In der Bowlinghalle in der brandenburgischen Provinz herrscht an diesem Abend gelöste Stimmung. Isaac (Giulio Brizzi) hängt mit seinen Bundeswehr-Kameraden ab, an einem Tisch weiter weg fällt ihm eine junge Frau auf. Er geht zu ihr rüber, fordert sie auf, eine Runde mit ihnen zu bowlen. Edith (Ladina von Frisching) lehnt etwas mürrisch ab, er zieht sie aufmunternd am Arm hoch. Sekunden später liegt sie am Boden. Freunde kommen herbeigeeilt, um ihr zu helfen. Erst da fällt Isaac der Rollstuhl auf, der im Halbdunkel der Ecke stand. Edith ist querschnittsgelähmt.
Unterschiedliche Klassen, aber dieselbe Leidenschaft: Motocross
Gleich mit der ersten Szene setzt Lauro Cress in seinem Regiedebüt „Ungeduld des Herzens“ den Ton seines Liebesdramas, das nicht von ungefähr den Titel von Stefan Zweigs einzigem vollendeten Roman aus dem Jahr 1939 trägt, den Cress ebenso frei wie selbstverständlich in die Gegenwart hievt. Der junge Berufssoldat Isaac sucht Halt in Disziplin und Kameradschaft, eckt aber immer wieder mit seinem Jähzorn an. Edith lebt im großbürgerlichen Haus ihres Vaters, Geld ist kein Problem, die eigene Verletzlichkeit schon.
Isaac besucht Edith, um seinen Fehler wiedergutzumachen. Er begleitet sie zum See, teilt mit ihr die Erinnerung an Motocross und an ein Leben vor dem Unfall. Sie verbringen viel Zeit, es entsteht Nähe. Aus Scham, Verantwortungsgefühl und gutem Willen. Ob Liebe darin Platz hat, bleibt unklar. In der Öffentlichkeit zögert Isaac, zu Edith zu stehen. Privat bestärkt er Gefühle, die er nicht erwidern kann. Die sozialen Unterschiede verschärfen das Dilemma. Die Soldatenclique reagiert mit Spott, ihr Elternhaus mit stiller Erwartung.
Der große Sieger beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2025
Der 1983 geborene Cress inszeniert das zurückhaltend und körpernah, sein DFFB-Abschlussfilm lebt vor allem von der Präsenz seiner beiden Hauptfiguren. Giulio Brizzi verkörpert Isaac als zerrissenen jungen Mann zwischen Härte und Empfindsamkeit. Ladina von Frisching gibt Edith selbstbewusst und verletzlich zugleich. So wird Zweigs Thema des falsch verstandenen Mitgefühls zu einem zeitgenössischen Psychogramm.

Donnerstag
Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der Film erzählt unsentimental von guten Absichten, die Schaden anrichten können, und von einem Lernprozess ohne Trost. Ein in seiner leisen Konsequenz sehr sehenswertes Debüt, das beim Max-Ophüls-Filmfestival als bester Spielfilm ausgezeichnet wurde, Brizzi und von Frisching erhielten dort zudem die Schauspielpreise.
Drama, Deutschland 2025, 104 min., von Lauro Cress, mit Ladina von Frisching, Giulio Brizzi, Jan Fassbender




