Lena Odenthal nimmt ihre Arbeit ja immer sehr persönlich. Aber in ihrem jüngsten „Tatort“-Fall ist sie besonders angefasst. Erst muss sie einem Konzertveranstalter ausrichten, dass sein Antrag auf Polizeischutz leider nicht bewilligt wurde. Der Mann organisiert Rockkonzerte gegen Rechts, bekommt dafür Hassmails und steht im Internet auf Todeslisten.

Donnerstag

Der Wochenend-Newsletter der Berliner Morgenpost

Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter mit Tipps zum Wochenende in Berlin

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Kurz nachdem die Kommissarin ihm die traurige Nachricht mitgeteilt hat, steht sie schon vor seiner Leiche. Erschossen beim morgendlichen Jogging. Der Fall scheint klar: Der junge Rechtsextreme Ludger (Daniel Noël Fleischmann) war mit seiner Freundin Hedwig (Anne-Marie Lux) am Tatort, landet auf der Flucht in einer Polizeikontrolle – und erschießt eine Polizistin, die eine gute Kollegin von Lena Odenthal war.

Interessantes zweites Spannungsgeflecht

Die Kommissarin ist so gleich doppelt getroffen. Und Ulrike Folkerts muss ihrer Figur deshalb besonders viele Runzeln auf die Stirn legen. Gewissensbisse plagen sie ja auch. Die Bitte um Polizeischutz wurde abgelehnt, weil bei der Polizei an Personal gespart wird. Aber hätte sie sich kraft ihres Postens nicht mehr dafür einsetzen müssen – und damit gleich zwei Leben retten können?

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, l) ist diesmal besonders angefasst. Johanna Stern (Lisa Bitter) muss sie erden.
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, l) ist diesmal besonders angefasst. Johanna Stern (Lisa Bitter) muss sie erden. © dpa | Unbekannt

Der Fall scheint klar. Und streift ein leidiges Thema, das die Republik bedroht: die zunehmende Gewalt von rechts und der offene Hass, der im Internet geschürt wird. Prompt schaltet sich der Verfassungsschutz ein und will die Ermittlungen an sich reißen. Aber Ludger, der gefasst wird, während Hedwig entkommen kann, beteuert, dass er den Mord zwar geplant, aber nicht verübt hat.

Erkenntnis im Hotelzimmer

Nachdem der letzte Fall von Lena Odenthal, erst in der Weihnachtszeit ausgestrahlt, ziemlich blass war, ist die Folge „Hetzjagd“, von Tom Bohn geschrieben und inszeniert, wieder sehr stark und eindringlich. Nicht nur weil die Kommissarin so persönlich betroffen ist. Sondern weil sich ein interessantes zweites Spannungsgeflecht auftut.

Hedwig taucht unter. Und auch die Freundin des Toten, Maria (Anna Herrmann) wird aus der Spur geworfen und irrt durch die Stadt. Beide treffen zufällig aufeinander, hoffen, bei der jeweils anderen übernachten zu können, teilen sich dann ein Hotelzimmer und stehen sich in ihrem Schmerz bei – ohne die fatale Verbindung zwischen ihnen zu ahnen. Die Konstellation ist ziemlich konstruiert, schafft aber intensives Dramapotenzial.

Ach ja: Der Rapper Clueso spielt auch mit. Aber nur ganz kurz. Und eher muffelig. Den Part hätte er sich sparen sollen.

„Tatort: Hetzjagd“ ARD, heute, 20.15 Uhr