„Es war einmal ein Garten Eden“ – wer dieses Buch in die Hand nimmt, ist mitten im Nahen Osten auf Reportagereise mit Martin Gehlen. Viele Leserinnen und Leser kennen ihn noch als sachlichen, sprachgewandten Autor und klugen Kommentator ihrer Tageszeitung, der aus dem Iran, Irak, Ägypten, Syrien – dem gesamten Nahen Osten – berichtete und auf Leser-Veranstaltungen die Säle füllte. Er wich keiner Frage aus, sagte aber auch deutlich, wenn er etwas nicht wusste. Doch das kam selten vor. Als Martin Gehlen 2021 ganz plötzlich in Tunis starb, verstummte die Stimme eines Journalisten, der zu den besten Kennern der arabischen Welt gehörte.

Der Aufstieg der Terrororganisation Islamischer Staat war sein Thema

Seit 2008 lebte er mit der Fotografin Katharina Eglau in Kairo, später in Tunis. Von ihr stammen die einfühlsamen Bilder zu seinen Geschichten. Er beschrieb den Arabischen Frühling, den Sturz der Diktatoren, die Euphorie und die Ernüchterung. Er verfolgte den Aufstieg der Terrororganisation Islamischer Staat und analysierte die „Kernschmelze im Orient“ – wie ein Kulturraum der Menschheit zerbricht.

Katharina Eglau und Elisabeth Zoll haben als Herausgeberinnen des Reportagenbands aus dem Geschichtenschatz des Autors sorgfältig ausgewählt. Sie schaffen es, dass dieses Buch einen Beitrag leistet zum Verständnis einer Region, die nicht nur ausgesprochen komplex und widersprüchlich ist, sondern voller wunderbarer Menschen, die viel zu oft übersehen werden.

Cover
Katharina Eglau, Elisabeth Zoll: Es war einmal ein Garten Eden. Begegnungen aus dem Nahen Osten. Aus dem Archiv von Martin Gehlen.Westend, 204 S., 24 Euro.© Verlag | Verlag

Im Vorwort betont Tomas Avenarius, langjähriger Auslandskorrespondent wie Gehlen, dass Reportagen nicht für die Ewigkeit geschrieben werden, sondern Momentaufnahmen sind. Das stimmt natürlich. Journalisten schreiben nicht für die Geschichtsbücher. Und doch zeigt dieses Buch, dass Freude an Sprache, Liebe zu den Menschen, Klugheit gepaart mit Neugier etwas schaffen können, was auch stürmische Zeiten überdauert. Es ist angesichts der andauernden Machtkämpfe, Konflikte und Kriege in der Region erschreckend aktuell.

„Es war einmal ein Garten Eden“ - Buch von Katharina Eglau
Als die Revolte begann: Tobrouk im Osten von Libyen im Februar 2011.© Katharina Eglau | Katharina Eglau

Katharina Eglau präsentiert Fotos aus den gemeinsamen Jahren in Kairo und Tunis unter dem Titel „Fragile Träume“ noch bis zum 13. November 2025 in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin, Schumannstraße 8 (montags bis freitags 9 bis 20 Uhr). Thematisch passende Reportagen von Martin Gehlen vervollständigen als Hörstationen die Ausstellung.