Als ZZ Top im Juli 2026 für vier Open-air-Konzerte in Deutschland waren, unter anderem im Hamburger Stadtpark, da trommelte nicht der langjährige Drummer Frank Beard, sondern sein Ersatzmann Michael Monahan. Dass die „gesundheitlichen Probleme“, von denen seinerzeit vage die Rede war, doch gravierender waren, ist am Dienstagabend traurige Gewissheit geworden.

Donnerstag

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Gitarrist Billy Gibbons gab auf Instagram bekannt, er und sein Band-Kollege Elwood Francis hätten „einen großartigen Freund verloren“ und die Welt „einen der innovativsten Schlagzeuger“. Beard sei auf seiner Ranch in Richmond im US-Bundesstaat Texas im Beisein seiner Familie gestorben, erklärte der Sprecher der US-Band Bob Merlis. Er wurde 77 Jahre alt. Über die Todesursache wurde zunächst nichts bekannt. 

Der bartlose Taktgeber hinter den beiden Bartmännern

Das Bluesrock-Trio, das Billy Gibbons im Sommer 1969 in Texas gegründet hatte, bestach im Gegensatz zu anderen Southern-Rock-Bands wie Lynyrd Skynyrd durch seinen staubtrockenen Minimalismus und durch seine Corporate Identity: Gibbons und Bassist Dusty Hill sahen mit ihren langen Vollbärten, den Sonnenbrillen und den markanten Hüten aus wie bei der Geburt getrennte Zwillinge, während dahinter der bartlose Frank Beard den Takt vorgab.

In der Besetzung Beard/Hill/Gibbons spielten ZZ Top 1970 im texanischen Beaumont ihr erstes Konzert, mehr als 50 Jahre blieb das Trio unverändert zusammen. Dusty Hill wurde nach seinem Tod 2021 durch den langjährigen Gitarrentechniker der Gruppe, Elwood Francis, ersetzt, angeblich hatte Hill sich diese Lösung ausdrücklich gewünscht.

In den ersten zehn Jahren waren ZZ Top eine große Nummer ausschließlich in den USA, wo sie sich durch ausgedehnte Konzertreisen eine große Fangemeinde erspielten. Gibbons bezeichnete die Jahre des fast ununterbrochenen Tourens als eine später als „mörderische und grauenvolle Erfahrung“, Frank Beard hatte mit Drogenproblemen zu kämpfen.

Durchbruch in den USA mit dem Album „Tres Hombres“

Mit „Tres Hombres“ erschien 1973 das erste kommerziell erfolgreiche Album der Band, unter anderem mit dem Klassiker „La Grange“, ohne den ein ZZ-Top-Konzert die Zuschauer unbefriedigt zurücklassen würde. Heutzutage würde es wohl für hitzige Diskussionen sorgen, wenn eine Band ein Bordell namens „Chicken Farm“ besingt, doch in den frühen 1970er-Jahren nahm niemand ZZ Top diese Gleichsetzung von Huren und Hühnchen übel.

Dass die Band 1980 mit einem Schlag in Europa bekannt wurde, hatte sie dem „Rockpalast“ des Westdeutschen Rundfunks zu verdanken. Der Auftritt in der Essener Grugahalle wurde per Eurovision live in ein Dutzend andere Länder übertragen, zum ersten Mal waren die Texaner im europäischen Fernsehen zu sehen. Es begann das erfolgreichste Jahrzehnt der Gruppe mit Alben wie „Eliminator“ und Single-Hits wie „Legs“ und „Sharp-Dressed Men“.

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50 Jahre lang, bis zum Tod von Dusty Hill 2021, spielten ZZ Top in unveränderter Besetzung: Hill (l.), Billy Gibbons (M.) und Frank Beard (Aufnahme von 2008).© AFP | Chris Delmas

Beards Tod ist nicht das Ende der Band  

Das Trio spielte, in dieser Hinsicht gar nicht texanisch-konservativ, mit den Innovationen der 80er-Jahre. Das waren einerseits die neu entwickelten digitalen Fairlight-Synthesizer, mit denen die Band ihren Trio-Sound kreativ erweiterte, das waren aber vor allem die aufwendig produzierten Musikvideos, in denen neben den Bartmännern stylishe alte Autos und knapp bekleidete junge Frauen zum Inventar gehörten. Mit MTV als Werbebühne wurden ZZ Top zu einer globalen Rock-’n’-Roll-Marke.

Die Nachricht, dass Frank Beard nicht mehr lebt, müssen ZZ Top nun erst einmal sacken lassen, die beiden nächsten Konzerte hat die Band abgesagt. Zur Ruhe setzen werden sich die Texaner aber nicht: Schon am Wochenende wollen sie in Austin wieder auf der Bühne stehen.