Eine weit hergeholte Idee kann einer Komödie durchaus die nötige Fallhöhe verleihen. Man denke etwa an die Zeitschleife, in die Bill Murray in „...und täglich grüßt das Murmeltier“ gerät, oder an den Körpertausch, den Lindsay Lohan und Jamie Lee Curtis in „Freaky Friday“ erleben.
Finstere Prämisse für eine Komödie: Sex gibt‘s nur für eine Nacht im Jahr
Auch die Ausgangssituation von „One Night Only“ fordert dem Zuschauer Vertrauen in eine hanebüchene Grundkonstellation ab. Der Film von Will Gluck spielt zwar in einem vertrauten New York, aber mit einem entscheidenden Unterschied: In diesem fiktiven Parallel-Amerika dürfen unverheiratete Menschen nur an einem einzigen Tag bzw. einer einzigen Nacht im Jahr Sex haben.
Für eine Komödie ist das allerdings eine ziemlich finstere Prämisse. Schließlich impliziert sie für das Land des Individualismus einen Zentralstaat, der Kontrolle über das Intimleben seiner Bürger ausübt. Diese müssen einen im Unterarm implantierten, farbigen Chip tragen, der in dieser einen Nacht von rot auf grün springt. Eigentlich ist das doch eher Stoff für eine böse Satire über staatliche Übergriffigkeit oder gesellschaftliche Prüderie.
Aber schnell wird klar, dass die autoritäre Regel nur einem einzigen Zweck dient: Sie soll es den beiden attraktiven jungen Helden des Films, Allie (Monica Barbaro) und Owen (Callum Turner), schwer machen, zusammenzukommen. Und zwar nicht wie üblich dadurch, dass ihre Begegnung wieder und wieder vereitelt wird, sondern umgekehrt: Sie treffen in dieser Nacht so oft aufeinander und werden dabei in so viele Missgeschicke, Unfälle und andere Turbulenzen verwickelt, dass man als Zuschauer gut verstehen würde, wenn die beiden danach einander meiden wollten.
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Man muss gestehen, dass dieser Teil der Liebeskomödie überraschend gut funktioniert. Statt Autokratie schildert der Film die „eine Nacht“ als eine Art sex-betonten Karneval, bei dem zwar Männer und Frauen in Scharen übereinander herfallen, es dabei aber nie zu sexuellen Übergriffen oder schlimmeren Verbrechen als einem Kondom-Klau kommt.
Zwei gutgelaunte Stars, viel Selbstironie und verblüffende Wendungen
In diesem „sicheren Umfeld“ entfalten Callum Turner und Monica Barbaro als zwei „Normies“, die weniger an Sex als an Liebe interessiert sind, großen Charme. Die einzelnen Stationen der Nacht, die die beiden immer wieder gegen alle Wahrscheinlichkeit aufeinandertreffen lassen, sind mit angemessener Selbstironie und ein paar durchaus verblüffenden Wendungen inszeniert.

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Man kann daran viel Freude haben. Vorausgesetzt, man hört auf, darüber nachzudenken, was ein Staat, der seine Bürger per Chip kontrolliert, womöglich noch so alles „regelt“. Und darüber, dass den Drehbuchschreibern für schwule und queere Figuren in diesem Kosmos nichts anderes eingefallen ist, als eine Figur sagen zu lassen: „Uns betrifft es ja nicht“.
Romanze, USA 2026, 102 min., von Will Gluck, mit Monica Barbaro, Callum Turner ****





