• Falke ermittelt in Hannover. Wieder kein Hamburg-„Tatort“!
  • Davon abgesehen, ist die Folge „Im Wahn“ ein solider Krimi mit Zeitgeist-Thema: Es geht um die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz.
  • An Wotan Wilke Möhrings Seite ermittelt diesmal unter anderem Peri Baumeister.

Ein Kapuzenpullikiller sticht im neuen NDR-„Tatort“ mit dem Titel „Im Wahn“ im dichten Bahnhofsgedränge zwei Menschen nieder. Beide verbluten. Ermittlungsleiterin Gabriele Seil (Anna Stieblich) will den Täter in einem Pilotprojekt mit einer englischen Software überführen. Big-Data-Analyse als Ermittlungstool also, mit der KI Verbrecher fangen, indem Bewegungsprofile und Social-Media-Aktivitäten der in die Funkzelle am Tatort eingelockten Passanten gescannt werden.

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Vielleicht ist Bundespolizist Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring), der unlängst seine Partnerin verloren hat (sie wurde erstochen, Ironie des Zufalls), zur Traumabewältigung im Kloster war und auch da (so ein Pech aber auch) auf kriminelle Machenschaften stieß, der optimale Resonanzkörper, wenn es um künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz geht. Instinktbullen trauen nur der eigenen Nase. Oder haben, wie Möhrings Chefin frech sagt, womöglich „Angst vor Algorithmen“.

Neuer „Tatort“ im Ersten: Der Verdächtige fällt aus dem Fenster

Tatsächlich schickt die Datenanalyse Möhring und seine Kollegin Yael Feldman (Peri Baumeister) – auch die Göttinger Polizistin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) ist im Ermittlungsteam – zu einem psychisch kranken Mann, der zur Tatzeit am Tatort war. René Kowalski (Mirco Kreibich) will sich der Befragung entziehen und fällt dabei aus dem Fenster. Seine schockierte Schwester Nora (Maria Dragus) macht Möhring schwere Vorwürfe. Der hat, wie gesagt, sowieso ein komisches Gefühl, was diesen Fall angeht. Und kurz nachdem die Polizei den Ermittlungserfolg verkündet hat, an der Kleidung des toten Verdächtigen fand sich das Blut der Opfer, gibt es ein neues Opfer eines Messerangriffs, der exakt nach demselben Muster ablief.

Tatort: Im Wahn
Drei Ermittler (v. l. Peri Baumeister, Wotan Wilke Möhring, Anaïs Schmitz) und eine KI: Szene aus der „Tatort“-Folge „Im Wahn“, die Ostermontag ausgestrahlt wird.© NDR/O-Young Kwon/Sabrina Raap | NDR

Eine Blamage für die KI? Finn Jennewein (Ex-Thalia-Emsemblemitglied Thomas Niehaus) ist als Abgesandter der englischen Softwarefirma weiterhin von der Einsatzkraft des Computers überzeugt. Dabei will ihn ein KI-kritischer Journalist (Garry Fischmann) am Zeug flicken. Weil dieser so krass engagiert unterwegs ist, könnte man ihn als Betrachter glatt selbst für den Mörder halten. Seinem Groll der KI gegenüber folgt man freilich noch lieber. Diesem „Tatort“ (Drehbuch Georg Lippert, Regie Viviane Andereggen) gelingt es, wie einige rasante Wendungen zeigen, KI-Skepsis in eine grundlegende Kapitalismuskritik umzudeuten.

Neuer „Tatort“ mit Möhring: Schon wieder in Hannover, buh!

„Im Wahn“ ist ein überraschend böser Thriller, der leidlich gut unterhält und die Frage einstweilen offen lässt, ob Falke eine neue feste Partnerin oder einen neuen festen Partner bekommt und wer das dann ist. Diesmal hilft Kripoermittlerin Feldman aus. Die langfristig angelegte zwischenmenschliche Dynamik zwischen Ermittlern ist, siehe insbesondere das Dortmunder Team, ziemlich wichtig für gelingende „Tatort“-Folgen; wäre insgesamt gut, wenn Möhring künftig nicht den Alleinunterhalter geben müsste.

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Und aus Hamburger Sicht muss übrigens unbedingt weiter gegrummelt werden: Bundespolizist Falke schon wieder in Hannover, buh! Das muss man natürlich deswegen monieren, weil es derzeit keinen richtigen Hamburger „Tatort“ gibt. Gar kein Trost ist, dass der Abschiedskommissar Borowski kürzlich vor Hamburger Kulisse auftrat. Sollte ja trotzdem Kiel sein. Lasst euch was einfallen, NDR, die Leute spotten schon, glaubt es oder glaubt es nicht.

„Tatort: Im Wahn“ 21.4., 20.15 Uhr, ARD

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