Wer an drei Abenden die Berliner Uber Arena füllt, der hat es im Musik-Business geschafft. Und der kanadische Rapper Drake hat es geschafft, auch wenn er für manchen Hardcore-Hip-Hopper nicht mehr die Nummer 1 auf der Welt ist. Es war der musikhistorisch härteste Beef, den er sich mit Kendrick Lamar aus L.A. geliefert und nach Meinung der internationalen Rap-Gemeinde verloren hatte. Und verlieren heißt in diesem Fall: weniger Streams, weniger Kohle, weniger Grammys. Dass Lamar und nicht Drake der Top-Act beim jüngsten Superbowl war, war eine Art Urteil in der amerikanischen Unterhaltungsindustrie darüber, wer wen am besten in seinen Tracks „gedisst“ hat.

Donnerstag
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Den zehntausenden jungen Fans in der Hauptstadt war das völlig egal. Für sie war Drake der Größte und sie feierten gleich dreimal eine Hip-Hop-Ikone, die zuletzt 2017 in Berlin war und sich für die lange Abwesenheit aus der Hauptstadt wortreich entschuldigte. Drake überzog das Berliner Publikum mit Komplimenten und versprach: „Ich komme nächstes Jahr wieder, ehrlich, wenn Ihr mich haben wollt“. Die Halle hörte die Ankündigung gerne und dankte mit Kreischalarm.
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Für die diesjährige Tour war der Meister mit seiner himmelblauen umgebauten Boeing 767 „Air Drake“ in Europa eingeschwebt, dem wohl dicksten Privatjet, der es mit manchem Präsidentenflieger aufnehmen kann, natürlich mit Kinosaal, weißen Leder-Lounges und WiFi bis aufs Klo.
Drake zählt seit Jahren zu den Künstlern mit den meisten Streams und ist Dauergast in den Charts. 142 Millionen Follower auf Instagram folgen seiner standesgemäßen Selbstinszenierung unter dem Pseudonym „Champagnepapi“ zwischen Ganzkörpernerz, Schampus-Feten und anderen Highlights aus seinem privilegierten Lotterleben.
Drake in Berlin: Der Meister kam ordentlich außer Puste
Gekonnt inszeniert war auch das Setting in der Uber Arena, wo Drake ein riesiges Rund aus einem illuminierten Plexiglas-Laufsteg aufbauen ließ und wie ein Running Sushi vor aller Augen im Kreis rotierte. Der Meister kam dabei ordentlich außer Puste und konnte sich endlich ausruhen, als sein Kumpel und DJ „Partynextdoor“ zwischenzeitlich mit eigenen Songs die Regie in der Arena übernahm.
Der 32-Jährige, alias Jahron Anthony Brathwaite, lief bei seinem Gast-Gig etwas hüftsteif über die Bühne, hatte aber dafür sechs gelenkige Tänzerinnen dabei, die offensichtlich kein Geld für Garderobe hatten und sich mit ein paar schwarzen Lederriemen behelfen mussten. So stellt man sich Rapper-Partys vor und besonders die Jungs zückten ihre Smartphones an diesem heißen Abend für Erinnerungsvideos, die der Berliner Jugendschutz besser nicht zu genau ansehen sollte.
Heiß war der Abend vor allem durch die Pyros und Feuer-Fontänen, mit denen Drake seine Top-Hits wie „What Did I Miss?“ und „Sicko Mode“ untermalte. Auf bühnennahen Plätzen gab es glühende Gesichter und Knalltraumata gratis, was der Stimmung keinen Abbruch tat.
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Drake ist übrigens kein böser Bube wie mancher Konkurrent aus L. A., sondern verwöhnte sein überwiegend weibliches Publikum vor allem mit Liebes-Erklärungen, Balladen und eingängigen Schmuse-Songs wie „One Dance“. Alles perfekt inszeniert, von unzähligen LED-Lichtkanonen in Farben getaucht und mit einem satten Bassteppich unterlegt, der selbst die Skinny-Jeans in der letzten Reihe flattern ließ.
Mancher Welthit wurde nur angespielt und Drake nutzte die langen Übergänge zwischen den Stücken nicht nur, um das Hauptstadt-Publikum mit Liebeserklärungen zu bombardieren. Eine kostenlose Paartherapie von Drake, der nach eigenen Angaben immer fünf Frauen gleichzeitig datet und mit einem ehemaligen Pornomodel eine Tochter hat, gab es auch dazu. Jeder sollte – unter Zuhilfenahme des Mittelfingers – den Namen seines schlimmsten „Ex“ in der Beziehungs-Historie herausschreien. Das war ziemlich schräg – und zum Glück für alle Datenschützer konnte sich in der Kakophonie kein Name akustisch durchsetzen.
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Außerdem nutzte Drake die Zeit für sentimentale Anekdoten aus seinen Anfängen in Montreal, wo bei seinem ersten Konzert nur 30 Leute kamen und der heutige Superstar nicht wusste, wie er auf der Bühne die Zeit rumkriegen sollte.
Die schweren Anfänge sind längst Geschichte. Längst ist jeder Move und jede Geste Kult bei den „Dawgs“, wie Drake seine härtesten Fans liebevoll nennt und immer wieder anbellt, von seiner schwebenden Umlaufbühne. Versprochen wurde in Berlin von Drake gleich zu Anfang eine „motherf***** Party“ als Höhepunkt der Konzerttour „$ome $pecial $hows 4 EU“ und die lieferte Drake alias Aubrey Drake Graham solide ab.
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Leider sahen sehr viele junge Zuschauer Drake vor allem durch die Kamera ihrer Handys, um ihre Community mit Videos oder Live-Soundfiles zu versorgen. Das stört eingefleischte Konzertgänger und raubt auch etwas Stimmung im Saal. Statt Chöre wie „one more song“ anzustimmen, versorgte man lieber den Social-Media-Stream mit Selfies und ließ den erschöpften Star des Abends ganz ohne Zugabe von der Plexiglasbühne entschwinden. Wer Drake auf seiner Tour noch sehen will, hat dafür im September drei Abende in München und zwei weitere in Hamburg.
Das Publikum nahm Drake den zügigen Abgang nicht übel und trollte sich glücklich, müde und taub zu den Ausgängen. Die meisten mussten am nächsten Morgen wohl zur Schule.








