Berliner sind streitbare Diskutanten, wenn es um ihre Stadt geht. Das hat schon Architekt Chipperfield beim Umbau des Neuen Museums erfahren. Nun sitzen am Mittwochabend die Architekten Jacques Herzog und Pierre De Meuron, „die ungefähr besten Architekten der Welt“ (Matthias Sauer) auf dem Podium. Die Akademie am Hanseatenweg ist ausverkauft. Viele Museumschefs sind gekommen, Architekten, Kritiker. Zur Debatte steht der Entwurf für den Neubau des Museums der Moderne (M 20). Der Bau weckt jede Menge Begehrlichkeiten, seit Jahrzehnten wird über die Brache und Einöde am Kulturforum debattiert und gestritten. Das ist wie ein urbanes Mantra. Die neue Kunst-Wundermaschine soll es nun richten, Verbindungen schaffen zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie, zwei Bauten, die Jacques Herzog als „autistisch“ bezeichnet. Das gefällt nicht allen.

Es werde sich alles bewegen, verspricht Pierre de Meuron

Die Basler Architekten hatten vor gut einem Jahr den Realisierungswettbewerb gewonnen, stießen aber von Anfang an auf viel Häme und Kritik. Seitdem wurde Größe und Umriss bereits reduziert, sonst hätte das Museum die St. Matthäus-Kirche erdrückt. Es sei eine „Scheune“, ein „Bahnhof“, so die wenig schmeichelhaften Beschreibungen.

Doch Herzog nimmt den Vergleich, vielleicht der „größte Aldi in Berlin“ zu sein mit Humor. Das Gebäude für die Kunst solle durchaus etwas Alltägliches, Gewöhnliches haben, wie eben beim Einkaufen. Aber auch etwas Erhabenes. So ganz ist das nicht zu verstehen. Andere ihrer Museumsbauten, sagt er, seien auch im Dialog mit dem Bauherrn und der Stadtgemeinschaft entstanden. Und so will man den Entwurf präzisieren. Es werde sich „alles bewegen, das kann ich versprechen“, so Pierre de Meuron.

Herzogs Ausführungen am Anfang machen klar, wohin der Entwurf eigentlich will, Vergleichsgrößen sind die Reitschule in Moskau und die Tate Modern mit ihren nach innen offenen Räumen. Ein Giebeldach hat das M 20, vier Eingänge, eine Ziegelfassade, die porös ist, also Licht durchlässt. Dabei geht es bei der lebhaften Publikumsdiskussion im Kern weniger um das Gebäude selbst als um die Neuausrichtung des Kulturforums, um die Aufenthaltsqualität dieses zersplittertes Areals.

Donnerstag

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Den Masterplan, den will Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) nicht mehr korrigieren. Auch die Untertunnelung der Potsdamer Straße möchte sie sich „nicht ans Bein binden“. Maximal ein Tempolimit sei drin oder die Aufgabe einer Spur. Immerhin weiß man jetzt, dass das Kulturforum bis 2032 zur ewigen Baustelle wird: Neben dem Museumsbau wird die Sigismundstraße untertunnelt, die Dauerbaustelle Staatsbibliothek bleibt.

Gabriela Walde