Es ist ein Drama der steifen Roben und der unbequemen Fragen. Der harten Bänke in Gericht und Gefängnis. Aber vor allem eine Tragödie um Stolz, Schuld und Schweigen einer sehr männlichen Gesellschaft in der Schweiz des Jahres 1904, die hier eigentlich auf der Anklagebank sitzt.

Donnerstag

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Die 25-jährige Näherin Frieda Keller (Julia Buchmann) gibt zu, ihren Sohn, den fünfjährigen Ernstli, im Hagenbuchwald bei St. Gallen getötet zu haben, nachdem sie ihn aus der Kinderaufbewahranstalt abgeholt hat. Das Urteil ist schnell gefällt: „Das ist keine Frau, das ist eine Mörderin“, zürnt der ehrgeizige Staatsanwalt Walter Gmür (Stefan Merki). Sieht er doch das ersehnte Todesurteil als Weg zu seiner Beförderung zum Großrat.

„Friedas Fall“: Frieda ringt mit den Folgen von Vergewaltigung und Armut

Doch so einfach ist es natürlich nicht. Friedas smarter Anwalt Arnold Janggen (Maximilian Simonischek) beleuchtet die sozialen Hintergründe der Tat, die in Maria Brendles einfühlsamem Debütfilm „Friedas Fall“ in sorgfältigen Rückblenden aufgearbeitet werden.

Dass die junge Frau völlig überfordert war mit einem Kind, das Ergebnis einer Vergewaltigung war. Dass sie sich aus ihrer rechtlosen Situation als arme Näherin herausträumte in eine Beziehung zu dem liebenswerten Heiri Rothefluh (Johannes Hegemann), der sie aber nicht wie versprochen mit ins mondäne Zürich nahm.

Wo die Schwester sie nicht gewarnt hatte vor dem lüsternen Gaststättenbesitzer und die Leiterin der Kinderaufbewahranstalt nur auf das Kostgeld der überforderten Frau scharf war. „Man hat mich nie Mutter sein lassen“, sagt Frieda zu ihrer Verteidigung.

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Und findet nur Gehör bei der resoluten Staatsanwalts-Gattin Erna Gmür (Rachel Braunschweig), die ihr zum Zeitvertreib Näharbeiten ins Gefängnis bringt, und der berlinernden Schauspielerin Gesine (Marle Tanczik), wortgewaltige Gattin des Anwalts Janggen.

„Friedas Fall“ zeigt menschliche Abgründe und ebnet Justizreformen

Und so wie sich das Geschehen aus Zeugenbefragungen, Hintergrundrecherchen, Karrierebestrebungen und Wortscharmützeln zwischen Anwalt und Staatsanwalt von der patriarchalischen Sichtweise zusehends auf diese weibliche Perspektive verschiebt, so sehr entwickelt sich dieses Gerichts- zu einem Emanzipationsdrama.

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Das in seiner feinfühligen Inszenierung reichlich Raum für Zwischentöne lässt. Im verhärmten Gesicht der Angeklagten, in das Julia Buchmann das Leiden einer nicht erwiderten Liebe legt. Stefan Merki ist dagegen ein Karrierist und Opportunist, wie er im Buche steht, mit am Ende sehr menschlichen Zügen. Und Maximilian Simonischek als Anwalt Janggen ein guter Mann, der aber auch um seine smarte Wirkung weiß.

„Friedas Fall“ beruht auf einer wahren Geschichte um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Der damals Aufsehen erregende Prozess um Frieda Keller führte später in der Schweiz zu umfassenden Reformen in der Justiz.  

Drama, Schweiz 2025, 105 min., von Maria Brendle, mit Julia Buchmann, Stefan Merki, Maximilian Simonischek. ****