„When we drive in your car, I‘m your baby
Losing all my innocence in the back seat
Say you love, say you love, say you love me
Losing all my innocence in the back seat“

Donnerstag
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Fans von Popmusik und alle, die chronisch online sind, dürften beim Lesen dieser Zeilen direkt eine Melodie im Kopf haben. Mit „Diet Pepsi“ hat Addison Rae den Ohrwurm des Sommers 2024 geschaffen. Rund ein Jahr später steht die 24-Jährige am Sonntagabend in der Uber Eats Music Hall in Berlin auf der Bühne und präsentiert ihre erste ausverkaufte Tournee.
Längst überfällig, könnte man meinen. Oder auch: welch Überraschung. Denn bevor die US-Amerikanerin zum gefeierten Popstar aufstieg, wurde sie weltweit belächelt. Noch eine junge Tiktokerin, die Musik machen will? Bloß nicht. Dass sich nun 4500 Menschen in Berlin in die Konzerthalle drängen, um möglichst weit vorne zu stehen, hätte damals niemand gedacht.
Addison Rae wurde durch Tiktok zum Internet-Star
Addison Rae Easterling wuchs in Lafayette, einer Stadt im US-Bundesstaat Louisiana auf. Sie begann früh zu tanzen – erst zuhause, dann auf Wettbewerben, später auf Tiktok. 2019 trat sie dem Hype House bei – einer Gruppe von Tiktokern, die gemeinsam Content erstellten – und knackte schnell die Marke von einer Million Follower.

Sie unterschrieb bei einer Talentagentur, brachte einen Podcast raus und bewarb online große Marken. Eine klassische Influencer-Karriere. Bereits 2020 galt sie als bestverdienende Tiktokerin weltweit und verzeichnete mehr als 80 Millionen Follower. Addison Rae schwamm auf einer Erfolgswelle. Medial war sie überall.
Und genau da lag das Problem: Die Menschen online hatten genug von ihr. Als sie sich 2021 mit ihrer Debüt-Single „Obsessed“ als Musikerin etablieren wollte, scheiterte sie kläglich. Der Song war ein Flop, die Kritiken vernichtend. Addison wurde als selbstverliebt abgestempelt, ihre Musik als substanzlos und flach. Der generelle Eindruck: alles ziemlich peinlich und aufmerksamkeitsheischend.
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Neues Image: Addison Rae wandelt sich von der Lachnummer zum coolen Popstar
Ein Stempel, von dem man sich nicht so leicht erholt. Doch statt zu kapitulieren, erfindet sie sich neu. Und zwar so erfolgreich, dass der Youtuber Nicky Reardon vom „besten Rebranding der Geschichte“ spricht. Hunderttausende Mal wurde sein Video angeschaut. Er sieht in Addisons Erfolg eine intensiv durchdachte Marketing-Strategie. Und eine junge Frau, die zu ihrer künstlerischen DNA gefunden hat.

Statt ihre mediale Überpräsenz weiter auszureizen, macht sich Addison Rae plötzlich rar und mysteriös. Ihre neue Ästhetik: girly, Y2K, ein bisschen 2010er. Sie gewinnt an Tiefe, profitiert vom Image etablierter Künstler wie Charli xcx und Troye Sivan, mit denen sie sich fortan umgibt, wird als cooles und facettenreiches Partygirl mit künstlerischer Vision wahrgenommen. Ihre Zielgruppe findet sie in jungen Frauen und queeren Menschen. Online würde man sagen: Addison Rae ist plötzlich iconic.
Mit dem neuen Image kommt auch der musikalische Erfolg: Ihr Mega-Hit „Diet Pepsi“ gelangt 2024 weltweit in die Charts und verhilft ihr zum Durchbruch. Bis heute hat der Song fast eine halbe Milliarde Spotify-Streams erzielt. Ihre Kollaboration auf dem „Von Dutch“-Remix von Charli xcx sichert ihr zudem einen Platz auf einem der erfolgreichsten Alben des Jahres.
Konzert in Berlin: Addison Rae begeistert Fans mit Hits wie „Diet Pepsi“
Ihr erstes Album „Addison“ – ausschließlich von Frauen produziert – wird von Kritikern gelobt und von Popmusik-Fans geliebt. Songs wie „Headphones On“ und „Fame is a Gun“ treffen den musikalischen Zeitgeist und erscheinen gleichzeitig im Einklang mit ihrer visuellen Ästhetik: feminin, verträumt, nostalgisch und ein bisschen provokant.
Ein Konzept, dass sie mit Bravour auf die Bühne überträgt. Die wird am Sonntagabend beherrscht von einem massiven Kronleuchter, unter dem Addison mit ihren vier Tänzern performt. Sie trägt Unterwäsche in Neon-Orange und -Grün, ultrakurze Kleider mit Wasserfall-Ausschnitt, viel Strass und Tüll. Alles wirkt wie aus einer romantischen Komödie der 2000er Jahre entsprungen.

Für „Von Dutch“ holt Addison zwei Fans auf die Bühne und lässt sie ihren berühmten Schrei imitieren, schafft damit Nahbarkeit zum Publikum. Bei „Obsessed“ – einst die Lachnummer des Internets – singt die Menge kreischend mit, bewegt sich wild Hüften kreisend zur Musik.
Mit „Diet Pepsi“ beendet die Künstlerin ihre Show, steht mit erhobenen Händen im Funkenregen, der von oben auf sie herunterprasselt. Ihr ist anzusehen, wie sehr sie den Jubel und die endlich erreichte Anerkennung der Masse genießt. Mit viel harter Arbeit, einem strategisch ausgeführten Image-Wechsel und der nötigen Nahbarkeit und Authentizität hat sich für Addison Rae schlussendlich bewahrheitet, was sie allen bereits 2021 in ihrem Song mitteilen wollte: „You‘re obsessed with me – me too.“






