Grenzenloser Jubel, als endlich die ersten Takte von "Because the Night" erklingen. Patti Smith bekanntester Song sorgt im Handumdrehen für beste Stimmung. Da hat die Punk-Ikone die Zitadelle Spandau bereits Bob Dylan, Led Zepplin und natürlich eigenen Songs gerockt. Laut, krachend, fulminant und schlichtweg cool.

Es ist das Konzert mit dem größten Publikum, das Patti Smith jemals gegeben hat. Dafür bedankt sie sich mit der Ballade "Grateful". Mit schlohweißem, langem Haar und selbstredend im schwarzen Outfit ist die Musikerin allerdings nicht für jeden gut zu sehen. Ein großes Zelt für Ton und Technik steht raumgreifend mitten im Publikum und versperrt die Sicht. Immerhin ist der Sound brillant, so dass auch Smith Hommage an Allen Ginsberg, die Rezitation eines Gedichts, zur brillanten Performance gerät.

Pandemiebedingt musste der Auftritt um zwei Jahre verschoben werden. Damit ist es nun fünf Jahre her, seitdem die Punk-Poetin und ihrer Band an gleicher Stelle zu Gast waren. Begleitet wird Smith von Gitarrist Lenny Kaye, Schlagzeuger Jay Dee Daugherty – beide sind bereits auf ihren legendären Debütalbum „Horses“ von 1975 zu hören – Bassist und Keyboarder Tony Shanahan sowie Smiths Sohn Jackson an der Gitarre.

Patti Smith ist Sängerin, Frontfrau, Dichterin, Malerin, Fotografin, Bestsellerautorin. In den 1970ern war sie eine der ersten Frauen in der männlich dominierten Rockmusik. Keine von den sanften Gestalten an der Gitarre wie Joni Mitchell oder Joan Baez. Im Gegenteil. Patti Smith hat sich den Titel „Godmother of Punk“ redlich verdient. Was die 76-Jährige auch an diesem Abend beweist. Ihr Furor ist nach wie vor wild und ungestüm, jedoch mit einem freundlicheren Gestus als in früheren Jahren. Ihre Stimme zudem auch noch im achten Lebensjahrzehnt sensationell.

Das Publikum ist zum größten Teil mitgealtert. Manche sind seit der ersten Stunde dabei. Einer hat sich gar in Blau den verschnörkelten Schriftzug "Patti" auf den Unterarm gemalt. Es sind aber auch viele Jüngere unter den Zuschauern. Aber egal, welche Altersklasse, alle begeistern sich für zahlreichen Klassikern wie "Dancing Barefoot". Das energetische "Gloria". Und, als Zugabe, "People Have the Power". Ein perfektes Konzert für Fans.