Meep, meep: Diese beiden Töne sind purer Horror für Wile E. Coyote. Kündigt doch so der Road Runner stets seine extrem schnellen Rasereien durch die Wüste an, wenn er wieder einmal auf der Flucht vor dem hungrigen Präriewolf ist. Der dabei immer und immer wieder scheitert. Aber immer wieder neu anfängt. Sinnlos, aber spaßig.
„Coyote vs. ACME“: Looney Tunes anarchischer als Disneys Helden
Willkommen in der verrückten Welt der Looney Tunes, der anarchischen Antwort von Warner Bros. auf das heile Universum von Disneys Mäusen und Enten. Ein bisschen erwachsener, ein bisschen cooler, ein bisschen gaga sind die Jungs um Bugs Bunny und Duffy Duck, Schweinchen Dick und Elmer Fudd, Tweety und Sylvester oder eben dem stets erfolglosen Steppenwolf auf der Jagd nach dem Rennvogel mit dessen Turbo-Beinen.
Seien es Magnethandschuhe oder Raketen-Rollerblades – nie bekommt der Coyote den Road Runner zu fassen, weil im falschen Moment immer etwas explodiert, in die falsche Richtung geht oder schlichtweg das Material versagt. Eine Disney-Figur wie Donald Duck hätte so viel Pech schulterzuckend zur Kenntnis genommen, ein Looney Tune zieht dagegen gleich vor Gericht.
Coyote klagt gegen ACME: Underdog-Anwalt trifft auf Star-Jurist
Weil der Coyote nämlich ein System hinter der steten Materialermüdung der Cartoon-Produkte aus dem Hause ACME sieht, verklagt er das mächtige Unternehmen. Diese David-Goliath-Situation spiegelt sich in der Auswahl der Anwälte. Denn während ACME mit dem breitkinnigen Buddy Crane (John Cena) ein überaus selbstbewusstes Staranwaltsexemplar ins ungleiche Rennen schickt, kämpft mit Kevin Avery (Will Forte) ein Loser-Lawyer um Gerechtigkeit – samt kaputtem Anzug und steten Geldsorgen.
Und schon sind wir bei Dave Greens „Coyote vs. ACME“ mitten in einem Gerichtsfilm samt Verschwörungstheorien, untergetauchten Zeugen und industrieller Manipulation gelandet, den es so bei Disney nie gegeben hätte. Und in dem wir ein Nebeneinander von animierten und realen Figuren erleben, wie wir es schon bei „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ und „Space Jam“ erlebt haben.
„Coyote vs. ACME“: Optik und Schauspiel enttäuschen im Vergleich zu Vorbildern
Leider kommt „Coyote vs. ACME“ mit seinem überaus bescheidenen Look (blasse Farben, überschaubare Effekte) und seinen meist chargierenden Schauspielern (allen voran Luis Guzmán als Richterparodie mit animiertem Quietschehammer) nicht an seine Vorbilder heran.

Was schade ist, denn der wilde Humor der Looney Tunes mit Klavieren, die auf Autos fliegen, Farben, die Mauern öffnen können, oder Raketen, die im Gerichtssaal explodieren, entfaltet auch auf der großen Leinwand seinen Charme. Dazu gibt es eine hübsche Botschaft über die Größe des Niemals-Aufgebens. Dafür macht sich der Film aber stilistisch viel zu klein. Meep, meep.
Animation, USA 2022, 103 min., von Dave Green. ** **



