Kann der Schrecken so verträumt klingen? Der vielseitige Klang von Anouar Brahems Oud im instrumentalen Zusammenspiel mit Cello, Bass und Klavier eröffnet zumindest musikalische Welten. Sanft wie das Plätschern der Wellen, berauschend wie die Liebe und doch dramatisch wie der Krieg. Aber stets behaftet von Wehmut.

Donnerstag
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Bei den „JazzNights 2025“ stellt der tunesische Oud-Virtuose mit seinem Anouar Brahem Quartet sein neues Album „After The Last Sky” in der fast ausverkauften Philharmonie vor. Eine hochemotionale, musikalische Reise, denn beim Komponieren der Stücke stand Anouar Brahem unter dem Eindruck der Tragödie in Gaza, die ihren Ausgang nach dem beispiellosen Anschlag der palästinensischen Terrororganisation Hamas im Oktober 2023 auf Israel nahm.
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Der Titel des Albums stammt aus einem Gedicht des palästinensischen Poeten Mahmoud Darwisch (1941–2008). Daraus zitiert Anouar Brahem die Verse: „Where should we go after the last frontiers? / Where should the birds fly after the last sky?“ Auf Deutsch: „Wohin sollen wir nach den letzten Grenzen gehen? / Wohin sollen die Vögel nach dem letzten Himmel fliegen?“ Mit diesen Fragen setzt sich der 67-Jährige auch in seinen tiefgründigen Stücken auseinander. Allerdings ohne dem Publikum eine politische Botschaft zu vermitteln. In den Stücken geht es vielmehr um pures Gefühl. Mal tieftraurig und zart, dann wieder eindringlich und voller Dynamik. Was die Erschütterungen in Nahost universell spürbar macht.
Unterstützt wird Anouar Brahem dabei von zweien seiner langjährigen musikalischen Weggefährten: der britische Pianist Django Bates und US-Amerikaner Dave Holland am Kontrabass. Letzterer ist selbst eine absolute Legende, spielte er doch schon mit Miles Davis, Alexis Korner und Chick Corea. Komplettiert wird das Quartett durch die klassische, deutsche Cellistin Anja Lechner.
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Mit ihnen mischt Anouar Brahem wunderschöne Melodien mit subtilen Grooves und arabischen Anklängen, präsentiert warme Oud-Harmonien mit schillernden Texturen von teils tänzerischer Qualität. Und zwar in immer neuen Konstellationen. Wie beim Duett mit Oud und Bass in „The Eternal Olive Tree“, das die tiefe musikalische Verbindung zwischen Brahem und Holland unterstreicht. Die Atmosphäre dabei üppig und zeitweise minimalistisch zugleich.
Django Bates entlockt dem Flügel mitreißende Melodiebögen und glitzernde Klangkaskaden voller Leichtigkeit. Und der melancholische Ton von Anja Lechners Cello verleiht den Stücken eine weiche, gefühlvolle Note. Getragen werden die Kompositionen aber von der arabischen Kurzhalslaute, die den Geist des Orients atmet und dennoch in Anouar Brahems Händen so zeitlos wie modern klingt.
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Geboren 1957 im tunesischen Halfaounine, studierte der Musiker die Oud am Nationalen Konservatorium seines Geburtslandes. Musikalisch geprägt ist er aber deutlich von seiner Zeit in Paris und seinen Jahren in Amerika ab den 1980er-Jahren. Vereint doch den Jazz mit nahöstlichen Sounds, die eine meditative Wirkung ausstrahlen, weil Anouar Brahem die Stücke atmen und fließen lässt. Sie geben einem das Gefühl von Heimweh und Neugier, die Welt zu entdecken.
Seine einzigartige musikalische Perspektive schafft es, eine menschliche Tragödie ohne Effekthascherei in eine ergreifende klangliche Erzählung zu verwandeln. Ein seelenvolles Konzert, gefeiert mit verdientem, frenetischem Applaus.







