Es war eine Pressekonferenz, bei der Chefdirigent Gijs Leenaars weitgehend im Hintergrund blieb. Chordirektor Hans-Hermann Rehberg hatte seinen Auftritt am Dienstag, um seine letzte Spielzeit beim Rundfunkchor Berlin zu präsentieren. Bei der Gelegenheit wurde sein 40. Dienstjubiläum gefeiert.

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Rehberg war 1981 als Bariton in den Rundfunkchor gekommen, in den Wendewirren wechselte er 1990 ins Management. Er hatte das Vertrauen der Sänger, weil er einer von ihnen war und zugleich das politische Fingerspitzengefühl hatte, um den Ost-Profichor in die Rundfunk-Orchester und -Chöre (ROC) GmbH zu überführen und damit zu sichern.

Neue Chefin tritt ihr Amt offiziell in einem Jahr an

In den folgenden Jahren profilierte er den Klangkörper als Partner großer Orchester und sorgte für internationale Präsenz. Der Rundfunkchor Berlin ist ein Grammy-Chor. Mehr geht nicht. Rehberg stellte am Dienstag auch seine Nachfolgerin Rachel-Sophia Dries vor. Es ist offenbar eine harmonische Übergabe geplant, denn sie ist mit dem Innenleben des Chores bestens vertraut. Von November 2011 bis September 2018 war sie bereits Leiterin Marketing & Kommunikation. Dann wechselte sie zur Schaubühne, wo sie als stellvertretende PR/Marketing-Chefin zum Team von Thomas Ostermeier gehört.

Im August 2022 tritt sie offiziell ihr Amt als Chordirektorin an. Es ist zunächst ein Dreijahresvertrag. Sie habe einen Mezzosopran, sagt Rachel-Sophia Dries mit ihrer tiefen, coolen Sprechstimme, und wirkt etwas irritiert über die Frage. Und dann wehrt sie bescheiden ab, sie hätte nur in Laienchören Erfahrung gesammelt.

Schon jetzt ist sie mit einem Jubiläum beschäftigt

Die gebürtige Berlinerin, Jahrgang 1981, war Mitglied im Kinderchor der Deutschen Oper und im Berliner Konzertchor. Sie hat Musikwissenschaft und Italianistik an der Freien Universität und der Humboldt-Universität studiert und ihre Magisterarbeit über das Chorwesen geschrieben. Als junge Kulturmanagerin hat sie für die Vagantenbühne und für Max Raabe und sein Palastorchester gearbeitet. Beim Deutschen Chorverband bereitete sie 2011 die erste Chormesse „chor.com“ vor.

Über Vorhaben beim Rundfunkchor will sie natürlich jetzt noch nichts Konkretes sagen. Sie verweist immerhin auf das 2025 bevorstehende Jubiläum, denn vor 100 Jahren war der Funkchor Berlin gegründet worden. Das beschäftige sie bereits.

Für die Saison 2021/22 hat der Rundfunkchor insgesamt 49 Konzerte und 25 Programme angekündigt. Fünfzehn Dirigenten stehen an zehn Spielorten am Pult. Es ist wieder ein dickes Paket an Chorsinfonik, Mitsing-Projekten und Lounge-Angeboten. Und es ist zugleich der Neustart in der Pandemie. Oder wie Rehberg es zwischendurch ausdrückt: „Zurück zu unserem Kerngeschäft.“

Der Chordirektor schwärmt von QR-Codes

Eine Saisonbroschüre gibt es nicht. Der Chordirektor schwärmt von QR-Codes, mit denen das Publikum „tiefer in die Homepage eindringen“ könne. Konkret geht es aber um die „Klangspaziergänge“ mit dem Rundfunkchor. An „Klangstationen“ in Parks sind per QR-Code Aufnahmen abrufbar. „Ein Profichor muss Avantgarde sein“, sagt Rehberg.

Kirill Petrenko, Daniel Barenboim oder Gustavo Dudamel sind die Dirigenten bei den insgesamt 22 Konzertabenden mit den Berliner Philharmonikern. Dazu kommen drei Konzerte mit dem Deutschen Symphonie-Orchester und vier Programme mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester. Das sind die beiden Orchester, die ebenfalls zur ROC gehören.

Höhepunkt ist das Mitsingkonzert in der Philharmonie

Ein jährlicher Höhepunkt ist das Mitsingkonzert in der Philharmonie, zu dem in der neuen Saison erstmals Chefdirigent Gijs Leenaars und nicht sein Vorgänger Simon Halsey einlädt. „Ever Us“ heißt das Auftragswerk der britischen Komponistin Roxanna Panufnik, für dessen Uraufführung zehn Chöre erwartet werden. Zum Programm gehören am 29. Mai 2022 außerdem Brahms’ „Schicksalslied“ und der Schlusschor aus Beethovens Neunter.

Chefdirigent Gijs Leenaars warb am Dienstag für sein Weihnachtskonzert am 22. Dezember 2021 im Berliner Dom, bei dem Josef Gabriel Rheinbergers „Messe in Es-Dur (Cantus Missae)“ im Zentrum steht. Die von Entertainerin Gayle Tufts moderierte „RundfunkchorLounge“ wird mit drei Programmen im Silent green Kulturquartier fortgesetzt. Der erste Abend am 29. September 2021 ist dem 100. Geburtstag von Sophie Scholl gewidmet, der zweite Abend am 26. Januar 2022 elektronischer Musik. Am 6. Juli 2022 wird Chordirektor Rehberg zünftig verabschiedet.