Festival

Nachdenken über die Moderne

Regisseur Freo Majer will in Potsdam ein „ZukunftsFestival“ gründen. Start des interdisziplinären Projekts ist im Juli 2014. Jetzt stellt er die ersten Pläne vor.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

„Ich brauche immer das sinnliche Material, das künstlerische Ereignis“, sagt der Regisseur: „Beim Wort Diskurs bekomme ich sofort eine kleine Allergie“. Ein Statement. Als Festivalchef hat sich Freo Majer einiges vorgenommen: Im Juli 2014 soll in Potsdam das erste „ZukunftsFestival“ stattfinden. Sein Sommerspektakel bezeichnet er als barrierefrei und interkulturell. Und europäisch ist es außerdem noch, er konnte sogar Thorbjørn Jagland, den Generalsekretär des Europarats, als Schirmherren gewinnen. Dennoch ist das Modell nicht leicht zu ertasten, denn irgendwie lebt es gerade von großen Worten, von Diskursen und dem, was daraus hervorgehen kann. Das erste Modul ist etwa dem Mentoring gewidmet.

Tandem mit Künstlerstars

Bei diesen Tandems soll der künstlerische Nachwuchs gefördert werden. Insgesamt werden zwölf Spezialisten ihres Fachs mit jungen Künstlern ihrer Auswahl ein Projekt erarbeiten und das beim Festival vorstellen. Das Projekt ist im Verlaufe der Festivals mitverfolgbar. So wird im Genre Operngesang Dame Gwyneth Jones als Mentorin zu erleben sein. „Sie nimmt das sehr ernst“, sagt Majer. Er hat bereits ausgiebig mit der britischen Sopranistin darüber kommuniziert. Es geht um den veränderten Zeitgeist, darum, dass regelmäßig „Stars verkünden, dass sie nicht mehr können“. Um den Verschleiß. Eine Sängerkarriere verläuft heute völlig anders. Der Mentorin Jones geht es um das langsamere Wachsen, die Selbstständigkeit, Ja oder Nein zu sagen auf verlockende Angebote. Freo Majer ist bereits mit einem halben Dutzend möglicher Mentoren im Gespräch. Es wird auch um Kunst, Film, Literatur, vor allem um Umbrüche gehen. Am Freitag will er in der Villa Schöningen das „ZukunftsFestival“ und den im Frühjahr gegründeten Trägerverein „Götterfunken e.V.“ vorstellen. Die Villa findet er dafür goldrichtig: „Der Ort ist ein Vorbild, weil er für Stiftergeist steht“. Er mag offene Konzepte. Wie sonst könne man Innovation organisieren?, meint er.

Freo Majer wurde 1968 in Heidelberg geboren, wollte Malerei studieren, entschied sich schließlich für Literatur- und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin. 1993 begann er an der Eisler-Musikhochschule mit dem Regiestudium, lernte das Handwerk bei Ruth Berghaus, Peter Konwitschny, Christine Mielitz. Sich selbst beschreibt Majer als „aufgeschlossen, verbindlich, klar“. 2000 wurde er Spielleiter am Bremer Theater, seit 2004 ist er als freier Regisseur unterwegs. Jetzt überlegt der neue Festivalchef, fest nach Potsdam zu ziehen. „Ich bin sowieso fast täglich in Potsdam unterwegs wegen des Festivals.“ Da wächst eine beachtliche Unternehmung heran.

Junge Leute drehen einen Film

Denn es gibt noch weitere, aufwändige Module. Im interkulturellen Projekt werden „richtig viele Jugendliche“ zusammen gebracht. „Jedes Kind kann etwas ausdrücken“, sagt Majer. Für das Projekt hat er die Australierin Catherine Milliken gewonnen, die mit Sir Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern die großen Education-Programme gemacht hat. In Potsdam werden verschiedene Gruppen für Musik, Tanz oder Film gebildet. „Die Gruppe bekommt einen Auftrag, etwa einen Film zu drehen, und jeder Jugendliche lernt, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Majer. Am Ende wird das Ergebnis gezeigt. Im dritten interdisziplinären Modul werden „kleine feine Arbeitsgruppen“ gebildet, so Majer. Künstler sollen sich mit Wissenschaftlern oder Politikern längerfristig Denkaufgaben stellen. Es geht um die Bürgergesellschaft, um die europäische Wertegemeinschaft, um die Aufklärung in der Moderne: Das Motto der ersten Festspiele lautet „Verantwortung“. 2015 „Mündigkeit“ und 2016 „Freiheit“.