Film

Wer liebt gleich noch mal wen?

Generation Umzug: Der Berlin-Film „3 Zimmer/Küche/Bad“ erzählt die Freundschaft von acht Studenten über ihre ewigen Ein- und Auszüge

Foto: zorro Filmverleih / Zorro Filmverleih

Familienepen, ganz egal, ob sie „Buddenbrooks“ heißen, „Der Pate“ oder, ganz aktuell, „Der Turm“, werden gern anhand von Festivitäten erzählt, bei denen sich die ganze Sippschaft trifft: Hochzeiten, Weihnachten, Beerdigungen. Nur ein Ritual ist dabei stets übersehen worden, wiewohl dieses Ereignis viel einschneidender ist: der Umzug.

Während ältere Generationen eher selten umziehen (Buddenbrooks: 1 x, Pate: 1 x, Turm: 0), tun es die Jungen permanent. In Zeiten, in denen nicht erst die Wirtschaft, sondern schon das Bafög immer mehr Flexi- und Mobilität verlangt, ist der junge Mensch längst und wie selbstverständlich zum Nomaden geworden. Und wo immer mehr Familien auseinander brechen, sind Freunde die neue Familie. Und sie sind es auch, die im Zweifelsfall mit anpacken und die Kartons und Waschmaschinen schleppen. „3 Zimmer/ Küche/Bad“ ist der Film für diese Generation Umzug: keine Taufe, keine Hochzeit, nun ja, ein verkorkstes Weihnachten. Aber: jede Menge Umzüge. Quer durch Berlin und durch die halbe Republik.

Auch die Eltern sind „ungewohnt“

Der Film handelt von acht Freunden in den 20ern, die alle noch studieren oder in den Tag leben, also noch nicht ganz angekommen sind. Und deshalb ständig die Beziehungs- wie die Bücherkisten wechseln. Man will endlich mit seiner Freundin zusammenziehen, stellt aber fest, dass das doch keine gute Idee ist oder man insgeheim ganz jemand anders liebt. Man zieht wieder um und fragt sich hinterher, ob das nicht doch vorschnell war. Dann verraten einem auch die Eltern noch, dass sie nur wegen der Kinder zusammenleben, aber längst getrennte Wege gehen.

Die Geschwister Anna und Dietrich Brüggemann haben das in gewohnt frischer, frecher Art durchexerziert: Zum dritten Mal haben sie gemeinsam ein Drehbuch geschrieben, das der Bruder dann verfilmt hat, mit der Schwester in der Hauptrolle. Viele enge Freunde von ihnen spielen mit, Jacob Matschenz, Robert Gwisdek, Leslie Malton. Alle scheinen sichtlich Spaß zu haben, und das überträgt sich auf den Zuschauer.

Karton zu, Beziehung aus

Nur krankt die Komödie ein wenig unter ihrer ehrgeizigen Überkonzeptionierung. Es reicht nicht, den Film durch regelmäßige Ein- und Auszüge zu strukturieren, die Handlung muss auch noch nach Jahreszeiten geordnet werden und mit Running Gags wie wiederholten Fahrradfahrten. Und bei all dem Hin und Her, das natürlich auch dem der zwischenmenschlichen Beziehungen, den On- und Off-Partnerschaften entspricht, verliert man, pardon, ein wenig die Übersicht. Aber das ist ja auch ganz wie im wahren Leben. Auch die Protagonisten wissen ja oft nicht, wen sie gerade begehren und wer sie eigentlich sind.