Schwer zu sagen, ob die drei Rapper von PA69 fix und fertig sind, als sie in Kreuzberg nachts um halb eins die Bühne des Bi Nuu betreten. Sie haben ihre Gesichter wie immer mit blassrosa Sturmhauben verhüllt, die nur die Augen und den Mund frei lassen.

Donnerstag

Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Das Publikum in dem Club am U-Bahnhof Schlesisches Tor empfängt sie jedenfalls begeistert, gefühlt die Hälfte der Zuschauer trägt weiße Fan-T-Shirts, auf denen in rot-gelben Lettern „Weltrekord“ steht.

HipHop für Frühaufsteher - erster Auftritt um 7 Uhr morgens

Turbogianni, Rabatto und DJ Dope haben zu diesem Zeitpunkt einen extrem langen Tag hinter sich. Ihre „Tour de Speckgürtel“ hat am Samstagmorgen um 7 Uhr in Erkner begonnnen.

Von dort sind sie einmal gegen den Uhrzeigersinn rund um die Hauptstadt gecruised und haben ihren Bühnentruck an so unglamourösen Orten wie der Aral-Tankstelle in Hoppegarten geparkt.

PA 69
Egal, wie heiß es im Club ist - PA69 treten grundsätzlich mit Sturmhauen auf, so auch im Bi Nuu.© Thorsten Keller | Thorsten Keller

Es folgten (immer unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt) Gigs unter anderem in Falkensee, Potsdam und Schönefeld, ehe sie am späten Abend nach Berlin abbiegen.

Den Weltrekord von Frank Turner überboten

Im Bi Nuu endet der Extremsport-Tag von PA69 mit der Gewissheit, tatsächlich den bisherigen Weltrekord des Briten Frank Turner (15 Shows in 15 Städten binnen 24 Stunden) überboten zu haben. Die ganze Aktion ist insofern bemerkenswert, weil sie erst am Dienstag auf dem Instagram-Account der Band angekündigt wurde, der Werbe-Vorlauf war also extrem kurz.

Auch interessant

PA 69 sind für ihre hochtourigen Ballermann-Beats und Partysongs bekannt, in denen ähnlich viel gebechert und herumgeprollt wird wie im Frühwerk der Toten Hosen. Dazu passt, dass die Rapper zumeist das Mikrofon in der einen und eine Bierflasche in der anderen Hand halten, während sie sich „Ich will Ko-ka-in auf der Playa de Mallorca“ oder ähnlichen Unfug zusammenreimen.

Suff, Spaß und Spiel - und Hass für die AfD

Doch der Gig erschöpft sich nicht in dem Dreiklang aus Suff, Spaß und Spiel. PA 69 schildern als Eindruck von ihrer Brandenburg-Durchreise, es sei da zum Teil „ganz schön trist“, und schieben die mit Blick auf die Landtagswahl 2024 beinahe überflüssige Erklärung hinterher, „nicht die Landschaft, sondern die Leute“.

Auch interessant

Eine schöne Überleitung zum Anti-AfD-Klopper „Komplett Blau“ ist das, den zu rappen in downtown Kreuzberg natürlich weniger Mut erfordert als irgendwo in Oberhavel oder Oder-Spree.

Die Essenz des Songs: So alkoholisiert, dass ich bei den Völkischen mein Kreuz mache, kann ich gar nicht sein. Auch wenn mancher Reim da ein bisschen rumpelt, für Zeilen wie „Ich will kein neues Sommermärchen/ Ich will Nazis in Särgen“ muss man die drei Maskenmänner einfach gern haben.

Das neue Album „XXL“ erscheint am 7. November bei Four Music.
Am 24. Januar 2026 spielen PA69 in der Berliner Columbiahalle.