Für die äußere Bewegung und die gleichzeitige innere Annäherung zweier Reisender hat das Kino mit dem Roadmovie eine eigene Gattung erfunden. Zwei meist sehr unterschiedliche Menschen treffen sich also und reisen ein Stück des (Lebens-) Weges, der – so definiert man das eben – dann auch gleichzeitig das Ziel ist. Man geht dann als anderer Mensch, als der man gekommen ist, und hat dafür vorher zahlreiche (Seelen-) Landschaften durchreist. Reisen als Seelen- und Menschenbildung sozusagen.

„Marianengraben“: Leichenraub auf dem Friedhof

„Marianengraben“ von Eileen Byrne bietet nahezu eine Blaupause für dieses Genre. Ausgerechnet auf einem nächtlichen Friedhof treffen sich der Witwer Helmut (Edgar Selge) und die junge Paula (Luna Wedler). Helmut will die Urne seiner Frau ausbuddeln und die Asche auf dem Weg nach Südtirol verteilen, wo auch Paula hin will, wo einst ihr kleiner Bruder Tim ertrunken ist.

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Die gemeinsame Trauerarbeit verbindet also den alten Grantler und die lebensmüde junge Frau. Und wie sie da so in Helmuts Wohnmobil vorbei an langwie­rigen Polizeikontrollen und einsamen Bushaltestellen, idyllischen Seen und hohen Bergen, zwischen Cannabiszigarette und kleinem Tänzchen langsam zu­einander finden – das hat schon etwas sehr Formelhaftes.

„Marianengraben“: Nacktbader in einem heiligen See

Eileen Byrne, die in ihrem ersten Langfilm den gleichnamigen Roman von Jasmin Schreiber verfilmt hat, versucht dabei, dieses allzu Vorhersagbare mit schwarzem Humor zu unterlaufen. Dass ausgerechnet eine Horde Nacktbader in jenem See schwimmt, in den Helmut gerade einen Teil der Asche geschüttet hat, ist leider nur ein hübscher Einfall, die simple Idee, dass Trauer unterschiedlichste Menschen verbindet, komisch zu konterkarieren.

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Vielmehr setzt Byrne auf symbolisch aufgeladene Landschaften, wenn Paula sich nach einem Streit durch einen Lärchenwalddschungel bis zu einer dramatisch tiefen Felsklippe vorarbeitet, um dermaßen an der Grenze angelangt dann doch die schöne Aussicht gegenüber zu genießen. Das Leben, es geht halt weiter.

„Marianengraben“: Tauchgang in 11.000 Metern Tiefe

Dazu sehen wir die angehende Meeresbiologin immer wieder beim Tauchgang am titelgebenden Marianengraben, wo der Druck in 11.000 Metern Tiefe so groß ist, dass man zu implodieren droht. So versinkt der Film sprichwörtlich in Trauersymbolik – und es ist schade, dass er dabei nur allzu lehrbuchhaft die Stationen eines Roadmovies abfährt.

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Denn eigentlich sind sie ein nettes Paar: der skurrile Alte, der auch in misslichsten Situationen die Ruhe behält, und die junge verzweifelte Frau, die am Ende neuen Lebensmut fasst. Edgar Selge und Luna Wedler harmonieren über zwei Generationen hinweg gut und füllen ihre Figuren mit Leben – auch wenn sie viele Sätze aus Papier sagen müssen.

Tragikomödie, Deutschland 2024, 97 min., von Eileen Byrne, mit Luna Wedler, Edgar Selge