Während sich Hollywood rarmacht, rollt die Berlinale Musikstars den roten Teppich aus. Neben der Metal-Doku über Judas Priest und der Verleihung der Berlinale-Kamera an den Filmkomponisten Max Richter („Hamnet“) wird vor allem eine für Ausnahmezustand sorgen: Charli xcx, wohl der größte Star der ersten Festivaltage. Mit „The Moment“, dem Spielfilmdebüt von Aidan Zamiri, präsentiert sie am Samstagabend im Zoo Palast eine schwindelerregende Pop-Satire auf der Leinwand, in der sie eine überzeichnete Version ihrer selbst spielt.

Der Erfolg frisst sich durch jede Ritze – und alle wollen „melken“

„Brat“, ihr 2024 erschienenes Album, war mehr als ein Album. Es wurde zum Phänomen, ein Sommer lang prägte das giftgrüne Clubgören-Image Internet und Popkultur. Der Erfolg frisst sich durch jede Ritze. Manager, Assistenten, Labelbosse – alle wollen „Brat“ melken, am besten für immer. Sie selbst schwankt zwischen Kontrollverlust und Kontrollwahn. Die Handlung folgt diesem inneren Riss. Eine Arena-Tour steht an, ihre Kreativpartnerin Celeste (Hailey Benton Gates) drängt zum Neuanfang. Der von der Plattenfirma engagierte Konzertfilm-Regisseur Johannes (Alexander Skarsgård) wittert die große, familienkompatible Show. Skarsgård spielt ihn als eitle Machtmaschine mit Beanie und Dauergrinsen. Sie ist überfordert, lässt sich treiben, aus Angst, den Zenit schon überschritten zu haben.

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Zamiri inszeniert das als Mockumentary mit Horror-Schlagseite. Flackernde Farben, Stadionbombast, pulsierender Electro-Score. Kameramann Sean Price Williams hält dicht drauf, als würde er eine reale Implosion dokumentieren. Dazwischen Promi-Cameos: Kylie Jenner mit kalkulierendem Reality-TV-Blick, Rachel Sennott als sie selbst, Rosanna Arquette als Label-Chefin. Gesichter mit Dauerlächeln, das frösteln lässt.

Charli xcx spielt mit erstaunlicher Verletzlichkeit

„The Moment“ ist klug gebaut, voller Selbstironie, knallt auf Bild- und Tonspur. Gleichzeitig bleibt der Film seltsam kreisend um Fragen nach der Selbstbehauptung, wenn die Marke alles überstrahlt, begnügt sich aber oft mit deren Wiederholung. Als Satire auf das Musikgeschäft funktioniert „The Moment“, als Selbstreflexion eines globalen Popstars bleibt es hinter all den mitreißenden Meta-Inszenierungen etwas hohl, auch wenn Charli xcx mit erstaunlicher Verletzlichkeit spielt. Sie versteht die Mechaniken des Hypes. Ob sie ihm entkommt, bleibt offen. Auch darin liegt der Reiz dieses schillernd-lauten, mitreißenden Films.

Termine: 14.2., 21.30 Uhr, Zoo Palast 1; 15.2., 22 Uhr, Uber Eats Music Hall; 16.2., 10.45 Uhr, Colosseum 1; 17.2., 16 Uhr, Uber Eats Music Hall.