Wanda – das bedeutet auf der Bühne vor allem Exzess und Leben im Moment. Amore. Schnelle Liebe, schnelles Leben, Rock ’n’ Roll. Mit Ohrwürmern wie „Bologna“ und „Bussi Baby“ spielte sich die Band aus den Studentenkellern erst in das Feuilleton und dann in die großen Konzerthallen. Aber das Leben holte die Wiener ein. Erst verstarb der Keyboarder, dann der Vater des Leadsängers.
Dem neuen Album „Ende Nie“ hört man diese Verluste an. Im positiven Sinne. Denn die Platte ist ein Abgesang auf die Schnelllebigkeit. Ein Mittelfinger an alle Mario-Barth-Punker, die denken, Rock ’n’ Roll bedeutet, sich nie weiterzuentwickeln. Schön zu hören auf dem Track des neuen Albums „Ich hör dir zu“, in dem Sänger Marco Fitzthum alias Marco Wanda eben nicht den ewig Trotzigen gibt, sondern sich eingesteht endlich zuzuhören. Genau zugehört hat am Freitagabend auch das Publikum im Hole 44 in Berlin.
Lesen Sie auch: Interview mit Wanda-Sänger: „Es ist gefährlich, zum Dorftrottel zu werden“
Wanda in Berlin: Amore, Bologna und Kippen
Denn zum Release der neuen Platte besannen sich Wanda auf ihre Wurzeln, ohne peinlich an ihnen zu kleben. Aber eben kleine Clubshow statt großer Bühne. “Irgendeiner muss uns doch entdecken heute”, hofft Sänger Fitzthum. Der Abend ist auch der Beweis, dass Wanda trotz aller Aufarbeitung schwerer Themen dafür stehen, das Leben zu feiern. Ein paar Getränke ins Publikum. Das gehört auch heute noch zum Auftakt jeder Wanda-Show.
Wanda singen vom Schmerz und Weiterleben. Deswegen gibt es auch Amore, Bologna und Kippen zum Einstieg. Wanda pur! Sänger Fitzthum peitscht das Publikum ein, fordert es immer wieder zum Mitsingen auf, wie ein Boxtrainer seinen in die Jahre gekommenen Schützling. „Wir sind verloren“, aber das ist jetzt auch Wurscht. Spätestens nach den ersten drei Tracks ist das Publikum Feuer und Flamme.
Wanda in Berlin: Ur-traurig wird es nie
„Ich will zum Himmel fahren, so schnell wie es geht“, schreien Sänger und Publikum im Chor. Obwohl es keinen Beweis gebraucht hätte, beweist der Wanda-Frontmann in einem kleinen Spiel mit dem Publikum die Range seiner Stimme. Keiner rotzt so sauber und schön ins Mikrofon. Mit „Wachgeküsst“ kommt dann auch die neue Platte auf der „großen Bühne“ im Hole44 an. Ur-traurig wird es wie angekündigt nicht. Auch nicht bei „Bei Niemand anders“, dessen Auseinandersetzung mit dem Tod so alt ist wie die Musik selbst. Aber bei Wanda klingt das eben nicht Ur-traurig, sondern nach „Na und!“„.


