Ein knapp vier Meter langer Pfeil aus Bronze steckt neuerdings im modernen Teil der Nordfassade des Humboldt Forums. Das Ende mit den Federn weist in Richtung Berliner Dom, die Spitze nach Süden, „Südpfeil“ ist deshalb auch der Titel der ungewöhnlichen Skulptur. Die ziemlich eindrucksvoll ist, wenn man davorsteht, zart und subtil, aber auch kraftvoll und direkt. Eine Irritation an der sonst glatten Fassadenkante, die, so die Hoffnung, neugierig machen soll. Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, verspricht sich noch mehr: Für ihn ist der Pfeil eine Aufforderung, hineinzugehen und die Ausstellungen zu besuchen.

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Abgeschossen wurde er aus Berlins Westen. In der Knesebeckstraße sitzt das Architekturbüro J. Mayer. H., das sich im offenen Wettbewerb für das achte Los für Kunst am Bau gegen 130 Mitbewerbende durchgesetzt hat. Die Entscheidung der Jury war einstimmig, sagt Dorgerloh. Und ergänzt: „Wir haben hier keinen Schlussstrich oder Schlusspunkt, sondern einen Schlusspfeil.“ Denn das achte Baulos ist auch das letzte. Eigentlich Zeit zum Durchatmen für das von Kontroversen und Diskussionen gebeutelte Haus.
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Wenn da nicht so viele Fragen wären. Die Dynamik des Pfeils zielt auf ein Haus in Bewegung, sagt Jürgen Mayer H. anlässlich der offiziellen Einweihung am Mittwoch. Europäische Landkarten arbeiten mit Nordausrichtung. Ein Haus, das einen Großteil seiner Schätze dem Globalen Süden verdankt, muss verschiedene Blickrichtungen aushalten können. Inspiriert hat den Architekten ein Storch, der heute ausgestopft im Rostocker Universitätsmuseum zu sehen ist. Er brachte 1822 einen Pfeil aus Tropenholz mit und gilt deshalb als erster Beweis für den Vogelzug nach Afrika. Zuvor gab es darüber wilde Spekulationen. Für den Architekten ist der Rostocker Storch eine Metapher für globale Migration, die nicht nur Bewegung, sondern auch Austausch ist. Die Intervention ist für ihn kein lautes Spektakel oder gar ein Akt der Gewalt, sondern „wie das Stechen einer Akupunkturnadel ein gezielter Eingriff, der größere Zusammenhänge berührt und mögliche Blockaden lösen kann“.
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Mit fließenden und geschwungenen Formen kennt sich der gebürtige Schwabe Jürgen Mayer H. aus. Sein Büro entwirft Gebäude, die an futuristische Skulpturen erinnern. Das nächstgelegene ist ein aus spiegelnden Kuben zusammengesetztes Bürohaus an der Alexanderstraße. Das berühmteste ist eine Holzüberdachung in Sevilla, die gigantischen Schirmpilzen nachempfunden ist. In Georgien schuf sein Büro einen Checkpoint in Form eines ausgestanzten Wellendiagramms und stapelte für einen Bahnhof Gleissegmente aus Beton. Ein Gerichtsgebäude in Hasselt (Belgien) gleicht einem Haselbaum. Für Seoul ist ein Wolkenkratzer in Planung, der von einer Fassade umgeben ist, die „den Wellen eines Tropfens auf der Wasseroberfläche gleicht“. Für all das gab es zahlreiche Architekturpreise und ehrende Ausstellungen, das Team ist weltweit auf Kongressen und Tagungen unterwegs.
Im Humboldt Forum haben Jürgen Mayer H. und sein Büro nun eine weitere Landmarke gesetzt.






