Schlosspark Theater

Hallervorden beweist sich als Charakterdarsteller

Dieter Hallervorden kann mehr als Didi spielen, das beweist er jetzt einmal mehr am Schlosspark Theater. Bettina Rehm hat dort die Polit-Farce "König der Herzen" auf die Bühne gebracht. Hallverorden muss darin als Premierminister eine Staatskrise lösen. Die Inszenierung ist ein Hit.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es ist einiges faul am königlichen Hofe. Statt Tee gibt’s nur Kaffee zu den Keksen. Das Staatsoberhaupt liegt im Sterben, nur die künstliche Beatmung hält ihn am Leben. Dabei durfte er gerade erst nach jahrzehntelanger Wartezeit den Thron besteigen – ein Schelm, wer dabei an Charles denkt –, doch dann ist er beim Reiten vom Pferd gefallen.

Die Thronfolge gestaltet sich höchst problematisch: Prinz Richard (Thomas Zug) täuscht seit Monaten den Sicherheitsdienst und schwänzt den Fechtunterricht, um sich heimlich mit einer jungen Frau zu treffen. Dummerweise ist die künftige Gattin Nasreen Sazwari (Atina Tabiei Razligh) eine gläubige Muslimin, die selbstverständlich nicht auf ihr Kopftuch verzichtet.

Der verliebte Richard plant, zum Islam zu konvertieren, was erfahrungsgemäß mit dem Posten des Oberhaupts der Anglikanischen Kirche schwer vereinbar ist. Und Prinz Arthur (Johann Fohl) will partout nicht König werden. Der kleine Bruder ist nicht nur geistig unterbelichtet, sondern auch noch dem Alkohol, Drogen, schnellen Autos und anderen Dingen zugetan, die nicht wirklich zum königlich-britischen Lebensstil passen.

Der Premierminister soll die Staatskrise meistern. Er hockt gemeinsam mit dem Oppositionsführer auf dem königlichen Landsitz (Ausstattung Julia Hattstein) – und schmiedet eifrig Intrigen. Erst soll die Beatmungsmaschine schnellstmöglich abgestellt werden – die Trauerbeflaggung ist schon angeordnet. Doch dann kommt alles ganz anders.

Das ist der Stoff, aus dem Alistair Beatons schwarzhumorige Politkomödie „König der Herzen“ gewebt ist. Die Pointendichte ist hoch. Der schottische Autor wurde in Deutschland durch die satirische Puppenshow „Spitting Image“ einem breiteren Fernsehpublikum bekannt. „König der Herzen“ kam vor zwei Jahren in London heraus, Bettina Rehm hat am Donnerstag die deutsche Erstaufführung am Schlosspark Theater als flotte Farce inszeniert. Auch der anwesende Autor schien amused.

Dieter Hallervorden spielt den zynischen Premierminister Nick Bailey. Eine Paraderolle für den Hausherren, der ja, was durch seine Didi-Vergangenheit leicht vergessen wird, eigentlich ein Charakterdarsteller ist. Und was für einer! Den anderen Figuren gönnt der Autor weniger Tiefe, sie bleiben typenhaft.

Anna Magdalena Fitzi spielt Annie Brett, die Büroleiterin des Premiers, als zickiges Biest. Oppositionsführer Stephen Clarke (Steffen Laube) freut sich ein bisschen zu früh über die Regierungsübernahme, ihm wird schneller Sex mit Toby Frost (Harald Effenberg), dem persönlichen Referenten des Premiers, zum Verhängnis. Jörg Zuch spielt den begriffsstutzigen Sicherheitschef Harry Holbrook, der das Gepäck der künftigen Königin sicherheitshalber in die Luft sprengen lässt. Georg Tryphon verkörpert den dauermüden Erzbischof von Canterbury, in dem ein echter Revolutionär schlummert. Very british: Eberhard Prüter als königlicher Privatsekretär Sir Terence Pitch.

Die deftige Satire über die Royals, machtgeile Politiker, Moral und Islamfeindlichkeit im Zeitalter des Terrorwahns funktioniert wunderbar auch jenseits der Insel. Mit „König der Herzen“ hat das Schlosspark Theater einen Hit gelandet.

Schlosspark Theater, Schloßstraße 48, Steglitz. G.789.56.67.100. Termine: 28—30. November, 1-3. und 12-15. Dezember, 2-8. Januar, 20 Uhr

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