Am Donnerstagabend gab der diesjährige Composer in Residence Brett Dean im Rahmen des Musikfestes Berlin seinen Einstand bei den Berliner Philharmonikern. Ein Novum dabei ist nicht, dass Dean von Donnerstag bis Samstag als Dirigent, größtenteils seiner eigenen Werke, sein Debüt in der Philharmonie gibt und als Bratschist am 19. September bei der Late Night in Erscheinung tritt, sondern dass er nun in seiner neuen Rolle als Komponist zu den Philharmonikern zurückkehrt. Denn er war selbst von 1984 an 14 Jahre lang Mitglied dieses Orchesters, bevor er sich ganz dem Komponieren widmete. Für sein Debüt brachte der Australier noch die bestens mit seiner Musik vertraute britische Sopranistin Jennifer France mit.
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Das Konzert stand ganz im Zeichen von Deans Musik, nur der zweite Teil wurde durch ein kurzes Werk von Claude Debussy eröffnet. Besonders auffällig war die klare Zweiteilung des Konzerts durch die erst kleine, dann sehr große Orchesterbesetzung. Im ersten Teil erklang die Uraufführung „Conversations with Schumann“, die attacca in „And once I played Ophelia“ überging, beides für Sopran und kleines Orchester (Streicher plus sechs Bläser, Klavier und Schlagwerk). Für den zweiten Teil mit groß besetztem Orchester wählte Dean als Ouvertüre „La cathédrale engloutie“, ursprünglich ein Klavierpräludium von Debussy in der Orchestrierung von Colin Matthews. Den Höhepunkt bildete zum Abschluss sein „Beggars and Angels“, das er 1999 in seinem letzten Jahr bei den Philharmonikern komponierte.
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Alle vier Werke vereinen ihre außermusikalischen Bezüge. „Beggars and Angels“ bezieht sich auf eine gleichnamige Ausstellung mit Ölgemälden von Engeln von Deans Frau Heather Betts und Skulpturen von Bettlern von Trak Wendisch. Debussy ließ sich von der bretonischen Legende der sagenhaften, im Meer versunkenen Metropole Ys inspirieren. In seiner Uraufführung wandelte Dean musikalisches Material Robert Schumanns in seine eigene Tonsprache um, während er in seinem Nebenwerk zu seiner zweiten Oper „Hamlet“ mit Shakespeare-Bezug ein facettenreiches Porträt einer emotional aufgewühlten Ophelia zeichnet. Dean präsentierte sich an diesem Abend als Freund von Lautmalerei, einer vielfältigen Klangfarbenpalette, von flirrenden Harmonien und schwebenden Klängen, treibenden Rhythmen, aufbäumenden Passagen voller geräuschhafter Elemente und kontrastreich bis ins Extreme in Dynamik, Tonhöhe und atmosphärischer Stimmung.
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France gelang es durch ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik mühelos, die verschiedenen Facetten der Ophelia in den teils rezitativisch, teils arienhaft gestalteten fünf Teilen mal atemlos nach Luft schnappend, mal zögerlich, in sich gekehrt, dann wieder wütend und energisch darzustellen. Dean dirigierte insgesamt recht weich, wenn nötig auch mal kantig, aber doch vor allem intuitiv, was seine Übereinstimmung in der Klangsprache mit seinem ‚alten‘ Orchester unterstrich.
Neben den weiteren Konzerten im September kehrt Dean im Februar, April und Juni 2027 zurück in die Philharmonie.
Informationen zum Musikfest Berlin unter berlinerfestspiele.de





