Es braucht nur die drei Schläge auf die Kuhglocke, und das Publikum bricht in Jubel aus. Alle, die am Samstagabend in die Max-Schmeling-Halle in Berlin gekommen sind, kennen das berühmte Intro des Tracks „Grauer Beton“, mit dem der Hype um den Chemnitzer Rapper Trettmann 2017 begann.

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Nicht nur das Intro erkennen die Fans sofort, sie können auch die ersten Zeilen mitsingen: „Grauer Beton – rauer Jagon. Freiheit gewonnen – wieder zerronnen“, singt die Menge. Trettmann, Jahrgang 1973, ist älter als andere Rapper, die die deutschen Charts dominieren. In „Grauer Beton“ erinnert er sich an sein Aufwachsen in einer DDR-Plattenbausiedlung, aber auch die Zeit nach der Wende. „Weiße Sneaker mehr wert als Millionen“, rappt Trettmann und schreitet in hellen Turnschuhen über die Bühne in Berlin-Pankow. 

Trettmann und Produzentenkollektiv beendeten Zusammenarbeit

Weil er den Termin seiner „No More Sorrow“-Tour schon einmal verschieben musste, richtet sich der Rapper gleich an seine Berliner Fans: „Dankeschön für euer Verständnis dafür, Berlin. Ich wusste, ich kann auf euch zählen. Und das gilt auch umgekehrt“. 

Die Änderung seiner Tourpläne hat mit einer größeren Veränderung zu tun: Jahrelang arbeitete Trettmann mit dem Berliner Produzentenkollektiv Kitschkrieg zusammen. Die beiden Namen galten als unzertrennlich, auch wegen Mega-Hits wie „Grauer Beton“. Vor zwei Jahren verkündete Trettmann dann das Ende der Kooperation. „Wir hören auf, wenn es am besten ist“, schrieb er auf Instagram. Er wolle einen neuen Sound finden, nicht stilistisch zum Stillstand kommen. 

Trettmann: „Berlin, ich trinke auf euch“

Tatsächlich bringt Trettmann am Samstagabend jede Menge neue Musik mit. Der dritte Teil der EP-Sammlung „Your Love Is King“ ist erst zwei Wochen alt, es ist das erste große Projekt seit der Trennung von Kitschkrieg. Klappt es mit dem neuen Sound? Die Berliner Fans brüllen bei den neuen Tracks immerhin schon genauso laut mit wie bei den Klassikern „Billie Holiday“ und „Knöcheltief“. 

Schon weil Trettmann beim Konzert in Berlin-Pankow nicht alleine auf der Bühne steht, hat sich das Warten für die Berliner Fans gelohnt. Die Musiker Maikel, Blumengarten, Luna und Jassin begeistern das Publikum mit ihren Gast-Auftritten. Und plötzlich kommt dann auch die Deutschrap-Größe Bonez MC auf die Bühne. „Einsachtsieben!“, blafft Rapper Bonez den Namen seiner Gruppen in das johlende Publikum. „Berlin, ich trinke auf euch“, ruft Kollege Trettmann hinterher. 

Trettmann wirbt für Spendenkampagne

Trotz Party-Stimmung scheut sich Gastgeber Trettmann nicht, schwierige Themen anzusprechen. „Es gibt keine Safe Spaces mehr, Leute“ empört er sich und meint damit die rassistischen Beleidigungen gegen eine seiner Tänzerinnen auf einem Konzert im Sommer. „Ja man, Solidarität!“, ruft Trettmann. „Passen wir heute aufeinander auf. Und wenn sich jemand daneben benimmt, werfen wir ihn achtkantig raus. Okay, Berlin?“

Auch für seine Spendenkampagne gegen rechtsextreme Gewalt macht Trettmann Werbung, er hat sie zusammen mit dem Rap-Newcomer Yassin gestartet: „Es geht darum, sich stark zu machen gegen rechte, rassistische Gewalt. Demokratische Strukturen stärken – ihr wisst.“ Es folgt tobender Applaus. 

Viel spricht Trettmann während des Konzertes dabei gar nicht, er hat genug mit seiner Musik zu tun. Über 30 Songs stehen auf der Setlist für den Abend. Als das Publikum zum Schluss eine Zugabe verlangt, spielt Trettmann gleich sechs. „Berlin, es war so ein schöner Abend heute. Mir fehlen die Worte, for real. Was für eine hammer Crowd ihr wart“, ruft er. Und seine letzten Worte, bevor er hinter der Bühne verschwindet, klingen nach einem baldigen Wiedersehen: „Bis zum nächsten Mal!“

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