Hier 93 Personen allein auf einem Eisbrecher mitten in der Ostantarktis. Dort acht Milliarden Menschen im Kampf gegen den Klimawandel. Und das eine hat mit dem anderen zu tun.

Antarktischer Zirkumpolarstrom: Forscher warnen vor steigendem Meeresspiegel

Sollte nämlich zum Beispiel die Ostantarktis, die größer als Australien ist, schmelzen, würde der Meeresspiegel weltweit um stolze 52 Meter steigen. Und das könnte passieren, sollte sich der antarktische Zirkumpolarstrom aufgrund der globalen Erwärmung weiter südwärts verlagern, sodass er warmes Wasser an die Küste der Ostantarktis bringt. Um genau das zu untersuchen, legt die „Polarstern“ von Kapstadt aus für zehn Wochen gen Südlichem Ozean ab.

Mit an Bord ist Regisseurin Ines Reinisch, die uns in ihrem sehenswerten Dokumentarfilm „Salz und Wasser – Mit der legendären Polarstern in die Antarktis“ in diese hermetische Welt aus Forschern und Seeleuten mitnimmt.

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Dabei nimmt sie bewusst die Position der unwissenden Besucherin ein. Um umso mehr zu staunen über die Abläufe zwischen Besatzung und Wissenschaftlern („Der Bootsmann hat ,beistehen“ und nicht ,helfen‘ gesagt“), die Detailversessenheit der Forscher vor Mikroskop und Computer („Wir wollen das Zusammenspiel zwischen Eisplatte und Wasserströmung ergründen“) und die Abgebrühtheit der Crew („Man kommt hier nicht schnell weg, wenn draußen jemand stirbt“), die teilweise ein halbes Jahr auf dem schon über 40 Jahre alten Schiff unterwegs ist.

Antarktis-Expedition zeigt emotionale Momente und Forscher-Alltag

Zwischen der Auswertung von Sediment- und Wasserproben, einem geologischen Landausflug auf eine australische Forschungsstation und der beeindruckenden Vorbeifahrt an einem sterbenden Gletscher entlang ergibt sich die ganze menschliche Dimension dieser Expedition.

Wie Nazanin Asadi als zweite iranische Wissenschaftlerin überhaupt die Antarktis betritt und im ewigen Eis sichtbar die große Freiheit genießt. Wie Chefingenieur Torben Rusch fast die Tränen kommen, als er nach Wochen wieder mal einen Videocall mit Tochter Lina zu Hause hat. Und wie Expeditionsleiter Marcus Gutjahr an die Unabhängigkeit der Wissenschaft appelliert („Ich möchte nicht agitieren“).

Salz und Meer
Alltag auf der "Polarstern": Besatzung und Forscher arbeiten Hand in Hand. © ThurnFilm GmbH_Fotografin Ines Reinisch | ThurnFilm GmbH_Fotografin Ines Reinisch

So erleben wir auf der „Polarstern“ stellvertretend die große Welt im Kleinen. Der souveräne Umgang mit der Verantwortung von Kapitän Felix Lauber als Vorbild für unseren Umgang mit der Erde. Dabei das Gefühl von individueller Freiheit genießen wie die iranische Forscherin. Und das soziale Miteinander pflegen wie Besatzung und Forscher an Bord. So tuckert die „Polarstern“ informativ, lehrreich und unterhaltsam im Kino in unser Herz und Hirn.

Dokumentarfilm, Deutschland 2025, 106min., von Ines Reinisch. ****