Dem Salamander-Syndikat ist es schon lange ein Dorn im Auge, dass die Erdoberfläche zu vier Fünfteln mit Wasser bedeckt ist. Wirtschaftlich wäre da mehr drin. Darum könnte sich auch Deutschland gut vorstellen, einen Kontinent aus Stahlbeton ins Saragossa Meer zu bauen. Manpower dafür ist ja im Überfluss vorhanden, seitdem man die Molche züchtet. Billige, genügsame Arbeitskräfte. Intelligent und geschickt. Und man kann den Molch-Markt dank neuer Modelle bestens bedienen. Die Natur hätte dafür eine halbe Ewigkeit gebraucht. Der Evolution fehlt es einfach an Unternehmergeist.

Donnerstag

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Bei der Premiere von Karel Čapeks Roman „Der Krieg mit den Molchen“ in der Bearbeitung von Soeren Voima kommt man selten aus dem Lachen heraus. Regisseurin Clara Weyde hat die beißend-satirische Parabel vom unaufhaltsamen Aufstieg der Molche und dem Untergang der Menschheit in der Schaubühne mit einem grandiosen sechsköpfigen Ensemble hübsch verspielt aus vermeintlich kindlich-naiver Perspektive inszeniert. Bettina Pommer hat dafür eine Bühne aus eleganten Parkett- und Intarsienarbeiten gebaut. Die Welt der ach so kultivierten Menschheit. In der klafft jedoch ein kreisrunder, schwarzer Abgrund: Das Bällebad der Molche.

Die inhaltsleeren Phrasen der Menschen

Čapeks Zeitgenossen sahen in seinem Roman 1936 eine Warnung vor dem Faschismus. Heute lässt er sich als Kolonialismus- und Kapitalismuskritik lesen. Alles beginnt fast märchenhaft in der Südsee, als Kapitän Van Toch (Axel Wandtke) mit den Molchen ein Tauschgeschäft vereinbart. Waffen gegen Haie für Perlen. Die Lurche vermehren sich, und das das Salamander-Syndikat macht aus ihnen eine gefragte Ware. Unterstützt von der Wissenschaft, die den Amphibien viele Talente zu-, aber menschliche Rechte aberkennt.

In mehreren Kapiteln wird von der Ausbeutung und Vermarktung der Kreaturen erzählt. Herrlich, wie Molch Andi (Bastian Reiber) die inhaltsleeren Gesten und Phrasen der Menschen in einer Talkshow imitiert und nebenher mit seinem Intellekt über alle Anwesenden triumphiert. Während sich die Menschheit wahlweise über Partikularinteressen streitet oder dem neuen Molch-Kult frönt, entwickelt sich der Molch. Probiert Werkzeuge von der Kehrschaufel bis zum Laubbläser. Verliert seinen Schwanz und taucht plötzlich im smarten Business-Dreiteiler auf.

Gewitzt verweben sich egoistische Wirtschaftsinteressen unter dem Deckmantel gesellschaftlicher Errungenschaften mit einer rasanten Molch-Evolution. Die besagt: Niemand sollte sich an der Spitze der Nahrungskette allzu sicher fühlen.

Eingelullt von zarten, live eingespielten Cembalo-Klängen (Thomas Leboeg), erkennen die Menschen erst angesichts der Katastrophe, dass die Molche sie in der Entwicklung überholt haben. Und dass sie die Inkarnation der dunklen Seite des Menschen sind. Ohne Empathie für andere Lebewesen oder die Umwelt, fluten sie die Erde durch Sprengungen, um ihre Lebensraum zu erweitern. Wie weiland Hitlers Rundfunk-Propaganda, feiert nun einer Molch-Radioshow vor dem Donnern der Explosionen den Sieg der ozeanische Kultur. Statt nun an einem Strang zu ziehen, besiegeln die Menschen mit kleinstaatlichen Ambitionen ihr eigenes Ende. Der Klimawandel lässt grüßen.

Schaubühne am Lehniner Platz, Kurfürstendamm 153, Wilmersdorf, Tel. 89 00 23, 6.-9.6., 7.-10.7. um 20 Uhr