Kann es sein, dass der Wettergott ein Kunstfan ist? Und er deshalb rechtzeitig draußen für eine Winterlandschaft gesorgt hat, damit man drinnen vom Kontrast überwältigt wird? Von einem Feuerwerk der Farben, Explosionen von Formen und Linien? Wer immer noch glaubt, dass abstrakte Kunst kühl und nüchtern daherkommt, wird sich bei „Kosmos Kandinsky“ von dieser Vorstellung verabschieden müssen. Das Museum Barberini Potsdam öffnet mit der Sonderschau über die Geometrische Abstraktion im 20. Jahrhundert wieder einmal einen neuen Blick. Erstmals in Europa wird die Geschichte nicht als Episode nationaler Bewegungen erzählt. In acht Kapiteln geht es um die internationalen Verbindungslinien.

Wassily Kandinsky (1866-1944) gilt als wichtiger Wegbereiter der Abstraktion. Zwölf wichtige Werke des Mannes, der mehrmals emigrieren musste, sind roter Faden für insgesamt 125 Gemälde, Skulpturen und Installationen von 70 Künstlerinnen und Künstlern. Leihgaben aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen, mit Werken, die höchst selten auf Reisen gehen. Etwa Kandinskys Meisterwerk „Weißes Kreuz“ von 1922 aus der Sammlung Peggy Guggenheim. Die großformatigen Bilder eines Frank Stella über den Atlantik zu transportieren, erfordert ebenfalls großen Aufwand. Mühen, die man der von Kuratorin Sterre Barentsen sehr spielerisch gestalteten Ausstellung kaum ansieht, man spürt vielmehr das Herzblut bei der Präsentation dieser vielfältigen „Kompositionen“. Wie etwa von der De-Stijl-Gruppe, die sich von Jazz und spirituellem Leben inspirieren ließ.
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Kandinsky zeigt zeitlebens eine große Affinität zur Musik. Der russische Künstler hatte 1911 in München den Blauen Reiter mitbegründet. Diese Künstlergruppe spielt in Potsdam keine Rolle. Die Ausstellung setzt später ein, mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als Kandinsky nach Moskau zurückkehren musste. Er begegnete Landsleuten wie Kasimir Malewitsch, Ljubow Popowa oder El Lissitzky, die mit ihrer abstrakten Bildsprache die Utopie des Fortschritts ausdrückten. Im Dienst der Revolution wandten sie sich ab 1917 zunehmend der Industriellen Produktion zu. Kandinsky wurde zum Außenseiter.

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1922 folgte er dem Ruf des Bauhauses nach Weimar. Hier machte sich der Einfluss der Moskauer Strömungen in seinen Arbeiten bemerkbar. Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten musste Kandinsky wie viele seiner Bauhaus-Kollegen Deutschland erneut verlassen. Er wurde in Paris Mitglied der Künstlergruppe Abstraction-Création um Piet Mondrian und Marlow Moss, die sich von der figürlichen Darstellung des Surrealismus absetzten - und sie doch zugleich aufnahmen. Kandinsky starb 1944 in Neuilly-sur-Seine bei Paris.
Nach der Besetzung von Paris durch Hitlers Truppen fanden viele Künstler in London Zuflucht, bevor sie in die USA emigrierten. Der Blick auf die von Barbara Hepworth und Ben Nicholson geprägte britische Szene zählt zu den interessantesten Aspekten der Ausstellung. Beleuchtet werden zudem die Strömungen der 1960er Jahre, Hard Edge in Amerika und der Minimalismus. Am Ende der Schau lockt die Op-Art, eine Herausforderung der visuellen Wahrnehmung, bei der man sich völlig dem Spiel der Illusionen hingeben kann. Ganz im Sinn der Kuratorin, die trotz aller kunsthistorischen Erkenntnisse einlädt, die in allen Variationen und Farben tanzenden Linien, Quadrate und Dreiecke auch einfach zu genießen.
Abstrakte Kunst kann richtig Spaß machen. Also auf nach Potsdam!
Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5-6, Potsdam. 15. Februar bis 18. Mai, Mo, Mi-So 10-19 Uhr. Website zur Ausstellung prolog.museum-barberini.de






