Stellt man sich einen Country-Hörer vor, dann ist es leicht, in Klischees zu fallen: Ein weißer Mann, der in einem Pick-up-Truck durch endlose Weiten fährt, mit einem Stetson-Cowboyhut auf dem Kopf, einer Gitarre im Gepäck und einem klaren politischen Standpunkt – konservativ, traditionell und unerschütterlich loyal zu Werten wie Familie, Religion und Amerika.

Donnerstag
Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Country-Musik, so scheint es, ist der Soundtrack der ländlichen, weißen Mittelschicht in den USA, der in den Songs von Künstlern wie Jason Aldean oder Kid Rock gefeiert wird. Diese Künstler singen von harter Arbeit, Whiskey und einer patriotischen Weltanschauung – Themen, die nicht zufällig die politische Basis von Donald Trump ansprechen. Denn Country-Musik wird oft als musikalische Untermalung für die Werte und Wählerschaft gesehen, die Trump bei seiner politischen Karriere unterstützten. Ist es also wirklich so einfach? Verkörpert Country-Musik tatsächlich nur den Soundtrack der „MAGA“-Bewegung, oder gibt es mehr, was dieses Genre zu bieten hat?

Country-Musik hat schon immer eine enge Verbindung zu konservativen Werten gehabt. Künstlerinnen und Künstler wie Johnny Cash und Dolly Parton waren oft die Stimme der einfachen, ländlichen Menschen, die mit ihrer Musik von den Herausforderungen des Lebens und der Hoffnung auf eine bessere Zukunft erzählten. Aber das Bild des Cowboys, der in seinem Truck durch die Weiten fährt und für traditionelle amerikanische Werte kämpft, ist heute nicht mehr das einzige Bild von Country. Auch in Berlin lässt sich ein bemerkenswerter Trend beobachten: Die Country-Welle erreicht die Hauptstadt. Radiosender wie RTL oder Star FM haben Country-Hits in Dauerschleife im Programm, und am kommenden Wochenende findet in Berlin sogar ein großes Country-Festival statt. Tausende Besucher aus der ganzen Welt werden erwartet.
Country im Zeitalter von Streaming und Diversität
In den letzten Jahren hat sich Country-Musik gewandelt. Künstler und Künstlerinnen wie Kacey Musgraves, die sich in ihren Songs mit Themen wie Selbstfindung, Feminismus und Akzeptanz auseinandersetzen, sprechen eine ganz andere Zielgruppe an, als es noch vor einigen Jahren der Fall war.

Der Erfolg von Künstlern wie Morgan Wallen und Luke Combs zeigt zwar, dass Country nach wie vor starke Wurzeln in den ländlichen USA hat, aber auch zunehmend auf digitalen Plattformen in urbanen und vielfältigen Kreisen gehört wird. Was besonders auffällt, ist die zunehmende Vielfalt im Genre. Neue Künstler wie der Hip-Hop beeinflusste Shaboozey bringen frischen Wind in die Szene und verbinden Country mit modernen Beats und Elementen aus der urbanen Musik.
In diesem Kontext ist es interessant, dass immer mehr Künstler aus anderen Musikrichtungen wie Beyoncé oder Post Malone das Genre aufgreifen. Country ist also nicht mehr nur noch die Musik für die klassischen, konservativen Trump-Wähler, sondern spricht auch eine junge, diverse und weltoffene Zuhörerschaft an.
Country to Country: Ein Festival zwischen Klischees und Vielfalt
Das Festival „Country to Country“ in Berlin, das an diesem Wochenende auf dem Uber Platz stattfindet, ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung. Das Festival zeigt, dass das Genre auch in einem internationalen, urbanen Kontext floriert. Das größte Country-Festival Europas, das in verschiedenen Städten wie London, Dublin und Berlin veranstaltet wird, ist ein Schmelztiegel für die unterschiedlichsten Fans der Musikrichtung. Das Publikum hier ist international, vielfältig und vor allem jung – weit entfernt von den klassischen Cowboy-Klischees, die das Genre oft begleiten.

Festivalleiterin Sina Hall sagt: „Country ist heute nicht mehr nur das, was man mit einem Cowboy im Truck verbindet. Es hat sich weiterentwickelt und ist offen für alle, unabhängig von Herkunft oder politischer Orientierung. Gerade in Berlin sehen wir eine junge, diverse Szene, die das Genre liebt, weil es Emotionen und Geschichten transportiert, die alle verstehen können.“ Neben traditionellen Country-Acts treten auf dem Festival auch Künstler wie Shaboozey auf, der Country mit urbanen Elementen mischt.
Country-Musik: Hier kann man reinschnuppern
Mit Acts wie Avery Anna, Lainey Wilson und Shaboozey zeigt das diesjährige Line-up, wie unterschiedlich moderner Country heute klingen kann. Während Lainey Wilson den traditionellen Nashville-Sound mit einer frischen Note versieht, bringt Shaboozey einen völlig neuen Mix aus Country und Hip-Hop auf die Bühne. Und Avery Anna, die über TikTok bekannt wurde, beweist, dass die Streaming-Revolution das Genre einem neuen Publikum zugänglich gemacht hat.
@avery.anna.music Indigo out now!!!!! @Sam Barber
♬ Indigo (feat. Avery Anna) - Sam Barber
Ein besonderes Highlight des Festivals ist der offen zugängliche „Town Square“ mit einem Event-Truck, Musik und Verkaufsständen auf dem Platz vor der Uber Eats Music Hall. Hier können Besucher ohne Ticket Country-Atmosphäre schnuppern. Neben Line-Dance-Workshops gibt es verschiedene Stände von Marken wie Wrangler oder Tommy‘s Western Store, die ebenfalls frei zugänglich sind. Wer spontan Lust bekommt, tiefer in die Szene einzutauchen, hat noch die Möglichkeit, Tagestickets zu erwerben – allerdings wird es am Sonntag bereits knapp.
Country to Country: Es gibt auch Meet & Greets
Für viele Fans sei das Festival aber nicht nur wegen der Musik besonders: In der Country-Szene sei der direkte Kontakt zwischen Künstlern und Fans ein essenzieller Bestandteil. „Es wird auch Meet & Greets geben. Die sind in der Country-Szene besonders wichtig – die Künstler wollen ihre Fans wirklich treffen“, so Hall.
Kulturpaket: Für Kulturfans, die mehr erleben wollen
In Berlin erwarten Sie täglich zahlreiche Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen und Events. Doch wo fängt man an? Mit unserem Kulturpaket erleben Sie Kultur nicht nur digital, sondern auch live. Täglich haben Sie mit Abundo Zugang zu Berlins vielfältiger Kulturszene – heute eine Comedy-Show, morgen eine Ausstellung, übermorgen ein Konzert in der Philharmonie. Und das Beste: Mit dem digitalen Abo der Berliner Morgenpost sind Sie immer bestens informiert. Interessiert? Sichern Sie sich jetzt das Angebot zum Vorzugspreis und sparen Sie 44 Prozent. Tauchen Sie ein in Berlins Kulturszene – heute ins Klassikkonzert, morgen ins Museum, am Wochenende zu einem Comedy-Event.
So zeigt das „Country to Country“ in Berlin, dass Country längst mehr ist als das Klischee vom weißen Cowboy. Es ist ein Genre, das sich stetig wandelt, neue Einflüsse aufnimmt und eine Gemeinschaft schafft, die Vielfalt lebt – egal, ob auf dem Land oder in der Großstadt.
Das Country to Country Festival findet vom 7. bis 9. März in und vor der Uber Eats Music Hall statt.





