Zum Treffpunkt, einem Café in einem Hinterhof in Mitte, kommt er mit dem Fahrrad. Florian Schroeder, einer der erfolgreichsten Nachwuchs-Kabarettisten der Stadt, kann dem Autofahren nichts abgewinnen und hat bisher noch nicht einmal den Führerschein gemacht. „Selberfahren ist für mich tabu. Ich bin Bahnfahrer. Auf einer Fahrt Berlin-Köln schreibe ich gefühlte drei Programme“, sagt der schlaksige Blonde, der nicht nur wegen seiner 1,93 Meter inzwischen zu den Großen seiner Zunft gehört. Bei 3sat ist er Gastgeber bei „Seitensprung“, im SWR-Fernsehen der Late-Night-Sendung „Schroeder!“ und bei Radioeins vom RBB hat er seit kurzem eine regelmäßige Kolumne, zweieinhalb Minuten, immer dienstags. Seine Spezialität ist die Parodie.
„Ich wollte immer zum Fernsehen“, sagt er bei einem Latte Macchiato. Mit der Oma, bei der er sehr gerne seine Zeit verbrachte, habe er ausgiebig Szenen aus „Wetten, dass..?“ nachgespielt. Die Oma war mal Kandidatin, mal prominenter Gast, die Musik kam vom Kassettengerät, und Florian hatte seine Bühne. Auch im Schul-Unterricht wurde alles kommentiert. „Meistens haben mich die Lehrer machen lassen“, grinst er. Schließlich habe er nie platt gestört, sondern eben lustig seinen Senf dazugegeben. Mitunter machten andere sogar mit.
Bei den Mädchen zog Lustigsein damals nicht so. „Das ist doch immer so: Der Lustige wird dafür geliebt, dass er die Klassenfahrt unterhält, aber ausgegangen wird mit denen, die gut im Sport sind. Das hat sich in meinem Alter zum Glück geändert“, sagt der gerade 30 gewordene Kabarettist, der 2006 den Umzug von Freiburg in die Hauptstadt riskierte. „Die Bewegung der Stadt finde ich toll. Es gibt aber auch einen Wichtigheimer-Provinzialismus, dem ich durch meine bundesweiten Tourneen entkomme.“
Seine Wurzeln hat der große Blonde im Schwarzwald. Dort bastelte er seinen Schulabschluss, ging zum Radio und war irgendwann auch auf der Bühne ein Star. Seine Parodien auf amtierende Politiker oder auch Kabarett-Kollegen wechselt er im Sekundentakt, fällt in unterschiedliche Dialekte und ist immer schlagfertig. Als 14-Jähriger hatte er einen Gastauftritt bei „Schmidteinander“ ergattert, nachdem er einfach eine Kassette an die Redaktion geschickt hatte, später moderiert er bei SWR 3. Im Jahr 2004 schaffte er den Durchbruch und ist seit damals als Solist mit eigener Bühnenshow unterwegs, zuletzt mit „Schroeder live!“ Mit seinem aktuellen, zweiten Programm „Du willst es doch auch“ tritt er am 25. Oktober im Theater der Wühlmäuse auf.
In dieser Show zeichnet Schroeder, bekennendes Mitglied der Generation IMM – Irgendwas mit Medien – ein feines Porträt seiner Generation. Dabei probiert er auch immer mal Texte auf der Bühne aus, die er ursprünglich fürs Radio geschrieben hat. „Kabarettist heißt, auf Ballhöhe zu sein. Jeden Abend, zu jedem Thema“. Also liest er jeden Tag diverse Zeitungen, produziert die Radiokolumne erst am Montagnachmittag – zuhause, und dann geht sie als MP3-Datei in die Redaktion.
Sein Vorbild ist David Letterman
Auch im Urlaub, wo er meist zum Auftanken die totale Einsamkeit sucht, will er auf Laptop und Internet nicht verzichten. Immer auf der Suche nach Themen, die sich bühnengerecht aufarbeiten lassen. Ob Angela Merkel, Wirtschaftsminister zu Guttenberg oder Horst Köhler. Er hat sie alle drauf, und fällt in kleinen Halbsätzen gern in deren Sprachduktus. Ob es unter den Politikern jemanden gibt, der nicht parodierbar ist? „Nein“, sagt er bestimmt. „Jeder ist parodierbar. Sofern ich die Figur auch persönlich spannend finde.“ Tabu ist für ihn kaum ein Thema, nur allzu platt will er es nicht haben. „Die da oben tun nichts und verdienen zu viel“ würde er so nicht sagen, es muss schon mehr Substanz haben. Als Vorbild nennt er keinen Komiker, sondern den amerikanischen Fernsehunterhalter David Letterman. „Der hat mich immer begeistert, weil er den Spagat zwischen Sarkasmus und Liebenswürdigkeit hinkriegt wie kein Zweiter. Das ist Stil.“
Im Moment läuft es sehr gut für Schroeder, der sich trotz des Erfolgs den Charme des netten Jungen von nebenan bewahrt hat. Und die weitere Karriereplanung? „Ich wollte immer vor meinem 30. Geburtstag eine eigene Fernsehsendung haben. Die habe ich ja nun.“
Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, Charlottenburg. Tel: 30 67 30 11. Termin: 25. Oktober, 20 Uhr.





