Kultur-Finanzen

Rücklagen der Berliner Staatsoper schmelzen

Die Mittel der Bühne reichen nur bis Mitte 2014. Das Loch wird durch die neuerliche Verschiebung des Wiedereinzugs ins Stammhaus gerissen.

Foto: Tim Brakemeier / dpa

Die Diskussion über die finanzielle Entwicklung der landeseigenen Berliner Theater- und Orchesterbetriebe, über Zuschüsse und Auslastung birgt das Material für eine kulturpolitische Grundsatzdebatte. Entsprechend groß war das Interesse am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses, wo dieses Thema auf der Tagesordnung stand. Der große Schlagabtausch aber blieb aus, die Regierungsvertreter hatten einen Nachmittag, der sich über weite Strecken wie die Fortsetzung des 1. Advents ohne Kerze anfühlte.

Passen musste Kulturstaatssekretär André Schmitz, als der CDU-Abgeordnete Stefan Schlede wissen wollte, was einen Gewinnvortrag von einer Rücklage unterscheide. Die Verwaltung versuchte das zu erklären, verwies auf bilanztechnische Unterschiede und das Handelsrecht, aber so richtig schlau wurde niemand aus den Erläuterungen. Schmitz räumte schließlich ein, dass der Gewinnvortrag der Deutschen Oper in Höhe von 3,2 Mio. Euro schon so etwas wie eine Rücklage sei. Allerdings taucht diese Summe in der Auflistung der Rücklagen von landeseigenen Kultureinrichtungen nicht auf, während die Staatsoper und die Komische Oper, also vergleichbare Betriebe, ihre auch als solche ausweisen.

Die der Staatsoper waren 2011 mit 7,7 Mio. Euro sogar mehr als doppelt so hoch, aber dafür schmelzen sie fast so schnell wie das Eis am Pol. Die Rücklagen seien Mitte 2014 aufgebraucht, sagte Schmitz. Damit halten sie zwar länger als ursprünglich geplant, denn die Staatsoper hatte sich in den vergangenen Jahren ein Polster angelegt, um die Defizite auszugleichen, die durch die Bespielung des Schiller-Theaters entstehen. Das Ausweichquartier hat rund ein Drittel weniger Plätze als das Stammhaus Unter den Linden. Das sollte eigentlich im Herbst 2013 wiedereröffnet werden, nach zwei Verschiebungen ist jetzt der 3. Oktober 2015 angepeilt. Wer aber den durch die Bauverzögerungen verursachten Fehlbetrag ausgleicht, ist noch offen. Schmitz sprach davon, dass eine Lösung im Rahmen des Doppelhaushaltes 2014/15 gefunden werden müsse.

Kosten für die Berliner Staatsoper werden noch steigen

Die Diskussionen darüber dürfte nach der Sommerpause beginnen. Denn allein bei der Staatsoper kommen noch zwei Ausgabenposten dazu: Unklar ist bislang, woher die auf 4,7 Mio. Euro bezifferten Kosten für die Erstausstattung des generalsanierten Hauses kommen. Schmitz hofft, dass die Senatsbauverwaltung, die federführend für die Baumaßnahme zuständig ist, zahlt. Die müsste eigentlich auch für die durch die Bauverzögerungen verursachten Mindereinnahmen aufkommen.

Weitere Kosten sind bereits jetzt absehbar: Schmitz räumte auf eine Grünen-Anfrage ein, dass die Betriebskosten im renovierten Haus wegen der neuen Technik einschließlich der Wartungsverträge und höherer Energiekosten um eine Million Euro höher lägen als bislang; die Opposition mutmaßt, dass das am klimatisierten Tunnel liegen könnte. Aber der dickste Brocken steht noch aus: Ab 2015 kommt es wegen der bislang ausgesetzten Tarifsteigerungen zu einer erheblichen Mehrbelastung für die Opernstiftung und, allerdings abgeschwächt, weil es zwischenzeitlich schon Anpassungen gab, auch für andere landeseigene Kultureinrichtungen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der auch für die Kultur zuständig ist, bezifferte diese Summe am Rande der Sitzung auf einen Betrag zwischen elf bis 19 Mio. Euro.

Noch aber ist alles eitel Sonnenschein, lobt Schmitz die hervorragende Entwicklung bei den landeseigenen Theatern und Orchestern, von denen mitunter sogar die Mitarbeiter profitierten. So hätten die Angestellten des Friedrichstadtpalastes im vergangenen und in diesem Jahr wegen der guten Geschäftsentwicklung jeweils 500 Euro bekommen.

Als sich Wolfgang Brauer (Linkspartei) darüber wundert, dass die Senatskulturverwaltung bei der „finanziellen Gesamtbewertung“ auch dann zu einem „unproblematisch“ kommt, wenn die Einrichtungen Defizite ausgewiesen hätten, kontert Schmitz, dass selbige durch Rücklagen gedeckt seien. Das trifft laut Brauer nicht beim Deutschen Theater (DT) zu, dass in dem Halbjahresbericht 2012 einen aufs Jahr hochgerechneten Fehlbetrag von 127.000 Euro erwartet. Vom Land ausgeglichen werde das nicht, sagte Schmitz und verwies drauf, dass dieses Defizit bei einem DT-Gesamtetat von rund 20 Mio. Euro wohl nicht existenzgefährdend sei.