen traut nebeneinander auf dem Sofa. Und auf dem Ölbild darüber sieht man sie gleich noch einmal. „Ach was, das bin ich mit Bono von U2“, frotzelt Schweighöfer. Aber von wegen. Das Bild hat Milan Peschels Frau gemalt, es basiert auf einem Foto, das in Avignon gemacht wurde. Schweighöfer und Peschel waren da bei einem Theatergastspiel, und Peschel wäre wie üblich nie aus seinem Hotel herausgekommen. Wenn ihn der Jüngere nicht gezwungen hätte, ein Auto zu mieten, um gemeinsam die Gegend zu entdecken.

Und damit sind wir schon mitten in der Geschichte einer wunderbaren Freundschaft. Sie scheinen so gar nicht zusammenzupassen. Schweighöfer, der Sunny-Boy aus den Kinokomödien, und Peschel, der schrullige Bühnenkauz. Sie spielen eigentlich in ganz unterschiedlichen Ligen, sie gehören auch keineswegs in dieselbe Altersklasse.

Wie ein altes Ehepaar

Aber privat sind die beiden Schauspieler ziemlich beste Freunde. „Gefühlt“, sagt Milan Peschel, „kennen wir uns schon 40 Jahre.“ „Nur war ich da“, kontert Schweighöfer, „noch gar nicht auf der Welt. Du warst aber schon 15.“ Kleine Stichelei: Peschel wäre damals erst vier gewesen. Jedenfalls sind sie 13 Jahre auseinander.

Gekannt haben sie sich schon lange. Schweighöfer hat Peschel an der Volksbühne gesehen, wo er mit seinem Vater, Michael Schweighöfer, auftrat. „Der musste nur auftreten, da konnte ich mich schon bepissen vor Lachen“, schwärmt Schweighöfer noch heute. Peschel kannte den Sohn des Kollegen natürlich auch, dann auch aus dessen Filmen.

Frischer Saft im alten Topf

Als dann auch der Ältere sein Kinodebüt in dem feinen kleinen Film „Netto“ gab, war der Jüngere zur Premiere eingeladen. Er wollte eigentlich gar nicht hin: „Ich dachte, was ist denn das, ein Film über eine Supermarktkette?“ Aber dann hat er sich das Vater-Sohn-Drama doch angesehen. Und war von Peschel so überwältigt, dass er nach der Premiere auf ihn zuging: „Wissen Sie, dass ich Sie ganz toll fand?“ Peschel fand das ganz schlimm: „Ich dachte: Mist, jetzt wirste schon gesiezt.“

Schweighöfer kam dann für kurze Zeit auch an die Volksbühne. Obwohl er die Schauspielausbildung geschmissen hatte und längst Filme drehte. Obwohl er also nicht über die klassischen Theatertechniken verfügte. Da hat er dann auch den Älteren beeindruckt: „Du hattest die Jugend auf deiner Seite, du hattest überhaupt nicht diesen Respekt, mit dem ich die ersten fünf Jahre da angetanzt bin“, schwärmt Peschel: „Da war so ein neuer, frischer Saft in einem alten Topf.“ Zu dieser Zeit entstand auch das Foto in Avignon. Und die Idee, mal was zusammen zu machen.

Milan Peschel mit der Axt im Walde

Die Gelegenheit bot sich bald. Als 2007 „Das wilde Leben“ über das Leben von Uschi Obermaier gedreht wurde, spielte Schweighöfer den Rainer Langhans. Und schlug Peschel als Dieter Kunzelmann vor. Sie haben da nur rumgealbert. Der Regisseur fand das gar nicht komisch. Die beiden schon. Als Peschel dann ein Angebot für einen „Tatort“ erhielt, schlug er Schweighöfer für den Nebenpart vor. Der Sunnyboy wollte gar nicht. Zu der Zeit kam seine Tochter Greta auf die Welt.

Aber Peschel bestand darauf. „Weil sie böse sind“ hat Furore gemacht und Preise gewonnen. Auch in weiteren Schweighöfer-Filmen hat Peschel kleine Auftritte gehabt. In der Störtebeker-Parodie „12 Meter ohne Kopf“, in der Travestiekomödie „Rubbeldiekatz“. Und natürlich durfte er vor einem Jahr auch bei Schweighöfers Regiedebüt „What a Man“ nicht fehlen: Er spielt da einen Gewalttherapeuten mit Axt im Walde, nur eine kleine Szene und doch ein ganz großer Moment dieses Films.

