Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten es Frauen berühmter Künstler schwer, wenn sie eigene Ambitionen hatten, wenn sie mehr als nur Geliebte und Muse sein wollten. Frauen wie Alma Mahler oder Yoko Ono wurden als schwierig und neurotisch abgetan oder galten gar als gefährlich, dem freien Schaffen des männlichen Genies abträglich.

Lange galt Marthe Bonnard als negativer Einfluss

Das galt auch für die Beziehung des impressionistischen Malers Pierre Bonnard zu Marthe, der jungen Seidenblumenstickerin, die er 1893 auf den Straßen von Paris entdeckt und gleich in seinem Studio Modell sitzen lässt. Als er sie auffordert, ihre Brüste zu entblößen, ist sie erst geschockt. Und verliebt sich dann doch. Es ist der Beginn einer meist geordneten, nur kurz turbulenten Beziehung, die bis zu Marthes Tod 1942 andauern sollte. Und in der Pierre Marthe an die 2000 Mal in meist intimen Posen porträtiert.

Lange galt Marthe Bonnard in der Kunstgeschichte als negativer Einfluss, die sich an Bonnard, ein Weggefährte Monets und Vuillards, klammerte und ihn eifersüchtig in der idyllisch gelegenen Villa an der Côte d’Azur von allem abschirmte, dem Gesellschaftsleben und Künstlerkreisen in Paris allgemein und anderen Frauen im Besonderen. Und deren Rolle nun langsam neu bewertet wird. Auch durch diesen Film des französischen Regisseurs Martin Provost, der mit „Seraphine“ 2007 bereits Leben und Arbeit einer Malerin in geschmackvollen Bildern inszenierte.

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Hier versucht er beiden Bonnards gerecht zu werden in seinem Doppelporträt, das dabei vor allem von Cécile de Frances Spiel lebt, die diese Marthe mit Charme und Verve verkörpert, bis in die Asthmaanfälle, die sie regelmäßig plagen. Doch für ihre Persönlichkeit und deren Geheimnisse, was sie antreibt, interessiert sich der Film weniger. Und Pierre Bonnard bleibt bei Vincent Macaigne ohnehin eher blass, ein voyeuristischer Schürzenjäger, und dessen Anziehung bei Frauen vor allem Behauptung.

Ein arg behäbig inszeniertes Leben eines Künstlerpaares

Von der Kunst, den farbenfrohen Werken, sieht man nur am Rande, der Film ist auf die Beziehung des Paares fokussiert. Und die ist über weite Strecken so harmonisch wie wohlhabend und langatmig. Der eigentliche Wendepunkt ist dann Pierres Affäre mit einer Kunststudentin, Renée (Stacey Martin), die Marthe zunächst als arrangierte Dreierbeziehung unter Kontrolle zu bringen versucht. Als Pierre sie dennoch verlässt, um Renée zu heiraten, beginnt Marthe, auf sich allein gestellt, plötzlich wie besessen selbst zu malen.

Ist der kreative Drang mehr als eine Reaktion aufs Verlassenwerden? So schnell er kam, ist er auch wieder verschwunden, als Marthe ihren Pierre wieder für sich allein hat, bis ans Ende ihrer Tage. Ein arg behäbig inszeniertes Leben eines Künstlerpaares, hübsch anzuschauen, dessen Relevanz für den Regisseur und damit das Publikum aber nie so ganz klar wird.

Drama, Frankreich/Belgien 2023, 123 min., von Martin Provost, mit Cécile de France, Vincent Macaigne, Stacey Martin