Man mag es kaum glauben, aber das Classic Open Air rockt. Zumindest, wenn die Prinzen auf der Bühne stehen. Oft schon waren die Leipziger in Berlin. Jedoch noch nie beim Sommer-Festival auf dem Gendarmenmarkt. Jetzt spielen sie ihre großen Hits. Und begeistern damit das Publikum beim fast ausverkauften letzten Abend von der ersten Sekunde an.

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Tobias Künzel hofft, dass die Zuschauer den Daheimgebliebenen vom Auftritt berichten: „Hat nicht geregnet. Und ‘Gabi und Klaus’ haben sie auch gespielt. Es war nicht alles schlecht.“ Eine schöne Überleitung zum gleichnamigen Song. Der hat alles, was die Prinzen ausmacht. Eine eingängige Melodie, irgendwo zwischen Pop, Rock, Jazz und Weltmusik, mehrstimmiger, harmonischer Satzgesang und witzige bis sozialkritische Verse. Wie etwa die ironischen Reime im Hit „Deutschland“. Eine Zustandsbeschreibung aus dem Jahr 2001. Heute noch so aktuell wie eh und je. Oder „Bombe“, eine klare Absage an Fremdenfeindlichkeit, Nazis und Glatzen.
Die Prinzen gehören zu Deutschlands erfolgreichsten Popbands
Insgesamt 14 goldene Schallplatten, sechs Platinauszeichnungen und über sechs Millionen verkaufte Alben sind beredter Beweis dafür, dass die Prinzen zu Deutschlands erfolgreichsten Popbands gehören. In ihrer Jugend waren Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk und Henri Schmidt Mitglieder des Leipziger Thomanerchors, Jens Sembdner sang im Dresdner Kreuzchor. In den Achtzigern gründeten Krumbiegel und Lenk diverse Bands.
Der Durchbruch kam 1991 mit dem unverwechselbaren A-Cappella-Sound, der trotz der später rockigeren Instrumentierung bis heute das Markenzeichen des Septetts ist. Außerdem hatten Krumbiegel und Lenk klugerweise den alten Bandnamen „Herzbuben“ abgelegt.
Die Prinzen spielen sich durch 30 Jahre Bandgeschichte
In den Neunzigern reihten die Prinzen einen Hit an den nächsten. Damals kam keiner an ihnen vorbei. In den Nuller-Jahren konnten sie aber nicht mehr ganz an diese Erfolge anknüpfen. Wirklich ruhig ist es um die Musiker, die ihren letzten Studio-Longplayer „Familienalbum“ vor vier Jahren herausbrachten, aber nie geworden. 2015 gaben sie anlässlich des 1000-jährigen Leipziger Stadtjubiläums ein Konzert mit Orchesterbegleitung. Das Publikum war so hingerissen, dass die Prinzen beschlossen, mit einem Sinfonieorchester auf Tour zu gehen.
Nun machen sie im Rahmen ihrer zweiten Orchester-Tour Station beim Classic Open Air. Spielen sich gemeinsam mit dem Orchester der Musikalischen Komödie Leipzig unter Leitung von Musikdirektor und Chefdirigent Stefan Klingele durch die Songs aus knapp 30 Jahren Bandgeschichte. Die Arrangements für das Orchester schrieb übrigens Prinzen-Tenor und Gitarrist Wolfgang Lenk.
Verlernt haben die Prinzen nichts
Längst sind die Sänger allesamt Fifty-Somethings. Dennoch haben sie musikalisch nichts an Kraft eingebüßt. Sie sind allerdings lässiger und definitiv selbstironischer geworden. Was ihnen außerordentlich gut steht. Vor allem Frontmann Sebastian Krumbiegel mit der wohl markantesten Stimme der Band schlägt das Auditorium in den Bann. Aber auch die anderen Prinzen haben nichts verlernt.
Die Sachsen singen nicht nur „Millionär“, „Suleimann“, „Schwein sein“ und „Küssen verboten“. Sie covern auch „Blaue Augen“ von Ideal, der coolsten aller Berlinbands. Und sie haben sich Gäste eingeladen. Die Badener Fools Garden, die ihren Welthit „Lemon Tree“ performen.
Später dann kommt noch Österreichs Star Christina Stürmer und singt mit den Prinzen ihren Hit „Millionen Lichter“. Tobias Künzel gibt zu: „Wir sind alle ein bisschen verliebt in sie.“ Natürlich performt Christina Stürmer auch noch einen Prinzen-Song. Und zwar den Mega-Chartbreaker „Alles nur geklaut“. Der Gendarmenmarkt steht Kopf. Standing Ovations.




