Howard Carpendale wird zur Pressekonferenz im Hilton-Hotel erwartet, er soll der Stargast des für Juli angekündigten Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt sein. Standesgemäß verspätet sich er sich ein wenig, die Fotografen umlagern den Eingang, keiner sieht etwas, alle anderen warten geduldig. Dann geht plötzlich eine andere Tür auf und Howie erscheint. Es gibt Blitzlichtgewitter und fröhliche Gesichter im Raum.

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Schlagersänger können eine ganz eigene Aura verbreiten. Dabei wirkt der gebürtige Südafrikaner, der in seiner Karriere 25 Millionen Tonträger verkauft hat, eher wortkarg und gar nicht so relaxed, wie man es bei einem erfolgverwöhnten Entertainer erwartet. Es klärt sich schnell auf. Ursprünglich hatte er 14 große Konzerte geplant, am Ende – wie Carpendale sagt – als Krönung das Konzert auf dem Gendarmenmarkt. Nach allen drohenden Absagen wird wohl nur noch das Classic Open Air in seinem Terminkalender stehen. „Ich kann ihnen gar nicht erklären, wie sehr ich mich darauf freue“, sagt der 74-Jährige.
Carpendale erzählt von seinen Aufnahmen in den legendären Abbey Road Studios
Festivalchef Gerhard Kämpfe weist in seiner Begrüßung zur Programmvorschau auf die schwierige Situation durch Corona hin. „Aber wenn wir nicht Optimisten wären“, so Kämpfe, „dann wären wir im falschen Beruf.“ Er glaubt, dass das Festival im Juli stattfinden wird. Geschäftsführer Mario Hempel erzählt, dass im Vorverkauf bereits 2000 Karten mehr verkauft seien als im Vorjahr. Was mit Howard Carpendale zu tun habe. Der wird am 5. Juli erstmals live mit Orchester in Berlin gastieren. Auf dem Programm stehen Hits wie „Ti Amo“, „Hello Again“ oder „Tür an Tür mit Alice“. „Symphonie meines Lebens“ heißt sein aktuelles Album, für das er seine alten Hits neu arrangiert eingespielt hat mit dem Royal Philharmonic Orchestra.
Kämpfe drängt ihn zu erzählen, wie er sich bei den Aufnahmen in den legendären Abbey Road Studios in London gefühlt habe? Und dann kommt Carpendale doch noch fast ins Plaudern. Vieles sei ihm dort durch den Kopf gegangen. Und er habe an dem Klavier gesessen, an dem John Lennon einmal wütend seine Zigarette ausgedrückt hatte. Die Beatles waren ja allesamt starke Raucher.
Viel Aufmerksamkeit erhält die russische Sopranistin Svetlana Kasyan
Bei der Pressekonferenz sitzen neben Howard Carpendale noch acht weitere Beteiligte auf dem Podium, darunter die Dirigenten Robert Reimer und Alexander Merzyn sowie der Mandolinenspieler Avi Avital. Sie kommen etwas weniger zu Wort. Viel Aufmerksamkeit erhält die russische Sopranistin Svetlana Kasyan. Was auch damit zusammen hängt, dass sie von Kämpfe ankündigt wird mit den Worten, sie hätte gerade Erfolge in Italien gehabt. Ein eisiger Hauch weht durch den Raum. Aber die wunderbare Sängerin war zwischendurch wieder in Russland und in Quarantäne. Die 35-Jährige spricht in Berlin nicht nur über ihr künstlerisches Programm, sondern gibt ein Statement in Zeiten von Corona ab. Es geht um die Verpflichtung der Menschen, miteinander zu kooperieren und um die Hoffnung, die Kunst geben kann. Ihre Geschichte zeigt beiläufig, dass es gerade auch für durch die Welt reisende Sängerstars unberechenbare Zeiten sind. Svetlana Kasyan wird im Finale des Festivals, am 6. Juli, im Programm „Eine russische Sommernacht“ zu erleben sein.
Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt vom 2. bis 6. Juli. Tel. 01806-999000606




