Irgendwann gibt man es auf mitzuzählen, das wievielte Instrument Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker an diesem Abend in den Händen hält. Gefühlt lässt er sich zu jedem Song ein anderes reichen. Spielt zuweilen sogar zwei in nur einem Lied. Variiert so von Mal zu Mal den Sound. Etwa mit dem hellen Flair einer spanischen Gitarre zu leichten Latin-Rhythmen, die dem Titel „Schlohweißer Tag“ ein neues musikalisches Gewand mit federleichtem Flirren verleihen. Diesem eigentlich rockigen Lovesong, dem Julia Neigel mit ihrem intensiven Gesang hochtourige Emotionen einhaucht.

Donnerstag
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Die legendären Ostrocker Silly haben nun auf ihrer „elektroAKUSTIK“-Tour in der ausverkauften Philharmonie Station gemacht. Und zwar mit einer gesanglichen Doppelspitze, bestehend aus Julia Neigel und dem einstigen City-Frontmann Toni Krahl. Ein hundertprozentiges Vergnügen, diese exzellenten Musiker bei der Arbeit zu erleben. Und zwar in einem Konzerthaus, dessen fein austarierte Akustik für absoluten Hörgenuss steht.
Dafür stehen auch die Silly-Granden Uwe Hassbecker an Gitarre und Geige, Hans-Jürgen „Jäcki“ Reznicek mit seinem gefühlig groovenden Bass und Tasten-Titan Rüdiger „Ritchie“ Barton an Klavier und Gitarre natürlich nicht beeindrucken. Live unterstützt werden sie von Schlagzeuger Ronny Dehn, der sein Drumset mit Congas und Effektinstrumenten deutlich erweitert hat, und Hassbeckers Sohn Daniel an Akkordeon, Cello und Keyboard.
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Ein enormes klangliches Spektrum. Wobei man das halbakustische Konzept zuweilen vergisst. Denn wenn die fünf Virtuosen loslegen, wird es auch schon mal richtig laut. Dazu gibt es schließlich reichlich Gelegenheit mit Hits wie „Halloween in Ostberlin“, „Asyl im Paradies“, „Die wilde Mathilde“ und „Bataillon d’Amour“, das Toni Krahl sensationell performt.
Nach der Abschiedstour von City 2022 hat Silly dem 75-Jährigen künstlerisches Asyl angeboten, das er nur zu gern angenommen hat. Jetzt singe er in Altersteilzeit, wie er scherzt. Und gesteht, manchmal überfalle ihn der Neid auf Silly. Nicht, weil die Musiker so hübsch seien, diese Posterboys mit vollem Haar. Neidisch ist er vielmehr auf „Mont Klamott“ aus dem Jahr 1983. Der Song über den Trümmerberg im Volkspark Friedrichshain, der Berliner Lebensgefühl atmet. Dabei sei keiner auf der Bühne echter Berliner. „Nur icke“, echauffiert sich Krahl und okkupiert den Titel mit den Worten: „Ist jetzt meiner.“ Interpretiert ihn mit diesem rauchig-zarten Timbre, das auch Julia Neigel hat.
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Ohnehin stimmt die Chemie zwischen den beiden. Zwischen ihren Duetten wechseln sie sich gesanglich ab. Keiner von ihnen will dabei die 1996 verstorbene Silly-Sängerin Tamara Danz ersetzen. Sie eignen sich die Songs auf ihre ganz eigene Weise an. Julia Neigel ist seit 2019 Frontfrau der Band und immer noch schockverknallt in die poetischen Lieder, deren feinsinnige Metaphorik einen gewaltigen Bilderkosmos heraufbeschwört.
Die 58-Jährige, die Peter Maffay mal als „beste deutsche Sängerin“ bezeichnete, entdeckt in dem gewaltigen Œuvre von Silly stets neue Juwelen. Wie ihr aktuelles Lieblingslied „Die Welt wird hell sein“, mit dem ihr ein Gänsehaut-Moment gelingt. Von denen gibt es übrigens jede Menge. Kein Wunder also, dass das Publikum jedem Song andächtig lauscht und Silly anschließend frenetisch feiert. Ein Abend mit Suchpotenzial. Gut, dass 2025 ein Wiederholungskonzert folgt.
Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Str. 1, Tiergarten, Tel. 01806 57 00 70, 9.2., 20 Uhr.






