„Klassentreffen“, nennen es die einen. Für andere ist es „eine gute Gelegenheit, Kontakte zu pflegen“. Und alle freuen sich auf „einen schönen Abend“ in den MMC-Studios in Köln, wo am Mittwochabend der Deutsche Fernsehpreis verliehen wird. Das „Beste aus TV und Streaming“ wird hier in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet. Der Beste stand allerdings schon vor Beginn fest: Otto Waalkes ist der Ehrenpreisträger 2025. Was ihm das neben dem eigentlichen Preis bringt, stellte Moderatorin Barbara Schöneberger bereits in ihrer musikalischen Begrüßung klar: „Du wirst gefeiert wie nie.“ Obwohl Waalkes ja einst gewarnt hat: „Willst du dir den Tag versauen, musst du deutsches Fernsehen schauen.“

Baseballcap zum Smoking

Auf die Baseballcap hat er nicht verzichtet, als er als einer der Letzten über den Roten Teppich im Foyer eilt. Sonst aber hat sich Otto Gerhard Waalkes, den sie alle nur „Otto“ nennen, in Schale, sprich in einen Smoking, geschmissen. Äußerlichkeiten, wie sich zeigt, als er unmittelbar nach Beginn der Show ein erstes „Jodel-di-hii“ erklingen lässt.

Preisträgerin in der Kategorie „Beste Schauspielerin": Maria Furtwängler
Preisträgerin in der Kategorie „Beste Schauspielerin": Maria Furtwängler © Thomas Banneyer/dpa | Thomas Banneyer

Ein Jodler, den sie alle kennen, die gekommen sind an diesem Abend. Und den die meisten auch lieben. Wie so vieles an Otto. Michael Kessler erinnert sich an die ersten Live-Shows des Friesenjung in den 1970er-Jahren. Als er im heimischen Wohnzimmer vor dem Fernseher klebte. Und als er alle LPs des Emdeners zum Entsetzen seiner Eltern so oft abnudelte, bis er jeden Satz auswendig kannte. „Angenagter, Ihnen wird zur Last gelegt, Sie hätten diesen Mast zersägt.“

Kalauer und verrückte Wortspiele

Bastian Pastewka geht es ähnlich. Ihn kann man wahrscheinlich nachts um vier wecken und erfolgreich um ein paar Otto-Gags bitten. „Im Alter von elf Jahren“, erzählt er am Mittwoch auf dem Roten Teppich des Fernsehpreises, „haben meine Eltern mir ein Ticket für einen Live-Auftritt von Otto geschenkt.“ Erste Reihe, ganz außen. Als Otto da auf Rollschuhen und mit seinen kleinen Götterflügeln zur Bühne gerauscht ist, hat er Pastewkas Arm gestreift. „Spätestens da war es um mich geschehen.“ Deshalb kann man ihn natürlich fragen, was der Satz „Peter, Paul and Mary are in the kitchen!” auf Otto-Deutsch bedeutet. Klar:  Peter, Paul und Maria sind im Kittchen!

Seit über 50 Jahren macht Waalkes solche Witze, jongliert mit Kalauern, verrückten Wortspielen, kindlichem Nonsens, Musikalität, Geräuschen und fulminanter Körpersprache. Er nimmt sich selbst nicht ernst und karikiert die Absurditäten des Alltags. Otto ist nie verletzend, sondern anarchisch, aber immer herzlich. Sein Humor lebt von Parodien, Reimen und absurden Figuren. Er erfindet Harry Hirsch, Frau Suhrbier oder Oberförster Pudlich – Namen, die jeder kennt, der in den 1970ern groß geworden ist. Er lässt Susi mit ihrem Föhn sprechen, ist überzeugt „Der Kutscher kennt den Weg“ und stellt klar: „Dänen lügen nicht.“

Donnerstag

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Michael Mittermaier, der Otto 1977 erstmals live gesehen hat, glaubt heute, Ottos Erfolgsgeheimnis zu kennen. „Denk nicht nach, geh einfach auf die Bühne und mach.“ Ein Ehrenpreis sei eigentlich zu wenig für so einen Mann. „Für jede seiner LPs müsste er einen kriegen.“

