Mike Skinner kann einfach alles und das nervt, weil er die eigene Mittelmäßigkeit offenbart. So rappt es zumindest der deutsche Rapper Fatoni in seinem Song „Mike“. Beim Konzert des Briten in der Berliner Columbiahalle präsentiert sich Skinner allerdings so nahbar wie wenige Künstler. Bodenständig, authentisch und fast mehr im Publikum als auf der Bühne. „This is my home today“, „You are in my house“, ruft Skinner beim ersten Bad der Menge. Danach werden die Schuhe ausgezogen, wie es sich fürs nach Hause Kommen gehört. Nach einem Jahr wieder zurück in der Columbiahalle, wo „The Streets“ bereits im vergangenen Jahr das Publikum begeisterten.

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Es ist unglaublich, was es für die Stimmung eines Konzerts bedeutet, wenn sich Künstler von üblichen Floskeln und Bühnenroutinen lösen. „The Streets“ haben in Berlin von Beginn an mehr vor, als im Glanz alter Tage zu baden und ein paar Songs herunterzuleiern. Selbst dass Skinner sich die Mühe macht, das halbe Konzert auf einer Box stehend runterzureißen, ist irgendwie schon mehr Aufwand als so manch andere Band live betreibt. Mitgefühl auch die hinteren Reihen. Rührend.
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Und auch das Publikum hat Bock, aus dem braven Duktus eines Konzerts unter der Woche auszubrechen. Statt routiniertem Kopfnicken zum Solo-Bier gibt es Moshpit und Ekstase. Gleich das Opener-Trio aus den Songs „Turn the Page / Who‘s Got the Bag / Let‘s Push Things Forward“ ist eine geniale Reise durch die Diskografie. Zwei Banger vom Debüt-Album rahmen den neueren Song „Who‘s Got the Bag“, der eine trashige Hommage an Hedonismus und Nachtleben ist, bei der nicht ganz sicher ist, ob der Exzess verhöhnt oder gefeiert wird. Das Publikum entscheidet sich für feiern. Mit dem Hintergrund, dass der Song während des Corona-Lockdowns entstanden ist, beschreibt er wohl eher die reale Sehnsucht nach durchzechten Nächten. Vier Jahre später ist der Hunger weiter ungestillt.
The Streets in Berlin: Wieso Mike Skinner und die Columbiahalle perfekt harmonieren
Dasselbe gilt auch für Skinner. Als „The Streets“ vor 23 Jahren ihr erstes Album „Original Pirate Material“ veröffentlichten, war es nach unzähligen Britpop-Sensationen ein neuer Sound, der aus Großbritannien nach Europa schwappte. Hip-Hop, aber ohne Ami-Bombast und deutscher Fanta-4-Peinlichkeit. Texte, die von der Lebenswelt der englischen Arbeiterklasse erzählen. Die Strophen literarisch geschrieben, ganz ohne Pathos, von Skinner weniger gerappt, sondern mit nöligem Arbeiterklassen-Dialekt Cockney vorgetragen.
Stark ist beim Auftritt in Berlin auch der Sound, der mit Bass, Gitarre, Backup-Sänger, Schlagzeug und Synth-/Bass-Wänden in die Hitze der Columbiahalle drückt. Skinners Aura auf der Bühne hingegen ist angelehnt an diesen einen Freund, der auf dem Festival am Morgen als Letztes aus dem Zelt taumelt, seine Wertgegenstände und Gedanken ordnet und sich ein Bier über die Rübe kippt. Sympathisch und zielsicher.
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Bis dahin war es ein weiter Weg. Denn 2011 hängte Skinner das Projekt an den Nagel und ließ es lange ruhen. Erst ein Jahrzehnt später kehrten „The Streets“ dann mit neuem Album und Tour zurück. Und das hat sich gelohnt. Die Fans nach so vielen Jahren ohne Skinner ausgezehrt, er selbst immer noch voller Tatendrang. Erstaunlich ist auch, dass das Publikum den eher sachten Ausstieg mit den balladenartigen „Dry Your Eyes“ und „Blinded by the Lights“ fühlt. Wobei der finale Abgang dann wieder gewohnt ekstatisch ausfällt. Und so fühlt sich das Konzert wirklich für alle wie ein Nachhausekommen an. „This is my home and I’m your father“, ruft Skinner noch einmal in die Menge. Das ist mein Zuhause und ich bin euer Vater. Ok, fair Deal, Mister Skinner.







