Bei den Golden Globes, die am kommenden Sonntag verliehen werden, gibt es noch ein Duell zwischen den beiden Favoriten „Lincoln“, Steven Spielbergs Huldigung des US-Präsidenten, und „Django Unchained“, Quentin Tarantinos just in Berlin gefeierter Spaghettiwestern, der auch eine Rache- und Überwindungsfantasie der Sklavenhaltung in Amerika ist. Bei den Oscar-Nominierungen, die gestern bekannt gegeben wurden, spielt Tarantino dagegen keine große Rolle. Gerade mal auf fünf Nominierungen kommt sein Trashwestern.

„Lincoln“ aber führt mit zwölf Nominierungen. Und zwischen die beiden schieben sich noch jede Menge anderer Anwärter: „Life of Pi-Schiffbruch mit Tiger“ von Ang Lee kommt an zweiter Stelle mit elf Nominierungen, „Silver Linings“ und die Musical-Verfilmung „Les misérables“ mit je acht und Ben Afflecs Politthriller „Argo“ mit sieben Nominierungen. Amerika, so sagte Tarantino noch am Dienstag in Berlin, beschäftige sich nicht gern mit seiner unrühmlichen Vergangenheit. Das scheint sich jetzt auch bei den Nominierungen zum wichtigsten aller Filmpreise abzuzeichnen.

„Liebe“ lässt Hollywood alt aussehen

„Lincoln“ hat damit so viele Nominierungen ergattert wie seinerzeit „Ben Hur“, aber zwei weniger als der bisherige Nominierungs-Rekordhalter, „Titanic“. Dass es sich hier nicht nur um eine bloße Filmbiographie handelt, sondern um einen regelrechten Staatsakt, das scheint auch die Film Academy in Hollywood so zu sehen, die über die Oscars, die am 24. Februar verliehen werden, entscheidet.

Die eigentliche Sensation ist aber eine andere. Michael Hanekes grandioses Kammerspiel „Liebe“ um ein altes Ehepaar ist nämlich nicht nur als Bester Fremdsprachiger Film nominiert, sondern auch in vier weiteren Kategorien. Und während die Spielbergs und Lees auch in vielen Nebensparten aufgestellt wurden, rangiert Haneke nur in den wenigen wirklich wichtigen Sparten wie Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin. Emmanuelle Riva ist dabei mit 85 die älteste Anwärterin aller Zeiten. „Liebe“ gelingt darüber hinaus etwas, was es in der 85-jährigen Geschichte des Preises noch nie gegeben hat: dass ein Film zugleich für den Besten Ausländischen und den Besten Film nominiert wurde.

Deutschland nur mit Koproduktionen vertreten

Der Titel, den Deutschland ins Rennen geschickt hat, Christian Petzolds DDR-Drama „Barbara“, hat es dagegen nicht in die Finalrunde geschafft. Das ist aber angesichts eines neuen Rekords von über 50 Einreichungen für den besten Auslandsfilm keine Niederlage. Mitzittern kann man dennoch: Christoph Waltz, lange in Deutschland lebender Österreicher, ist für „Django“ erneut als bester Nebendarsteller nominiert. „Liebe“ wurde von der Berliner Produktion X Filme mitfinanziert. Und sowohl Dänemarks Auslands-Kandidat „Die Königin und der Leibarzt als auch der Dokumentarfilm „The Gatekeepers - Töte zuerst“ über den israelischen Geheimdienst sind deutsche Koproduktionen.