Als Georg Seitz dann doch auf Gaza zu sprechen kommt und auf eine Aussage von Jury-Präsident Wim Wenders, rollen im Publikum einige Augen genervt nach oben. „Muss das sein?“, flüstert eine Frau. Seitz will wissen, ob Haase Wenders zustimme: Kunst müsse ein „Gegengewicht zur Politik“ bilden? Haase denkt darüber gar nicht lange nach, sondern bügelt das Thema mit einem Schulterzucken schnell glatt: „Och, ich widerspreche ihm da halt. Gerade die Filme auf der Berlinale sind ja schon immer sehr politisch – und Kunst ist es eben auch.“

Donnerstag
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Viel Nicken, ein kleiner Applaus. Klar, dieser Termin am Sonntagabend in der Cupra City Garage am Tacheles ist ein Heimspiel für die 37-jährige Schauspielerin. Neben ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrer Agentin sind vor allem Menschen gekommen, die einen der Stars des deutschen Films sehen wollen. Bei der auffallend hohen Rate an schönen, jungen Menschen im Publikum wollen viele hier auch lernen, wie man dorthin kommt, wo Jella Haase längst ist.
Jella Haase bei der Berlinale: Frauen dürfen auch wütend sein
Die 1992 in Kreuzberg geborene Schauspielerin ist für ihre Rolle als Chantal in „Fack ju Göhte“ und als „Kleo“ in der gleichnamigen Netflix-Serie bekannt geworden. Sie erzählt davon, wie es war, schon als Jugendliche vor der Kamera zu stehen. „Das waren damals oft sehr junge, rebellische Frauen, die auf der Suche sind. So war ich damals – und ich bin es wahrscheinlich immer noch.“ Georg Seitz hakt nach, ob sie denn wirklich rebellisch gewesen sei. Haase ruft zu ihrer Mutter: „Mama, war ich rebellisch?“ Die Antwort kommt prompt: „Entspannt rebellisch.“
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Das Publikum ist gut – oder zumindest auffallend – gekleidet: Frauen zeigen Ausschnitt oder tragen Abendkleid, Männer erscheinen auch mal im roten Kimono oder im lila Plüsch-Oberteil. Geklatscht wird sehr oft – etwa, als Haase sagt, dass Frauen in Filmen auch „wütend“ sein dürfen und nicht nur „zickig“. Oder als sie erzählt, dass vier ihrer nächsten fünf Filme von Regisseurinnen inszeniert werden. Besonders laut wird der Applaus, als sie über den Bayerischen Filmpreis spricht: „Natürlich ist es toll, ihn zu bekommen. Aber ich dachte auch: ‚Scheiße, dann musst du dem Markus Söder die Hand geben.‘“
Schauspielerin wettert gegen Rechtsruck in Europa
Dass sie sich politisch äußert, ist nichts Neues. Bei ebenjenem Bayerischen Filmpreis 2025 wetterte Haase gegen den Rechtsruck in Europa: „Und ich wehre mich aus der Tiefe meines Herzens gegen den Verlust von Ehrlichkeit, die Verrohung im Miteinander und das Normalisieren rechter Gesinnung.“ Ihre Rede beendete sie mit einem Hannah-Arendt-Zitat: „Das persönliche Problem war doch nicht, was unsere Feinde taten, sondern was unsere Freunde taten.“
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Wieder Applaus, wieder ein kleines Zusammenrücken an diesem Abend bei Weißwein und Gin Tonic. Jella Haase graut es vor den nächsten Bundestagswahlen, aber sie wolle auch nicht den Kopf in den Sand stecken. „Jeder Einzelne ist gefragt, zu zeigen, dass wir mehr sind und dagegenhalten.“ Zum Schluss spricht Georg Seitz über Berlin, und Haase sagt – wieder mit einem Schulterzucken: „Ich bin hier nun mal aufgewachsen, das krieg ich nicht mehr weg.“