Tim Mälzer bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mit der Auszeichnung in der Kategorie „Bestes Factual Entertainment" für „Herbstresidenz“.
Tim Mälzer bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mit der Auszeichnung in der Kategorie „Bestes Factual Entertainment" für „Herbstresidenz“.© Thomas Banneyer/dpa | Thomas Banneyer

Und er ist ja auch nicht stehen geblieben. Extrem erfolgreiche Filme hat er gemacht und animierte Figuren synchronisiert, er malt und ist längst auch in den sozialen Medien unterwegs. Er hat nicht nur TikTok entdeckt, er hat auch zusammen mit Ski Aggu und Joost Klein 2023 mit einer Techno-Version seines „Friesenjung“ Rang Eins der Deutschen Musikcharts erobert.

„Keine Zeit, ich muss den Anzug wieder abgeben“

Mit stehenden Ovationen wird er zum Ende der Gala am Mittwoch begleitet, als er nach einem Interview mit Thorsten Sträter die Bühne betritt und den Ehrenpreis in Empfang nimmt. „Ich bin gerührt“, sagt Otto, ist aber ein wenig besinnlich. „Das klingt ein bisschen wie Finale. Danach kannst du aufhören. Das will ich aber nicht.“ Muss er auch nicht, wie er anschließend einmal mehr beweist. Kurz stimmt er den „Friesenjung“, bricht aber ab, als das Publikum einsteigen will. „Keine Zeit, ich muss den Anzug wieder abgeben.“ Jung Star Julius Weckauf kennt solche Sprüche. „Wenn Otto einen Raum betritt“, hat er bei gemeinsamen Dreharbeiten oft erlebt, „weißt du, dass es gleich richtig lustig wird.“

Wer sonst noch gewonnen hat

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben mit ihrer ProSieben-Show „Ein sehr gutes Quiz (mit hoher Gewinnsumme)“ die Kategorie „Beste Unterhaltung Show“ gewonnen. Da half es auch nicht, dass  Günther Jauch, der Preisverleihungen eigentlich meidet für das ebenfalls nominierte „Wer wird Millionär?-Jubiläumspecial angereist war. Immerhin: Sein Wadenbeinbruch am Sprunggelenk heile gut, verriet Jauch.

In der Kategorie Beste Reality trat Heidi Klums „Germany‘s Next Topmodel“ ausgerechnet gegen ihren Mann und ihren Schwager an. Es siegten Kaulitz & Kaulitz (Netflix). Beste Comedy-Serie wurde „Achtsam morden“ (Netflix), mit Tom Schilling in der Hauptrolle und nach den Büchern des Essener Autoren Karsten Dusse.

Sorgte für musikalische Unterhaltung: Sascha alias Dick Brave.
Sorgte für musikalische Unterhaltung: Sascha alias Dick Brave.© Getty Images | Andreas Rentz

Bester Film wurde „Ein Mann seiner Klasse“, der laut ARD erzählt, was es heißt, in Armut aufzuwachsen und wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden, nur weil man aus prekären Verhältnissen stammt. Hauptdarsteller Leonard Kunz wurde Bester Schauspieler. Bei den Frauen siegte Maria Furtwängler für ihre Rolle in dem ARD-Film „Bis zur Wahrheit.“

Beste Drama-Serie wurde „Krank Berlin“ (Apple TV). Der Deutsche Fernsehpreis für die „Beste Moderation/Einzelleistung Unterhaltung“ ging an Teddy Teclebrhan für seine Ausgabe von „Wer stiehlt mir die Show?“

In der Kategorie Factual Entertainment siegte „Herbstresidenz“, ein „Sozialexperiment“ mit Tim  Mälzer und André Dietz, bei dem Menschen mit Behinderung alten Menschen in einem Seniorenheim zur Seite stehen. „Wir haben gezeigt, wie einfach Inklusion sein kann“, freut sich Dietz.

Beste Comedy Late Night wurde zum mittlerweile dritten Mal „Inas Nacht“. Ina Müller selbst konnte den Preis aber nicht persönlich entgegen nehmen. Sie liegt krank zu Hause.