Treffpunkt Küche

Privat waren die beiden da längst ganz dicke. Sie wohnen im Prenzlauer Berg keinen Steinwurf voneinander weg. Treffen sich häufig in der Küche des einen oder anderen. Peschel ist auch der Pate von Schweighöfers Tochter Greta, die sich gut mit Peschels Tochter Sophia versteht. Peschel und Schweighöfer nennen sich Matti und Mili. Sie wirken wie ein altes Ehepaar, wie sie sich da gegenseitig das Weinglas füllen und die Orangen schälen, wie der eine (Matti) eine Anekdote erzählt und der andere (Mili) einwendet, das sei doch anders gewesen, du verwechselst da was.

Ein klassischer Buddies-Film

Aber vor allem gackern und giggeln die beiden. Wie sie sich die Bälle zuwerfen, das ist eine Performance irgendwo zwischen Jack Lemmon & Walther Matthau und Ernie & Bert. „Mensch, so was müssten wir mal spielen“, beginnt etwa Matti und skizziert eine abgedrehte Situation. „Aber dann müsste Folgendes passieren“, greift Mili den Faden auf und spinnt ihn munter weiter. Sie überbieten sich dabei an völlig absurden, ziemlich komischen Ideen.

Genau so ist auch „Schlussmacher“ entstanden, Schweighöfers zweiter Regiefilm. Der handelt von einem jungen Mann (Matti), der die Beziehungen fremder Menschen „professionell“ beendet. Der hat dann plötzlich einen der Verlassenen (Mili) an der Backe und weil er seinen Führerschein verliert, engagiert er ihn als Chauffeur. Ein klassischer Buddies-Film also, der vor allem von dieser einzigartigen Chemie lebt, die wir hier auf dem Sofa live beobachten dürfen. Es ist der erste Kinofilm, in dem die beiden so Grundverschiedenen, so Unzertrennlichen gleichwertige Rollen spielen.

Neue Bühne Kommerzialtität

„Schlussmacher“, seit Donnerstag in den Kinos, ist vordergründig eine Beziehungskomödie. Vor allem aber ein großes Geschenk für eine dicke Freundschaft. Der amerikanische Verleih hätte sich einen prominenteren Partner an Schweighöfers Seite gewünscht. Aber der, in Personalunion als Regisseur, Koautor und Star des Films, hat für Peschel gekämpft. Es ist das Beste, was dem Film passieren konnte. Als Peschel für Andreas Dresens Sterbedrama „Halt auf freier Strecke“ einen Deutschen Filmpreis erhielt, war Schweighöfer stolz auf ihn.

Damals musste der Dreh für „Schlussmacher“ für einen Tag unterbrochen werden – und der ganze Stab freute sich. Stolz ist Schweighöfer aber auch, weil er die Karriere seines Freundes jetzt noch auf eine andere Ebene hebt: „Ich möchte, dass ihn auch die Leute auf der Straße ansprechen. Seine neue Bühne wird die Kommerzialität. Da gehört er genauso hin wie in den Filmpreis-Bereich.“

Mehr Freundschaft geht nicht

„Dann musst du aber auch endlich mal wieder Theater spielen“, kontert Peschel. Peschel ist an der Bühne auch vor längerem unter die Regisseure gegangen. Und inszeniert gerade an den DT-Kammerspielen „Juno und der Pfau“ (Premiere: 27. Januar). Vielleicht könnte der Sohn ja bei seinem nächsten Projekt, im Februar 2014, mitmachen? „Aber der Matti“, weiß es Peschel gleich selber besser, „ist ja so schwer zu verplanen, weil der ständig dreht.“ Matti will auch unbedingt wieder mit Mili drehen. Und als nächstes einen Film inszenieren, in dem er selber nur eine kleine Rolle spielt, Milan Peschel aber den Hauptpart übernehmen soll. Mehr Freundschaft geht eigentlich nicht.